Ludger W., ein 60-jähriger Versicherungsmakler aus Münster, erwürgt im November 2007 seine 26-jährige brasilianische Ehefrau. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist eifersüchtig, weil seine Frau einen jüngeren Mann kennen gelernt hat und ihn verlassen will. Im Dezember 2007 erschießt ein 47-jähriger deutscher Polizist seine Ex-Frau, ihren neuen Freund und anschließend sich selbst. Im Januar 2008 steht ein 33-jähriger aus Kreuzwertheim vor Gericht, der seine trennungswillige Ehefrau in der Badewanne erwürgte. Anschließend warf einen Fön ins Wasser, um einen Selbstmord der Frau vorzutäuschen.
Die Orte, die Methoden, Alter und sozialer Status der Beteiligten unterscheiden sich. Die Gemeinsamkeiten sind: Die Täter sind in erster Linie Männer. Die Opfer Frauen. Zwischen 200 und 250 Frauen werden in Deutschland jedes Jahr durch Ehemänner, Partner oder Freunde getötet, schätzt Jens Hoffmann, Kriminalpsychologe vom Institut für Psychologie und Sicherheit in Darmstadt anhand der amtlichen Kriminalstatistik. Im Vergleich dazu ist die Zahl jener Frauen, die von einem völlig fremden Täter im Park umgebracht werden, verschwindend gering.
Zehntausende, wenn nicht gar hunderttausende Frauen werden zudem jedes Jahr von ihren Partnern geschlagen, gewürgt, mit Gegenständen attackiert. Genaue Zahlen fehlen. Anhaltspunkte liefert eine im Jahr 2004 veröffentlichte repräsentative Studie des Bundesfamilienministeriums: Jede vierte befragte Frau gab an, sie sei bereits einmal von ihrem Partner schwer misshandelt worden. "Der gefährlichste Ort für Frauen ist ihr Zuhause", behaupten Experten, die sich mit dem Thema Partnergewalt beschäftigen. Und sie sagen auch: "Eine Trennung ist immer ein Risiko für die Frau." Für viele Männer ist es offenbar schwer auszuhalten, dass die Frau eigene Wege gehen will. Oder sich einem anderen Mann zuwendet.
Doch seltsam: Kein Aufschrei geht durchs Land, in keiner Talkshow wird gefragt: "Was ist nur mit den deutschen Ehemännern los?" Keine Innenministerkonferenz mit dem Topthema "Partnergewalt" wird einberufen. Auch Forderungen nach Erziehungscamps für prügelnde Ehemänner oder einem obligatorischen Psycho-Training vor der Hochzeit ("Wie trage ich Konflikte gewaltfrei aus"?) wurden bisher nicht laut. Kein Spitzenkandidat einer Partei hat bislang mit dem Vorschlag provoziert, Wiederholungstäter sollten auf eine einsame Insel ausgewiesen werden.













