Ursula von der Leyen: "Alleinerziehende Mütter im Alltag unterstützen"

Unser Dossier über Alleinerziehende in Heft 3/2008 hat einen Nerv getroffen. Auch den der Bundesfamilienministerin. Ursula von der Leyen über die Nöte dieser Mütter und was sie unternehmen will.

BRIGITTE: Frau von der Leyen, 6146 Frauen haben unsere Forderungen für Alleinerziehende unterschrieben . . .

Ursula von der Leyen: Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese Aktion, denn sie rückt endlich die wirklichen Probleme von Alleinerziehenden in den Mittelpunkt. Das gibt mir Rückenwind, mich noch konsequenter im politischen Raum für dieses Thema einzusetzen.

BRIGITTE: In unserem Dossier haben wir das "Palme-Projekt" vorgestellt. Das ist ein Seminar, in dem Alleinerziehende lernen, besser mit ihren Alltagssorgen zurechtzukommen. Sie haben unsere Idee, Palme-Seminare künftig bundesweit in den von Ihnen initiierten Mehrgenerationenhäusern anzubieten, sofort angenommen.

Ursula von der Leyen: Ja, denn wir haben das gemeinsame Ziel, Alleinerziehende im Alltag zu unterstützen. Diese Frauen wollen zu Recht ihr eigenes Einkommen verdienen, und sie wollen zu Recht Zeit für ihre Kinder haben. Und: Junge Familien und vor allem Alleinerziehende brauchen ein engmaschiges Netz der Unterstützung. Wenn wir das Palme-Projekt mit unseren 500 Mehrgenerationenhäusern verknüpfen, fügen wir neben dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem Elterngeld einen weiteren wichtigen Baustein an. Die Mehrgenerationenhäuser bringen eine hervorragende Infrastruktur aus nachbarschaftlichen Netzwerken und familiennahen Dienstleistungen mit ein. Ende April startet das erste Seminar im Mehrgenerationenhaus Düsseldorf.

BRIGITTE: 2,2 Millionen Alleinerziehende in Deutschland - 95 Prozent davon Frauen. Viele leben in Armut.

Ursula von der Leyen: Ja, ein Drittel. Diesen Frauen müssen wir Perspektiven eröffnen, um mit den Kindern aus der Armutsfalle herauszukommen. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist ein wichtiger Schritt, der weiterentwickelte Kinderzuschlag ein zweiter.

BRIGITTE: Der Kinderzuschlag für Familien mit geringem Einkommen soll einen Ausgleich schaffen. Im Herbst 2007 sprachen Sie nun davon, zukünftig sollten 530 000 Kinder diesen Zuschlag erhalten. Jetzt ist nur noch von 250 000 Kindern die Rede. Was ist passiert?

Ursula von der Leyen: Ich habe sehr dafür gekämpft, dass der Kinderzuschlag verbessert wird. Nach langen Auseinandersetzungen sind wir jetzt im Gesetzesverfahren. Alleinerziehende werden in zwei Punkten von den neuen Regelungen profitieren. Erstens: Die Grenze, ab wann es den Kinderzuschlag gibt, wird klar definiert. Alleinerziehende, die bis 600 Euro verdienen, können den Zuschlag beantragen. Bisher war die Grenze sehr schwammig definiert - vier von fünf Anträgen wurden abgelehnt. Und zweitens: Bisher wurden bei jedem dazuverdienten Euro 70 Cent vom Kinderzuschlag abgezogen. Dieser Abzug wird auf 50 Prozent reduziert. Nach den zähen Verhandlungen stehen jetzt insgesamt 200 Millionen Euro mehr zur Verfügung - und damit werden wir rund 250 000 Kinder erreichen.

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  • BRIGITTE Heft 09/08
    Fotos: Nicole Maskus
    Text/Interview: Silke Baumgarten
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