US-Wahl 2012

Wahlergebnisse in den USA: Die wahren Sieger sind die Frauen

Die Wahlergebnisse in den USA zeigen: Es ist ein schwerer Fehler, die Belange der Frauen im Wahlkampf zu ignorieren. Denn ihr Einfluss auf das Wahlergebnis ist groß - und wird auch in den Regierungsorganen noch steigen.

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Foto: Merendino/Corbis

"Ich möchte jedem US-Bürger danken, der an den Wahlen teilgenommen hat", sagte Barack Obama in seiner Rede nach dem Wahlsieg 2012. Wenn man sich die Ergebnisse genauer anschaut, muss er sich bei einer Hälfte der Bevölkerung ganz besonders bedanken: den Frauen. Denn hier ist das Wahl-Ergebnis noch viel deutlicher: 55 Prozent der Frauen in Amerika gaben dem Demokraten ihre Stimme, während sein Herausforderer Mitt Romney nur 44 Prozent weibliche Wähler hatte. Grund für dieses Ergebnis dürfte nicht zuletzt der Umgang mit frauenpolitischen Themen bei den Republikanern sein: Wer Themen wie Familien- und Gleichstellungspolitik ignoriert oder gar krude Thesen zur Abtreibung verbreitet (wie einige Parteikollegen Mitt Romneys das in den vergangenen Wochen getan haben), der muss mit der Strafe der weiblichen Wähler rechnen.

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Auch bei den Senatswahlen, die parallel zur Präsidentschaftswahl stattfand, zeigte sich der zunehmende Einfluss der Frauen: In diesem Organ des Kongresses sitzen von jedem Bundesstaat jeweils zwei Senatoren als Vertreter - am 6. November wurde ein Drittel der Senatsposten neu gewählt. Das voraussichtliche Ergebnis: 18 der 100 Senatsposten werden wohl von Frauen besetzt sein - so viel wie noch nie in der Geschichte Amerikas. Das sind zwar angesichts des Bevölkerungsanteils immer noch vergleichsweise wenige, aber es geht in die richtige Richtung. Und: Diese Frauen sind auffallend selbstbewusst und angriffslustig, sie werden sich im Senat ganz bestimmt Gehör verschaffen.

Tammy Baldwin, die erste bekennende Homosexuelle im US-Senat

Tammy Baldwin, die erste bekennende Homosexuelle im US-Senat

Foto: Hauck / Reuters

Eine Rolle könnte spielen, dass sie es schon immer gewöhnt waren zu kämpfen - einige sind nicht nur wegen ihres Geschlechts benachteiligt. So wurde mit der Demokratin Tammy Baldwin in Wisconsin nicht nur zum ersten Mal eine Frau zur Senatorin gewählt, sie ist auch die erste Senatorin, die offen zu ihrer Homosexualität steht - und das nochmals unter Jubel in ihrer Siegesrede betonte. Auch Hawaii schickt mit Mazie K. Hirono eine Frau in den Senat - sie ist die erste Frau dort mit asiatischen Wurzeln. Interessant ist auch das (voraussichtliche) Ergebnis in North Dakota: Traditionell haben hier die Republikaner die Nase vorn - und obwohl auch dieses Mal 58,7% der Menschen Mitt Romney wählten, zog die knappe Mehrheit bei der Senatswahl die Demokratin Heidi Heitkamp dem männlichen Kandidaten der Republikaner vor. Eine kleine Sensation ereignete sich im Swing-State New Hampshire: Hier wurden bei der Wahl für das Repräsentantenhaus (das zweite Organ des US-Kongresses) zwei Frauen der Demokraten gewählt. Da im Senat bereits zwei Frauen aus New Hampshire sitzen, schickt damit zum ersten Mal ein US-Staat eine komplett weibliche Delegation in den US-Kongress.

Die Politiker in den USA, vor allem die Republikaner, werden sich daran gewöhnen müssen, dass Frauen einen immer größeren Einfluss auf die Wahlen und die Politik haben. Und wer weiß? Vielleicht ist Amerika auch bald bereit für die erste Präsidentin - schon jetzt fordern und unterstützen via Twitter Tausende eine Kampagne "Hillary2016".

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  • Artikel vom 07.11.2012
  • Text: Michèle Rothenberg