US-Wahlkampf
Michelle Obama und Ann Romney: Das Duell der Ladys
Beim US-Wahlkampf spielen Michelle Obama und Ann Romney eine wichtige Rolle. Während sich die Präsidentschaftskandidaten beim mit Spannung erwarteten Fernsehduell gegenübertraten, haben wir einmal die Fähigkeiten ihrer Frauen verglichen. Welche ist wohl die Favoritin der Amerikaner?
STIL: Michelle Obama
Ob glamouröse Robe vom bekannten Designer oder modisches Kleid von der Stange: Michelle Obama wagt sich was und ist sich nicht zu schade, Massenware zu tragen. Dazu kommen leuchtende Farben, spannende Prints und interessante Details wie ein breiter roter Ledergürtel. So werden viele Outfits der First Lady zu Hinguckern. Selbstbewusst lässt sie auch mal etwas Haut aufblitzen, aber stets geschmackvoll, wie etwa eine freie Schulter dank asymmetrischem Oberteil. So landete sie schon auf dem Cover der Vogue und einigen Best-Dressed-Listen.
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STIL: Ann Romney
Das muss man ihr lassen, Ann Romney hat Mut zu kräftigen Farben. Gerne zeigt sie sich bei öffentlichen Auftritten in leuchtendem Rot, Blau oder Pink. Aber auch florale Muster trägt sie gerne, ebenso wie auffallende Accessoires, etwa breite Gürtel oder eine große Perlenkette. Die Schnitte der Kleider, Blazer, Blusen sind elegant, aber kaum außergewöhnlich. Insgesamt wirkt die Frau des republikanischen Kandidaten somit klassisch gut angezogen – aber auch etwas langweilig.
Wie kommt das bei den Wählern an?
Konservativ-klassisch oder frisch und mutig? Was mögen die Amerikaner wohl lieber? Vielen gilt Michelle Obama als volksnahe Stil-Ikone, ihre bodenständige Art ist beliebt. Doch Ann Romney inszeniert sich durch ihre Kleidung wirksam als energische Hausfrau und Mutter. Damit ist sie im eher konservativen Amerika eine starke Konkurrenz für die amtierende First Lady.
KARRIERE: Ann Romney
Ann Romney musste dank ihrer vermögenden Familie nie arbeiten. Stattdessen wurde sie Vollzeit-Mutter. Sie hat fünf erwachsene Söhne, dazu fünf Schwiegertöchter und derzeit 18 Enkel. Als Manko empfindet Ann die fehlende Karriere nicht, sie bezeichnet sich als leidenschaftliche Hausfrau. Kritik an ihrem Lebensweg will sie auch nicht mehr hören. In einem Fernsehinterview sagte sie mal: "Ich war intelligent genug, um so ziemlich jeden Job dieser Welt machen zu können. Ich habe mich anders entschieden. Das sollte man einfach respektieren."
KARRIERE: Michelle Obama
Michelle Obama studierte an den Spitzenuniversitäten Princeton und Harvard Jura, arbeitete einige Jahre in einer Rechtsanwaltskanzlei, wechselte dann mit ihrem späteren Ehemann Barack Obama in den öffentlichen Dienst. In Chicagos Stadtverwaltung gründete sie eine Abteilung für ehrenamtliche Sozialarbeit, dann wechselte sie in die Leitung des Studentenwerks. Zuletzt war sie Vizechefin der Uniklinik von Chicago und verdiente 300.000 Dollar im Jahr. Michelle und Obama haben zwei Töchter. Nach ihrer Geburt ging Michelles Mutter in Teilzeit und betreute ihre Enkelinnen, um ihrer Tochter die Karriere zu ermöglichen.
Wie kommt das bei den Wählern an?
Keine Frage, eine Groß-Familie zu managen ist eine große Leistung und die Hausfrauen-Rolle findet im familien-affinen Amerika grundsätzlich Anerkennung. Aber nicht nur. Viele Frauen empfinden Ann Romney als weltfremd und abgehoben, weil sie immer genug Geld hatte und nie arbeiten musste. Da punktet Michelle Obama mehr, die zwei Kinder hat und trotzdem Karriere machte.
ENGAGEMENT: Michelle Obama
Michelle Obama kämpft vor allem gegen die Fettleibigkeit in den USA. In ihrer Kampagne "Let's move" wirbt sie für gesunde Ernährung und Sport. Auf dem Rasen des Weißen Hauses hat sie einen Gemüsegarten angelegt, in dem Salat, Möhren und Gurken gezüchtet werden. Sie stand in der Ausgabe von Suppenküchen, las Kindergartenkindern vor, setzt sich für Soldaten und deren Familien ein und wirbt beständig für soziales Engagement.
ENGAGEMENT: Ann Romney
Ann Romney engagiert sich ebenfalls sehr für die Gesellschaft. Sie beteiligte sich an diversen Kinderhilfsprojekten, kümmerte sich um Jugendliche aus unterprivilegierten Familien und Kinder, die an schweren Krankheiten leiden.
Wie kommt das bei den Wählern an?
Gesellschaftliches Engagement ist im amerikanischen Wahlkampf ein Muss. Es ist allerdings gut möglich, dass das Engagement von Michelle Obama stärker bewertet wird, weil sie mit ihren Aktionen über die Jahre viel mehr in den Medien präsent war.
RHETORIK: Michelle Obama
Barack Obamas Frau ist in der ersten Amtszeit ihres Mannes gereift. Leistete sich Michelle vor vier Jahren noch den ein oder anderen rhetorischen Ausrutscher, so ist sie jetzt wesentlich sicherer. Sie wirkt selbstbewusst, hat ihr Publikum stets unter Kontrolle. Schon kleine Gesten reichen ihr, um die Menge zum Schweigen oder Jubeln zu bringen. Ihre Reden sind emotional wie kraftvoll und verdeutlichen auch ihre eigenen politischen Ansichten.
RHETORIK: Ann Romney
Auch Ann Romney hat keine Angst vor großen Bühnen und beherrscht das Spiel mit Gesten. Gekonnt wechselt sie ab zwischen einfühlsamen Worten und überzeugenden Argumentationen. Die Leute hören ihr zu und mögen ihre fröhlich-unbefangene Art. Ab und zu wird die Frau des republikanischen Kandidaten aber doch noch rot oder kichert nervös.
Wie kommt das bei den Wählern an?
Klar, die Präsenz von Michelle Obama ist beeindruckend. Die kleinen Unsicherheiten machen Ann Romney aber auch sympathisch. Nicht wenige Amerikaner werden es gut finden, dass die Frau auch Schwächen hat, während man bei Michelle lange nach Makeln suchen muss. So viel Perfektion kann auch ermüdend sein.
Ann und Mitt Romney: ein Dream-Team?
Ann Romney ist für ihren Ehemann elementar wichtig. Während er oft hölzern und unnahbar herüberkommt, hat sie einen guten Draht zu den Wählern. Dem trockenen Kandidaten Mitt Romney verleiht sie einen Hauch von Herzlichkeit. Sie ermöglicht den Amerikanern Einblicke in das Privatleben der Romneys, die zeigen, dass der Republikaner nicht nur ein wohlhabender Machtmensch, sondern auch ein fürsorglicher Familienvater ist. Allerdings: Die Tatsache, das Mitt Romney seine Frau braucht und dass sie zuhause die Chefin ist, könnte auch als Schwäche ausgelegt werden. Dass beide aus wohlhabenden Familien stammen und sich nie um Geld sorgen mussten, wird ihnen von vielen Amerikanern ebenfalls angekreidet. In Sachen Wahlkampf sind die beiden keine ideale Kombination.
Michelle und Barack Obama: ein Dream-Team?
Die Obamas zelebrieren ihre Liebe vor den Augen der Welt, in seiner Biografie berichtete Barack ausführlich davon, was sie schon gemeinsam durchgestanden haben. Vom romantischen ersten Kuss über die Krisenjahre, in denen Obamas politische Karriere begann, bis hin zu der Zeit im Weißen Haus – es gibt nur wenige Momente dieser Beziehung, die die Öffentlichkeit nicht kennt. Auf Rednerpulten ist er der Träumer, verbreitet Hoffnung. Michelle hingegen erdet ihn, bleibt bei den Realitäten. Die beiden ergänzen sich, bremsen oder motivieren sich im genau richtigen Maß. Das wirkt kaum kalkuliert, die Unverfälschtheit ihrer Gefühle, positiv wie negativ, ermöglicht den Amerikanern eine nie dagewesene Nähe zu ihrem Präsidenten-Paar. Auch dass beide aus schwierigen Familienverhältnissen stammen und für ihren Weg an die Spitze der Gesellschaft hart kämpfen mussten, beeindruckt.
Wie kommt das bei den Wählern an?
Ann und Mitt Romney haben keinen leichten Stand gegen Michelle und Barack Obama. Aber wer weiß, vielleicht haben die Amerikaner inzwischen auch genug von dem amtierenden Präsidenten-Paar? Wir sind gespannt auf das Ergebnis der Wahl!
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