Nach den Wahlen
Burma: Das lange Warten auf Aung San Suu Kyi
Jahrelang durften die Menschen in Burma nicht mal ihren Namen nennen, heute ist Aung San Suu Kyi auf den Straßen allgegenwärtig. Bei der Wahl am Sonntag ist die Friedensnobelpreisträgerin nun endlich ins Parlament gewählt worden. BRIGITTE-Redakteurin Beatrix Gerstberger ist durch Burma gereist und beschreibt, wie sich das Land verändert.
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Einzug der Moderne
Im Zug von Rangun. Noch vor fünf Jahren trugen die Jugendlichen die traditionellen Longhyis, mittlerweile gibt es in den großen Städten Burmas auch moderne Kleidung aus China zu kaufen. Wer als Ausländer vor ein paar Jahren nach Burma reiste, der war sogar in Rangun so etwas wie ein Exot für die Einheimischen. Dorfbewohner ließen sich gern mit den weißen Riesen aus dem Westen fotografieren und hängten die Fotos stolz in ihre Hütten. Seitdem das Militärregime eine Art politischen Frühling eingeleitet hat, die Welt ihre Sanktionen lockerte, und die Abordnungen der westlichen Regierungen Schlange stehen, um die freigelassene Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zu treffen, ist Rangun eine Stadt voller Werbung geworden. Zwischen den bröckelnden Kolonialbauten gibt es plötzlich Internetcafes und Schönheitssalons, da, wo bis vor ein paar Jahren nur Pferdekarren und Fahrrad- oder Motorradtaxis fuhren, rasen Autos, und es gibt mittlerweile sogar ein paar Ampeln.
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Eine eigene Küche ist Luxus
Immer noch aber leben viele Menschen in Armut und haben nicht die Möglichkeit zu Hause zu kochen. Und so stehen dicht gedrängt am Straßenrand Garküchen mit ihren winzigen Plastikstühlen und Tischen, die Menschen trinken ihren Tee in den Teeküchen, wo bis vor zwei Jahren auch die Spitzel des Regimes immer mit am Tisch saßen und lauschten. Es reichte schon, den Namen der unter Hausarrest stehenden Aung San Suu Kyi zu erwähnen, um für Jahre in einem der Gefängnisse zu verschwinden.
Die Touristen kommen, die Bewohner müssen gehen
In der Familie von Min-Min in der Pagodenstadt Bagan kochen die Frauen in einer Hütte neben dem Holzhaus auf zwei offenen Feuerstellen. Das Haus liegt in Alt-Bagan, einem Dorf, aus dem die meisten Menschen wegen des aufkommenden Tourismus zwangsausgesiedelt wurden.
Beten für das nächste Leben
Religion spielt nach wie vor eine große Rolle im Leben der Burmesen. Hauchdünnes Blattgold wird in dicken Schichten von den Gläubigen auf Buddha-Figuren überall im Land geklebt. Buddha Gold, Früchte, Blumen oder Geld zu opfern bringt einen Verdienst für ein besseres nächstes Leben.
Tempel-Pilger
Die Shwedagon-Pagode in Rangun ist die wichtigste Tempelanlage Burmas. Jeder Burmese versucht wenigstens einmal in seinem Leben dorthin zu fahren und zu beten. Oft trifft man auch junge Novizen mit ihren Familien aus weit entfernten Dörfern oder junge Hochzeitspaare, die sich vor den unzähligen kleinen Tempeln, Tier-Statuen, Buddha-Figuren und Pavillons fotografieren.
Kloster-Schule
In diesem Kloster in Sittwe leben junge Mönche für einige Wochen zusammen und werden unterrichtet. Jeder burmesische Junge geht traditionell zweimal in seinem Leben für einige Wochen ins Kloster.
Stämme und Traditionen
Frauen des Stammes der Pao arbeiten in ihrer traditionellen Kleidung auf ihren Feldern in den Bergen oberhalb des Inle-Sees. Es gibt 135 verschiedenen Minderheiten in Burma.
Burmas Popstar: Aung San Suu Kyi
Auf dem Fünf-Tage-Markt am Inle-See. Jeden Tag findet der Markt in einem von fünf verschiedenen Dörfern statt, die mit langen Holzbooten angefahren werden. Was vor kurzem noch Gefängnis oder Folter bedeuten konnte, ist heute häufig zu sehen: Stände, die Poster, T-Shirts mit dem Foto der Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi verkaufen.
Warten auf die Mutter
Sie nennen sie A May, unsere Mutter. Wenn Aung San Suu Kyi durchs Land reist, dann stehen Tausende an den Straßen und winken. In Rangun gibt es viele Händler, die Schlüsselanhänger mit den Bildern der Oppositionsführerin und ihres Vater Aung San verkaufen. Nun ist Aung San Suu Kyi bei der April-Wahl ganz klar in das Parlament gewählt worden. Die Burmesen feiern dies wie einen Wahlsieg, auch wenn die Regierung nach wie vor von Militärs und Regimefreunden dominiert wird. Doch ihre Anhänger setzen weiter auf Geduld. Sie hoffen, dass Aung San Suu Kyi eines Tages doch noch ihre Präsidentin wird.
Sie wollen noch mehr über Burma erfahren? Beatrix Gerstbergers Reisereportage lesen Sie im BRIGITTE-Heft 11, ab 2. Mai am Kiosk.
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