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Sexismus-Vorwurf gegen Rainer Brüderle

Im aktuellen "stern" schreibt eine Reporterin, wie FDP-Politiker Rainer Brüderle ihr an einem Abend an der Bar zu nah kam. Kommentieren Sie: Wie viel Sexismus begegnet Ihnen im Beruf?

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Auch heute noch werden Frauen am Arbeitsplatz sexuell belästigt - obwohl sie einfach nur ihren Job machen und Männern auf Augenhöhe begegnen wollen.

Jüngstes Beispiel: Die "stern"-Journalistin Laura Himmelreich schreibt über einen Vorfall mit FDP-Bundestagsfraktions-Vorsitzenden Rainer Brüderle, den sie eigentlich nur zu einem Hintergrundgespräch treffen wollte. Die Website stern.de, die wie BRIGITTE.de zum Verlag Gruner + Jahr gehört, hat Ausschnitte aus der Geschichte online veröffentlicht.

Lesen Sie den Artikel auch bei uns. Außerdem interessiert uns Ihre Meinung - und Ihre eigenen Erfahrungen: Wie werden Sie im Job behandelt? Werden Sie als Frau respektiert oder sind Sie schon einmal sexuell belästigt worden? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Der Artikel von stern.de:

Heiter bis zotig. Die Begegnung einer stern-Journalistin mit FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle wirft ein Schlaglicht auf den alltäglichen Sexismus in der Politik. Von Franziska Reich und Andreas Hoidn-Borchers

Foto: Imago/Stefan Zeitz

Die FDP ist eine liberale Partei, eine Ansammlung von freien Geistern. Manchmal allerdings nimmt sich einer zu viele Freiheiten heraus. Unter der Überschrift "Der Herrenwitz" beschreibt unsere Kollegin Laura Himmelreich heute im stern einen Mann, der zwischen Weißwein und "Körbchengröße 90 L" (Brüderle) zu Hause ist, einen Mann aus der Vor-Moderne. Sie schildert dabei auch, wie sich der FDP-Fraktionschef und neue Spitzenkandidat vor gut einem Jahr abends an der Hotelbar an sie heranwanzte. Für Laura Himmelreich, heute 29, war es der Versuch, ein professionelles Gespräch zu führen, für den 67-jährigen Rainer Brüderle war es offenkundig eine gute Gelegenheit, seine Aufreißerqualitäten an die Frau zu bringen.

Brüderles Blick wandert auf den Busen

"Brüderles Blick", schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. "Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen." "Herr Brüderle", sage ich, "Sie sind Politiker, ich bin Journalistin." "Politiker verfallen doch alle Journalistinnen", sagt er. Ich sage: "Ich finde es besser, wir halten das hier professionell." "Am Ende sind wir alle nur Menschen."

...

Gegen ein Uhr nachts tippt ihm seine Sprecherin an die Schulter. Brüderle verabschiedet sich von den umstehenden Männern. Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper. Die Sprecherin eilt von hinten heran: "Herr Brüderle!", ruft sie streng. Sie führte ihn aus der Bar. Zu mir sagt sie: "Das tut mir leid." Zu ihm sagte sie: "Zeit fürs Bett."

Ein Dildo mit dem Wunsch "Auf gute Zusammenarbeit"

Die Schilderung unserer Kollegin ist vor allem eines: ein Tabubruch. Es ist durchaus üblich, dass Politiker und Journalisten bei Parteitagen, Festen oder auf Reisen sich abends noch an der Bar treffen, um in einem etwas zwangloseren Rahmen miteinander zu sprechen. Oft erfahren Journalisten in dieser lockeren Atmosphäre mehr als bei den üblichen durchchoreografierten Treffen.

Doch der Grat zwischen locker und enthemmt ist schmal, und nicht nur Rainer Brüderle verlässt ihn allzu gern. Es gibt zahlreiche Journalistinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Laura Himmelreich, aber geschrieben haben darüber bisher nur sehr wenige. Annett Meiritz schrieb sich jüngst im Spiegel ihren Ärger über den frauenverachtenden Ton der Piraten von der Seele. Und die frühere "Spiegel"-Kollegin Ursula Kosser erzählt in ihrem Buch "Hammelsprünge" über ihre Zeit in Bonn, als Politiker sich gegenüber Journalistinnen noch unverhohlen brünstig zeigten. Der Höhepunkt: Sie erhielt von einem Abgeordneten ein Päckchen mit einem Dildo und dem Kärtchen: "Auf gute Zusammenarbeit".

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