Michelle Obama: Die Unverstellte

Mit einer flammenden Rede auf dem Parteitag der Demokraten hat Michelle Obama den Wahlkampf ihres Mannes eingeläutet. Was ist das für eine Frau, die Politik für ein schmutziges Geschäft hält und die erste schwarze First Lady in der Geschichte Amerikas werden könnte? Eine Analyse von Christoph von Marschall.

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Woher Michelle Obama kommt:

Ein ganz neuer Typ First Lady: schwarz und kämpferisch. Ist Amerika reif für diese Frau?

Ein ganz neuer Typ First Lady: schwarz und kämpferisch. Ist Amerika reif für diese Frau?

Michelle Obama stammt aus einfachen Verhältnissen. Die Familie lebte an der armen Southside von Chicago, ihr Vater Frasier Robinson war Arbeiter. Er bediente eine Pumpe in den städtischen Wasserwerken. Für Michelle war er ein Vorbild an Disziplin: Obwohl er mit 30 Jahren an multipler Sklerose erkrankte, ging er weiterhin jeden Tag klaglos zur Arbeit. Ihre Mutter Marian blieb zunächst zu Hause, um sich um Michelle und ihren eineinhalb Jahre älteren Bruder Craig zu kümmern. Später arbeitete sie als Sekretärin bei einer Versandhausfirma und dann bei einer Bank. Die Wohnverhältnisse der Familie waren bescheiden: zwei Zimmer im ersten Stock eines Backsteinbaus, die mit Stellwänden und Tüchern unterteilt wurden, um Michelle und Craig etwas Privatsphäre zu geben. Michelle Obamas Mutter lebt noch heute in der Gegend.

Aber die Eltern legten Wert auf Bildung. Dank der Förderprogramme in den Jahren nach Aufhebung der Rassentrennung konnte die 1964 geborene Michelle gute Schulen besuchen und an den Spitzenuniversitäten Princeton und Harvard Jura studieren.

Nach ihrem Abschluss arbeitete sie ein paar Jahre in der Rechtsanwaltskanzlei Sidley Austin. Mit ihrem späteren Ehemann Barack Obama wechselte sie in den öffentlichen Dienst. In Chicagos Stadtverwaltung wurde sie Gründungschefin einer neuen Abteilung für ehrenamtliche Sozialarbeit. Dann wechselte sie in die Leitung des Studentenwerks und wurde schließlich Vizechefin der Uniklinik von Chicago, wo sie die Öffentlichkeitsarbeit leitete. Sie verdiente 300 000 Dollar im Jahr, lässt aber seit dem Frühjahr 2007 den Job ruhen, um im Wahlkampf mitzuarbeiten.

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  • Text: Christoph von Marschall
    Fotos: Intertopics, Laif, Getty
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 19/08