Probewohnen im Passivhaus
- In diesem Artikel:
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- Vorurteil 1: "Da kann ich ja gleich in eine Plastiktüte ziehen!"
- Vorurteil 2: "Fenster aufreißen - das geht dann nicht mehr."
- Vorurteil 3: "Durch den Luftaustausch zieht es immer irgendwo."
- Vorurteil 4: "Im Winter ist es in einem Passivhaus viel zu kalt."
- Vorurteil 5: "Die ganze Technik ist viel zu kompliziert."
- Vorurteil 6: "So ein Haus kann sich doch kein normaler Mensch leisten!"
- Info zum "Tag des Passivhauses"
Kurz vorm Ziel fühlen wir uns doch etwas seltsam. Zwei Stunden sind mein Freund und ich von Hamburg nach Sellstedt gefahren, um bei Familie Reinke einen Abend und eine Nacht zu verbringen. Und jetzt stehen wir vor diesem schicken Holzhaus und kommen uns vor wie Eindringlinge. Denn wir kennen Familie Reinke gar nicht. Wir wissen nur, dass sie in einem Passivhaus wohnt und dort jedes Jahr am "Tag des Passivhauses" neugierige Besucher empfängt. Menschen wie wir also, die nur wenig Ahnung haben - dafür aber umso mehr Vorurteile.
Vorurteil 1: "Da kann ich ja gleich in eine Plastiktüte ziehen!"
Das Haus der Familie Reinke in Sellstedt
Eine Viertelstunde später sitzen wir bei Reinkes im Wohnzimmer und knabbern Käse mit Weintrauben. Die Anspannung ist vergessen. Ich gebe zu, eigentlich nur zwei Dinge über Passivhäuser zu wissen: dass sie keine Heizungen hätten und gut gedämmt seien. Thomas Reinke nickt. "Und diese Dämmung macht viele Leute skeptisch", so der 45-jährige Bauingenieur. "Die Angst vor schlechter Luft und Schimmel ist groß." Wir schnuppern in den Raum hinein. Nein, muffig riecht es hier nicht. Eher frisch, sauber, gesund irgendwie. "Das liegt an der Lüftungsanlage", erklärt Reinke. Über sie werde die Raumluft ständig ausgetauscht: frische Luft rein, verbrauchte Luft raus. "Und die gedämmten Wände sind nie kalt, Schimmel hat also keine Chance." Ich schaue hinaus in die niedersächsische Idylle. Klar, hier in Sellstedt riecht die Luft gut. Aber wie ist das in Großstädten, bläst man dort nicht den ganzen Dreck in die Bude? "Die Luft wird gefiltert, Schadstoffe blieben draußen", klärt Reinke uns auf. "Für Allergiker gibt's sogar Pollenfilter." Die Augen meines Freundes leuchten. Heuschnupfen ade?
Vorurteil 2: "Fenster aufreißen - das geht dann nicht mehr."
Schon praktisch, so eine Anlage, denke ich. Während wir zu Hause ständig durchlüften müssen, können die Fenster hier einfach zu bleiben. Aber immer in geschlossenen Räumen leben? Eine beklemmende Vorstellung. "Das war auch meine größte Sorge", sagt Angelika Reinke. Aber natürlich könne man auch in einem Passivhaus die Fenster öffnen. "Nur im Winter ist es kontraproduktiv, da die ganze Wärme entweicht." Inzwischen reißt die 42-Jährige die Fenster nur noch selten auf. "Ich vergesse es einfach, weil es nicht nötig ist."













