Adoption

Ein Kind adoptieren, wie das der Kanzler und seine Frau kürzlich getan haben - das ist ein großer Schritt. Mit welchen Schwierigkeiten müssen Eltern und Kinder rechnen? Die Psychologin und Fachbuchautorin Barbara Gillig-Riedle im Brigitte.de-Interview.

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Brigitte.de: Kanzler Gerd Schröder und seine Frau Doris Schröder-Köpf haben ein dreijähriges russisches Mädchen adoptiert. Welche Schwierigkeiten erwarten Eltern, die ein Kind aus einem anderen Land aufnehmen?

Barbara Gillig-Riedle: In erster Linie erwarten den Kanzler und seine Frau viele glückliche Momente und viel Freude mit ihrem neuen Kind. Da das Kind große Umstellungen zu verkraften hat, bleiben aber natürlich vor allem in der Anfangszeit Probleme nicht aus. Das Kind muss sich an seine neue Familie, ein neues Zuhause, eine neue Sprache, neues Essen, neue Umgangsformen etc. gewöhnen und die Eltern müssen sich an ihr Kind und dessen Besonderheiten gewöhnen. Das ist sicher für beide Seiten nicht ganz einfach. Meistens gelingt das Aneinander-Gewöhnen aber ganz gut. Man braucht sich aber als Eltern nicht zu wundern, wenn das Kind in der Anfangszeit unsicher oder überdreht reagiert und völlig konfus von den vielen neuen Eindrücken ist.

Brigitte.de: Wie geht man mit der Sprachbarriere um?

Barbara Gillig-Riedle: Es ist natürlich gut, wenn am Anfang jemand mit Sprachkenntnissen zur Verfügung steht, um in schwierigen Situationen zu übersetzen. Schwierige Situationen entstehen oft dadurch, dass das Kind etwas mitteilen will, was ihm sehr wichtig ist und es plötzlich merkt, dass da keiner ist, der es versteht. Da ist es beruhigend, wenn man die Möglichkeit hat, einen Übersetzer heranzuziehen. Bei den meisten Adoptivfamilien mit ausländischen Kindern ist die Verständigung in der Anfangszeit aber kein großes Problem. Man glaubt gar nicht, welch komplizierten Sachverhalte man mit Zeichen und Gebärden miteinander diskutieren kann.

Brigitte.de: Sie selbst haben drei Adoptivkinder, die aus Vietnam kamen. Erzählen Sie doch kurz, wie alt die Kinder jetzt sind, wann Sie sie adoptiert haben.

Barbara Gillig-Riedle: Unsere Kinder sind jetzt 13, 7 und 5 Jahre alt. Die beiden Großen haben wir 1997 adoptiert, unsere jüngste Tochter im Jahr 2000.

Brigitte.de: Kommen die Geschwister miteinander zurecht? Welche Sprache sprechen die Kinder, können sie Kontakt in ihr Ursprungsland halten?

Barbara Gillig-Riedle: Unsere Kinder haben ein ausgesprochen gutes Geschwisterverhältnis. Natürlich gibt es die üblichen Kinderstreitigkeiten, aber es sind einfach völlig normale Kinder, die sich auch völlig normal zueinander verhalten. Unsere älteste Tochter geht aufs Gymnasium, unser Siebenjähriger ist ein sehr begabter Sportler und trainiert viel und unsere Kleinste freut sich, dass sie jetzt ein Vorschulkind ist.

Die Kinder sprechen ausschließlich deutsch. Man muss wissen, dass ein Kind, das aus dem Ausland kommt, seine Herkunftssprache in etwa einem halben Jahr völlig verliert. Die kleine Tochter der Schröders wird deshalb in wenigen Monaten voraussichtlich kein Wort Russisch mehr sprechen und nach etwa einem Jahr wird sie die Sprache noch nicht einmal erkennen, wenn sie sie irgendwo hört. Es ist nur dann möglich, die Sprache des Kindes zu erhalten, wenn im täglichen Leben ständig mit dem Kind in seiner Herkunftssprache gesprochen wird. Das ist aber in den meisten Familien, so auch in unserer, nicht möglich, weil wir die Herkunftssprache unserer Kinder nicht sprechen.

Wie fast alle Familien mit ausländischen Adoptivkindern versuchen auch wir den Kontakt zum Herkunftsland aufrecht zu halten. Die Kultur des Herkunftslandes unserer Kinder ist durch sie auch ein Stück weit zu unserer geworden und deshalb spielen Erzählungen, Fernsehberichte, Bilder und Besuche von Veranstaltung - also alles, was dem Herkunftsland zu tun hat - in unserer Familie eine große Rolle.

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  • Interview: Sigrun Albert

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