Koalition verabschiedet "Herdprämie"
Contra Betreuungsgeld: "Ihr habt sie doch nicht alle!"
Contra Betreuungsgeld: Die Kindergarten-Hauptstadt
Foto: SVLuma/Fotolia.com
Unsere Tochter mag keine Trickfilme. Wenn im Fernsehen ein Trickfilm läuft, verlässt sie, die Trickfilm-Industrie verwünschend, das Wohnzimmer. Neulich schlug ich vor, mit der Familie ins Kino zu gehen, der einzige anständige Kinderfilm, der lief, war ein Trickfilm. Unser Sohn: „Wann gehen wir?“ Unsere Tochter: „Mit echten Menschen?“ Ich: „Nein. Aber der Film soll ganz toll sein.“ Unsere Tochter: „Ich komme nicht mit.“ Ich sagte: „Dann musst du allein zu Hause bleiben.“ Unsere Tochter: „Lieber allein bleiben als Trickfilme angucken müssen.“ Ich sagte: „Okay.“ Ich dachte: Alle Achtung, das Kind hat Prinzipien. Das prinzipientreue Kind überlegte kurz und sagte: „Wie viel kostet der Eintritt?“ Ich sagte: „Sechs, sieben Euro oder so.“ Das Kind: „Dann krieg ich auch sieben Euro, oder?“ Ich: „Wieso das denn?“ Das Kind: „Weil ich nicht mitkomme.“ Ich sagte: „Aber du bleibst doch freiwillig zu Hause, niemand zwingt dich dazu.“ – „Ihr gebt Geld aus für Kino, und ich kriege nichts“, pöbelte das Kind, „das ist total ungerecht!“ Ich sagte: „Ha ha! Ich bezahl dir doch nichts dafür, dass du nicht ins Kino gehst! Wir sind doch hier nicht bei der CSU!“
Die CSU will Eltern, die ihr Kind bis zum dritten Geburstag zu Hause betreuen, statt einen Kita-Platz in Anspruch zu nehmen, ab 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von monatlich 150 Euro zahlen. Die CSU argumentiert dabei auf dem Niveau einer Neunjährigen, das sollte der CSU zu denken geben, tut es aber leider nicht: „Ihr gebt Geld aus für Kitaplätze, und die, die ihr Kind nicht in die Kita bringen, kriegen nichts! Das ist total ungerecht!“ Berlin, Kita „Regierungsviertel“: Angela (CDU), Guido (FDP) und Horst (CSU) spielen Politiker. Politikerspielen geht kinderleicht: Man verschenkt Bonbons, um sich beliebt zu machen – 1,6 Milliarden Euro für das Betreuungsgeld, 4,6 Milliarden für die Kindergelderhöhung, 8,5 Milliarden für Steuersenkungen. Die Experten sind genervt und schimpfen: „Nun hört aber mal auf mit dem Unsinn.“ Clemens Fuest, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums: „Die Kindergelderhöhung ist weder wachstums- noch familienpolitisch sinnvoll.“ Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: „Frau Merkel und Herr Westerwelle verhalten sich wie ein Ehepaar, dem das Geld fehlt, das defekte Dach des Eigenheims zu erneuern, und das trotzdem erst mal eine Weltreise unternimmt.“ Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes: Statt das Betreuungsgeld an Eltern auszuzahlen, solle es besser für die zielgerichtete Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland eingesetzt werden; „durch die Abschaffung der Kita- Gebühren, einen qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung mit besser qualifizierten und bezahlten Fachkräften würden Eltern wirkungsvoll unterstützt und Kinder in ihrer sprachlichen, motorischen und sozialen Entwicklung optimal gefördert.“ – „Och nö“, sagen Angela, Guido und Horst, „Lobbypolitik macht gerade viel mehr Spaß als Bildungspolitik. Was scheren uns die Generationen von morgen?“ Die Zukunft habe keine Lobby, sagt der Wirtschaftsweise Bofinger: „Ich sehe die Gefahr, dass der Steuersenkungskurs zu Streichungen bei den Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung und Infrastruktur führt. Deutschlands Zukunftsfähigkeit wird durch den Steuersenkungskurs massiv gefährdet.“
Julia Karnick
Wenn meine Kinder ständig das Gegenteil
von dem tun, was getan werden muss,
werde ich wütend. Wenn Politiker ständig
das Gegenteil von dem tun, was getan
werden muss, macht mich das fassungslos.
Mit den Worten des schleswig-holsteinischen
Ministerpräsidenten Peter Harry
Carstensen (CDU): „Ihr habt sie doch
nicht alle!“ Seit einiger Zeit spiele ich öfter
mal mit dem Gedanken auszuwandern. Irgendwohin, wo man das Gefühl hat, von
Erwachsenen regiert zu werden.
(erstmals erschienen in BRIGITTE 2/2010)
Info: Wann kommt das Betreuungsgeld denn nun?
Im Gespräch ist es seit Jahren, nun soll es auch wirklich kommen: Das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre zweijährigen Kinder zu Hause betreuen, ist ein Wunsch der CSU - und beim Koalitionstreffen am Wochenende wurde es nun endlich durchgeboxt. Noch diese Woche soll es im Bundestag nach mehreren Anläufen beschlossen werden. In Kraft treten wird die neue Regelung aber erst ab 1. August 2013. Dann bekommen Eltern für ihre Kinder im zweiten Lebensjahr 100 Euro, ein Jahr später werden es dann 150 Euro sein. Geplant ist auch, dass die Eltern das Geld alternativ in die private Altersvorsorge ihrer Kinder oder für die Ausbildung investieren können.













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am um
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Irmgard
am 23.03.13 um 12:23
Man kann einfach nur hoffen, dass die Politiker zur Besinnung kommen und sich nicht der SPRUCH " IHR HABT SIE DOCH NICHT ALLE ??! " Verwirklicht !!! Denn dann verstehen die klar denkenden Menschen in Deutschland nichts mehr!!! s. Brigitte de.
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Irmgard
am 22.03.13 um 17:46
Wir sind fùr kein Betreuungsgeld, denn,Kinder zu bekommen ist das größte Glùck! Kinder gehen aber auch sehr gerne in Kindereinrichtungen, denn dort spielen sie mit Kindern, haben Beschãftigungen, sinde stolz, auf das was sie können. Ich glaube nicht, dass Mütter zu Hause ihre Kinder soooo fördern und begeistern können wie in einer Kindereinrichtung.
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Irmgard
am 22.03.13 um 17:37
ich schließe mich den 6 Worten in Brigitte de. an und verstehealles nicht mehr. Es gibt doch schon 180 Euro Kindergeld!!! Vor 50 Jahren gabs 20M und wir waren zufrieden, es hat kaum einer gemeckert!
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romy
am 23.11.12 um 15:49
die Debatte ist meiner Meinung nach nicht mehr realistisch. Wenn ich Sätze lese wie "Eltern, die ihren faulen, mittelalterlichen Hintern nicht hochkriegen", kommt es mir hoch, schon mal was gehört von "Leben und Leben lassen" ?????? Es weiss wohl jeder der rechnen kann, dass man mit 150 € kein Kleinkind über den Monat hinweg kriegt. Die Frauen oder Familien, welche sich für eine Betreuung zuhause entscheiden, verzichten eventuell auf ein Gehalt, was ein Vielfaches ausmacht um die Betreuung ihrer Kinder selbst zu übernehmen. Dies hat vielleicht auch etwas mit Verantwortung zu tun. Kitas sind nicht das Gelbe vom Ei, jeder sollte dies auch bedenken. Es gibt auch bei der Kinderbetreuung, wie bei allem Anderem auch, die 2 Seiten der Medaille. Und Lernschwäche und Dummheit hat nichts damit zu tun, ob die Kinder zuhause oder in der Kita betreut werden
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Angelika
am 14.11.12 um 10:19
@Karin Kunz-Toivonen
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Karin Kunz-Toivonen
am 13.11.12 um 16:37
Hallo Julia Karnick,
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Angelika
am 13.11.12 um 12:14
@Karin Kunz-Toivonen
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Karin Kunz-Toivonen
am 13.11.12 um 11:05
Letzter Satz aus Finnland!
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Karin Kunz-Toivonen
am 13.11.12 um 11:00
Weitere Grüße au Finnland!
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Karin Kunz-Toivonen
am 13.11.12 um 10:32
Grüße aus Finnland!
mehr (94)Ich finde es schade, diese Hetze, die jetzt betrieben wird, genauso wie früher die Hetze, ob eine Frau berufstätig sein soll oder
Ich habe noch eine Frage: Wie ist das in den Einöden Finnlands, in denen sehr wenig Menschen leben? Gibt es da auch staatliche Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und wenn nein, bekommen die Eltern dann eine Art Entschädigung oder gehen sie, so, wie es hier bei uns gern möchten, leer aus?
Die Diskussion hier dreht sich übrigens nicht um die (ebenfalls hier fehlenden) Kindergartenplätze, sondern es geht ausschließlich um die Krippenplätze (2. und 3. Lebensjahr) , die es kaum gibt und um das Betreuungsgeld, das den Eltern, die selbst betreuen müssen oder wollen, als armseliges Zubrot gegeben werden soll. Seltsamerweise aber wird es zum Buhmann gemacht, über den man sich monatelang aufregt, angeheizt durch die Medien und gezielte Desinformation, anstatt mal zum Kern des Ganzen zu kommen: der Kinderfeindlichkeit in unsrem Land, das die Reichen pampert, die Armen im Regen stehen lässt. Stichworte: Entsolidarisierung, Solidarprinzip adé, Ellenbogen raus
kommen Sie nach Finnland, hier ist alles transparenter, Glas klar wie Eis, aber auch eiskalt. Reich und Arm begegnen sich auf Augenhöhe, alle haben die gleichen Rechte, es gibt keine Bevorzugung, auch nicht bei der Krankenversorgung. Gleiche Gehälter für gleiche Arbeit, keine Doktortitel in der Anrede, Versprechungen von Politikern werden meist (wenn möglich) eingehalten, sonst werden sie ratz fatz abgesägt. Mit anderen Worten: ein Traumland! Wenn da nur nicht der lange, kalte, dunkle Winter wäre... Sie sehen: Dort, wo man nicht ist, ist das Glück!
Sie haben Recht! Ich bin ja immer dafür, dass sich endlich mal in allen gesellschaftl. Bereichen Agenda-Gruppen, bestehend aus Fachleuten der jeweils relevanten Bereiche zusammensetzen und Konzepte mit Hand und Fuß erstellen, diese einer Erprobungsphase unterzogen werden, eine Evaluation erfahren und dann das, was sich nicht bewährte, umgehend verändert wird. Das ist für mich der Weg, der endlich mal Chancen für positive Veränderung in die verschnarchte Politik- und Ämterlandschaft bringen könnte.
Eine Frage an Sie: Ab wann fangen finnische Frauen wieder an, nach der Geburt des Kindes in den Beruf einzusteigen? Noch einmal zur Information: In Deutschland gibt es für die 1-3Jährigen noch nicht einmal ein Drittel der benötigten Plätze. Das Betreuungsgeld aber soll nur für diese Altersgruppe gelten und ist ein schäbiges Entschädigungsangebot für leer Ausgegangene. Nicht das B-Geld ist der Skandal, sondern sein Höhe.
Das Ausland muss warten!
2. Finnland ist eins der gebärfreudigsten Länder Europas. Und die Frauen arbeiten zu 98%!! Was hindert die deutschen Frauen daran, dämliche Politiker abzuwählen und das marode Sozial-System zu reformieren?? Ist es Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Resignation, oder vielleicht das glatte, nichts sagende Antlitz leerer Politiker und Worte? Unterdrückung von den Männern kann es ja wohl nicht mehr sein!! Also ran an Facebook und Twitter, organisiert euch, steigt auf die Barrikaden!!
3. Die Massen-Abwanderung von Fachkräften hat der finnische Staat raffiniert im Griff: Außer einem monatlichen freien Kostenzuschuss von ca. 600 € während Studium oder Ausbildung werden Niedrig-Zins-Darlehen gewährleistet, die jeder in Anspruch nimmt. Aber die müssen nach abgeschlossener Ausbildung zurückgezahlt werden. Dazu kommen Darlehen für Eigentumswohnungen (zu 80%) und schwupp ist man in der staatlichen Schulden-Falle gefangen... dient seinem Staat, das Au
Es ist erschreckend, wie deutsche Politiker mit ihren Bürgern umgehen! Diese ewigen und erfolglosen Debatten kann man nicht mehr hören. Während man darüber diskutiert, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu vermeiden, hat man wohl nicht richtig mitbekommen, dass es diese in der Bundesrepublik immer gegeben hat, und man eben dabei ist, in eine Drei-Klassen-Gesellschaft abzurutschen.
Ich empfehle wärmstens das finnische Modell:
1. Gleiche Bildung für alle. D.h., kostenfreie Bildung und Ausbildung: ausreichend Kitas, Schulmaterial (die Eltern kommen nur für die Schultasche auf), Schulspeisung, Studium, Studentenwohnungen, ständige (bezahlte) Weiterbildung von Arbeitslosen, Kindergartenpflicht auch für Migranten-Kinder (jedes Kind ist bei der Einschulung auf dem gleichen Sprachniveau!), betreuter Unterricht für Lernschwache (es gibt keine Sitzenbleiber, keine dummen Kinder, nur Eltern, die ihren faulen mittelalterlichen Hintern nicht hochkriegen...