Wir wissen es ja schon lange: Die Deutschen sind zu dick. Die große Nationale Verzehrsstudie brachte es jetzt erneut an den Tag. Und der zuständige (übergewichtige) Ernährungsminister Seehofer hebt warnend den Zeigefinger: So kann's, nein, darf's nicht weitergehen! Aber bloß keine Verbote. Aufklärung muss her, meint der Minister. Die Leute müssen informiert werden, was sie essen sollen und was besser nicht. Und wie viel Spaß Bewegung macht.
Gut, dass Herr Seehofer gemeinsam mit der (übergewichtigen) Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt den "Nationalen Aktionsplan Ernährung und Bewegung" in Arbeit hat. Damit will man jetzt auf die Ergebnisse der Verzehrsstudie reagieren. Ziel: Bis zum Jahr 2020 soll für besseres Ernährungs- und Bewegungsverhalten gesorgt und der Trend zum Übergewicht gestoppt werden. Und wie soll das gehen? Durch "Information und Aufklärung", sagen die Minister. Und weiter: "Voraussetzung sind aber auch entsprechende Angebote und Möglichkeiten im Alltag, um eine gesunde Wahl zu treffen." Wenn's weiter nichts ist, wo ist dann das Problem? Packen wir's an! Danke, Herr und Frau Minister, alles wird gut. Oder nicht?
Schluss mit dem Aktionismus! Genug der Worte und Erklärungen, die ins Leere zielen. Wenn es nur um Aufklärung ginge, müsste Seehofer - wer, wenn nicht er - rank und schlank sein. Als Fachminister sitzt er doch wohl in der ersten Reihe der Besser-Wisser.
Nein, die Menschen ahnen längst, dass zu viel Chips, Schokolade und Cola dick machen. Und die, die es nicht wissen oder wahrhaben wollen, erreicht man mit Aktionsplänen und Ernährungsempfehlungen ohnehin nicht. Viele stört ihr Übergewicht einfach nicht, oder zumindest nicht so doll, sonst würden sie etwas daran ändern.
Fettsucht hat viel mit Bequemlichkeit zu tun, mit Gewohnheit, Langeweile, Frust. Aber vor allem mit mangelnder Bildung. Besonders viele Übergewichtige gibt es in den unteren sozialen Schichten, zeigt die Verzehrsstudie. Vielleicht nehmen sie ihr Übergewicht hin wie eine krumme Nase oder Segelohren. Ist halt so. Und Essen macht schließlich Spaß, wird zur Ersatzbefriedigung für vieles, das Leben ist schließlich hart.
Traurig nur: Die Kinder dieser Dicken geraten in genau denselben Teufelskreis und deren Kinder auch. Es sei denn, dass ihnen schon früh eine bessere Bildung zuteil würde. Nur, wer soll die bezahlen? Die Couchpotatoes können es nicht. Was sagen Sie dazu, Herr Seehofer?
Andererseits: Nicht jedes Übergewicht ist brandgefährlich. Ein Body Mass Index bis 30, also leichtes Übergewicht, ist oft eher ein kosmetisches als ein gesundheitliches Problem. Und kann im Alter sogar von Vorteil sein, wie Studien zeigen. Der erhobene Zeigefinger ist hier fehl am Platz.
Machen wir uns nichts vor: Wer schlank sein und bleiben will, muss kämpfen. Jeden Tag. Gegen sich und die eigene Bequemlichkeit. Muss auf Kalorien achten und Sport treiben, ein Leben lang. Das erfordert Disziplin und ist oft anstrengend, und viele halten es nicht durch. Gerade Herr Seehofer müsste das wissen. Auch er kämpfe gegen seine überflüssigen Pfunde, sagt er. Wenig erfolgreich, wie man sieht.
Ein BMI unter 25 kann daher nicht der Maßstab für alle sein. Vielleicht sollten wir das endlich akzeptieren. Und statt viel Geld in aufwändige Studien und fragwürdige Aktionspläne zu pumpen, sollte es vorrangig in die Bildung gesteckt werden. Das wäre in vielerlei Hinsicht eine sinnvolle Investition.














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