Flüchtlinge in Deutschland
Ehrenamtlich helfen: Ich bin jetzt Mentorin
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"Die eigenen Sorgen werden plötzlich ganz banal": Ann-Kathrin Scheuermann betreut eine Familie aus Tschetschenien
Was ich an den Kindern meiner Mentee-Familie am meisten bewundere, ist ihre Begeisterungsfähigkeit: Schon bei meinem ersten Besuch sind sie wie die Wilden auf mich zugestürmt, haben mich umarmt und gar nicht mehr aufgehört zu reden. Die freuten sich einfach total, dass ich da war. Diese Euphorie reißt mich auch jetzt noch immer wieder mit.
Gerade für Kinder ist das Leben als Flüchtling in Deutschland nämlich alles andere als einfach. Obwohl ich mich schon länger für das Thema interessiere, war mir das vor meiner Zeit als Mentorin nicht so bewusst. Es fängt schon bei der Unterkunft an. Meiner Familie standen lange Zeit nur zwei Zimmer zur Verfügung, das bedeutet: Kaum Platz zum Spielen, erst recht kein Schreibtisch, an dem die beiden Ältesten lernen können. Manchmal lade ich die Kinder deshalb für einen Nachmittag zu mir nach Hause ein, damit sie ungestört Hausaufgaben machen können. Oder ich gehe mit ihnen und ihren Eltern zum Spielplatz, wir grillen und gehen Spazieren, kurzum: machen Sachen, die sie ihre Probleme für kurze Zeit vergessen lassen.
Gewöhnlich treffen wir uns immer sonntags, meist für einen halben Tag. So haben wir es in unserem "Abkommen" vereinbart, das wir bei unserem ersten Treffen im Xenion-Büro im Beisein einer Dolmetscherin formuliert und unterschrieben haben. Das war sehr praktisch, um zu klären, was sich beide Seiten von dem Mentorenprojekt eigentlich erwarten. Eine Flüchtlingsfamilie so zu betreuen, dass es ihr wirklich hilft, ist nämlich gar nicht so einfach. Oft sind die Menschen von dem, was sie in ihrer Heimat erlebt haben, schwer traumatisiert. Wie meine Familie: Weil sie Muslime sind, wurden sie in Tschetschenien verfolgt, der Vater war im Gefängnis, wurde gefoltert. Auch eineinhalb Jahre nach der Ankunft in Deutschland hat er immer noch psychische Probleme - was natürlich auch die Kinder belastet. Dazu kommt die ständige Angst vor Abschiebung. Einmal rief mich die Lehrerin des zehnjährigen Sohnes an: Vor lauter Panik, demnächst von der Polizei abgeholt und zurück geschickt zu werden, wollte er sich umbringen!
In solchen Situationen ist es gut, wenn einen die Organisation immer wieder berät und unterstützt. Bei Xenion absolviert man zum Beispiel einen Einführungskurs und kleine Seminare zu Asylrecht und Landeskunde. Das ist schon mal eine gute Basis.














