Weibliche Sexualität
"Meine Yoni und ich" - für mehr Lust am Frausein

Will man als Frau seine Sexualität ohne Partner erforschen, gibt es für Olga Hildebrandt nur eine Lösung: die Yonimassage. Denn wer seinen Genitalbereich besser kennenlernt, verspüre nicht nur mehr Lust, sondern erfahre auch etwas über sich selbst, sagt die "Sexological Bodyworkerin" in der Leserkolumne "Stimmen".

Olga Hildebrandt, 44, lebt in Stuttgart und arbeitet dort als Tantra- und Frauenmasseurin. Die zertifizierte Sexological Bodyworkerin sagt, es sei ihr "ein besonderes Anliegen, Frauen mit diesen sehr heilsamen Massagen zu helfen, ihr Frausein wiederzuentdecken und ihre Sexualität zu bereichern - für mehr Energie im Leben und in ihren Beziehungen".

Olga Hildebrandt, 44, lebt in Stuttgart und arbeitet dort als Tantra- und Frauenmasseurin. Die zertifizierte Sexological Bodyworkerin sagt, es sei ihr "ein besonderes Anliegen, Frauen mit diesen sehr heilsamen Massagen zu helfen, ihr Frausein wiederzuentdecken und ihre Sexualität zu bereichern - für mehr Energie im Leben und in ihren Beziehungen".

Foto: privat

Mein Lebensweg führte mich von vielen eigenen, sowohl schönen, als auch nicht ganz so schönen sexuellen Erfahrungen hin zur Tantramassage und später zur Yonimassage. Die Yoni (Sanskrit, f., yoni, wörtl.: Ursprung) ist der tantrische Begriff für die weiblichen Genitalien (Vulva, Vagina und Uterus) und wird auch im westlichen Neotantra verwendet.

Darüber hinaus hat das Wort viele Bedeutungen, die allesamt auch sexuelle Implikationen haben: Quelle, Ursprung, Ruheplatz, Behältnis, Aufenthaltsort, Schlupfloch, Nest u. a. (Quelle: Wikipedia). Erst als ich mich sehr intensiv mit dem Thema "meine Yoni und ich" auseinandergesetzt habe, verstand ich, wie wichtig es für mich als Frau ist, mich selbst kennenzulernen.

Wie wichtig es für mich als Frau ist zu wissen, was ich sexuell mag und was nicht, welche (nicht nur) intimen Berührungen erreichen mich und welche nicht. Was bin ich als sexuelles Wesen? Wie sehen meine Geschlechtsorgane aus? Wie stehe ich dazu? Welche Bilder habe ich in Bezug auf sie, welche Vorurteile gegen sie und damit mein gesamtes Frausein, mein Sein als sexuelles Wesen? Meine Yonimassage-Ausbildung habe ich bei Nhanga Ch. Grunow gemacht.

Nach dem ersten Seminar sagte sie mir, ich solle mir Yonimassagen geben lassen, ich müsse mich damit auseinandersetzen und meine Themen bearbeiten. Nur danach dürfe ich in die weitere Ausbildung zu ihr. Die Arbeit mit anderen begönne erst mit der eigenen Heilung. Danach beschritt ich einen langen Weg mit mehreren Yonimassagen, der schmerzvoll, aber auch voller Erkenntnisse war. Nach jeder Massage konnte ich ganz genau fühlen, es hatte sich was verändert: Der tiefe Schmerz in meiner Seele, der oft keinen greifbaren Grund hatte, war noch ein Stückchen weniger geworden.

Auch den Sex mit meinem damaligen Partner konnte ich viel intimer und noch intensiver genießen. Ich konnte mich mehr zeigen, offener über meine Wünsche reden. Meine Orgasmusfähigkeit ist gestiegen. Alles was ich erlebte, konnte ich ganz genau verstehen und nachvollziehen. Fast jeder Millimeter meines Körpers wurde ekstatischer.

Wir Frauen speichern in unserem Inneren (in unseren weiblichen Organen) jeden Schmerz der Vergewaltigung, jeden Schmerz der Zurückweisung, jedes an uns gerichtete grobe Wort, Geburtsschmerzen, schlechten Sex sowie das Nichtwissen und Nichtverstehen, dass wir Frauen einen anderen Sex BRAUCHEN. Und erst durch die gezielte, nicht immer erklärbare (warum genau dort und was ist dort) Hinwendung zum Schmerzpunkt, durch das Halten vieler Punkte an der Vulva und in der Vagina der Frau, kann eine Heilung stattfinden.

Der Schmerz darf immer wieder zugelassen und angeschaut werden, ohne in ihm zu wühlen oder zu ertrinken. Der Schmerz ist da, ich sehe ihn, ich fühle ihn, lasse ihn abfließen und gehe weiter. Und die Heilung findet ohne viel Gerede statt, sie PASSIERT durch die geschulte Achtsamkeit beider Seiten, durch den weiblichen Mut, durch den spirituellen Raum, in dem all das stattfindet. Heute kann ich mit Sicherheit sagen, es war ein Durchbruch zu meiner weiblichen Seele, zur Akzeptanz meines Geschlechts, ein JA zu mir als Frau.

Die Yonimassage war und ist für mich eine Klärung meiner Grenzen in der Sexualität und im gesamten Menschsein. Durch die Yonimassage darf ich immer wieder meine Bedürfnisse und meine Stärken erfahren.

Für mich vereint die Yonimassage in sich sowohl lustvolle, als auch sexual- und körpertherapeutische und sogar spirituelle Aspekte. Etwas, das eine Frau in dieser Kombination nirgendwo anders finden kann, wenn sie ihre Sexualität jenseits der Partnerschaft oder ergänzend dazu erforschen möchte.

Eine Yonimassage ist oft eine ganz stille, sehr langsame und hoch konzentrierte Erforschung des Inneren der Vagina, die sehr wenig mit landläufigen Vorstellungen von Sexualität zu tun hat. Meine Klientinnen nutzen die Yonimassage zur Selbsterforschung, zum Orgasmustraining, zur Sexualtherapie (therapeutische Hilfe bei Traumata wie Missbrauch, Geburten und Unterleibsoperationen, die über ein sexualtherapeutisches Gespräch hinausgeht) bis hin zu spirituellen Erfahrungen. Yonimassage ist auch eine Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse im Hinblick auf Intensität, Geschwindigkeit und Pausen bei der Stimulation zu erforschen; sie ist ein erotisches Abenteuer der besonderen Art.

Der weibliche Körper bietet viel Raum, den es zu erforschen gilt, wie die Klitoris, den G-Punkt und die G-Fläche, den A-Punkt und viele Flächen dazwischen. Jede Frau ist anders gebaut, jede Yoni ist wie das Gesicht einer Frau - bei jeder anders.

Die Vielfalt ist grenzenlos. Dieses Thema ist grenzenlos und ich bin dankbar für die Möglichkeit, den Frauen einen offenen Raum bereitstellen zu können, etwas Wunderbares über sich selbst herauszufinden, ohne Druck vom Partner, ohne in bestimmte Vorstellungen, wie es zu sein hat, gepresst zu werden, ohne den Zwang, dass es lustvoll oder sonst wie sein soll, ohne jemandem gefallen zu wollen. Einfach nur Frau zu sein, mit dem Körper, den die Natur einem gegeben hat, und zu lernen, was für ihn möglich ist.

Namaste.

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