Alleinerziehende

Betreuungsgeld geht auf Kosten von Single-Müttern

Zwei neue Studien belegen: Das geplante Betreuungsgeld würde vor allem Kinder von Alleinerziehenden benachteiligen. Warum will das keiner wissen, fragt BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten.

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Foto: fotolia.com

Der Freistaat Thüringen zahlt seit 2006 die so genannte "Herdprämie" - zwischen 150 und 300 Euro bekommen Familien dort, die ihre zweijährigen Kinder nicht in einer öffentlichen Einrichtung betreuen lassen. Nun hat das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit untersucht, wie die betroffenen Familien damit umgehen. Ergebnis: Der Anteil der ausschließlich zu Hause betreuten Kinder stieg um 20 Prozent! Vor allem Mütter mit geringem Einkommen schränkten ihre Berufstätigkeit ein, blieben mit Kind zu Hause. Ist ja auch logisch. Warum arbeiten gehen, wenn das Geld auch so reinkommt? Und wer sind diese Mütter? Frauen die schlecht ausgebildet sind, klar, aber eben auch viele Alleinerziehende, die nur einer Teilzeitbeschäftigung oder einem 400-Euro-Job nachgehen können. Und genau das ist fatal und ein völlig absurdes Anreizsystem. Denn wer länger zu Hause bleibt beziehungsweise nur wenige Stunden arbeitet, verbaut sich Chancen auf dem Arbeitsmarkt, heutzutage mehr denn je.

Und die Kinder profitieren auch nicht. Es gibt bereits viele Studien, die belegen, dass der Besuch eines Kindergartens die Kleinen fördert. Jetzt aber hat ausgerechnet Bundesfamilienministerin Kristina Schröder eine Untersuchung vorgelegt, die die gesamtwirtschaftlichen Effekte einer Ganztagsbetreuung speziell von Kindern Alleinerziehender erforschte. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Besonders markant: Die Schulleistungen von Kindern Alleinerziehender lassen sich mit einer Ganztagsbetreuung rasant verbessern. Ihr Anteil auf Gymnasien würde sich von 36 auf 62 Prozent steigern, wenn alle Kinder von Single-Müttern (und -Vätern) diese Angebote wahrnehmen könnten.

Braucht es noch irgendwelche anderen Beweise? Warum wird weiter über das Betreuungsgeld diskutiert? Weil sich Politik leider nicht (oder nur sehr selten) an Erkenntnissen orientiert. Vielmehr geht es gerade bei dieser aberwitzigen "Herdprämie" um blanke Klientelpolitik und ideologische Grabenkämpfe. Und wieder einmal sind Mütter mit wenig Geld, Alleinerziehende und ihre Kinder, die wahren Verliererinnen - auch und gerade dann, wenn sie nicht Hartz IV beziehen.

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  • Artikel vom 26.04.2012