Brigitte.de: Was raten Sie Familien wie den Schröders, wie können sie dem Kind die Eingewöhnung leichter machen?
Barbara Gillig-Riedle: Das Wichtigste für die Eingewöhnungszeit ist absolute Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Das Kind, das neu in die Familie kommt, kennt ja die Spielregeln dieser Familie noch nicht. Es weiß nicht, wann der Papa ärgerlich wird oder was die Mama erlaubt und was nicht. Die Eingewöhnung geht umso leichter, je schneller das Kind erkennt, wie seine Eltern ticken und was es jetzt im neuen Leben machen darf und was nicht.
Und es muss merken, dass es sich auf seine neuen Eltern verlassen kann. Wenn der Papa sagt, er spielt am Samstag mit dem Kind, dann muss er das auch dann machen, wenn der Putin anruft und etwas Wichtiges will. Das Kind muss merken, dass es sich auf seine Eltern verlassen kann und dass es hier in guten, sicheren und liebevollen Händen ist.
Brigitte.de: Ist es aus rechtlicher Sicht für deutsche Paare schwierig, ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren?
Barbara Gillig-Riedle: Das kommt ganz auf das Land an, aus dem man adoptieren will. Manche Länder, wie etwa die meisten islamisch geprägten Länder, kennen keine Auslandsadoptionen. In diesen Ländern ist es deshalb so gut wie unmöglich ein Kind zu adoptieren. In anderen ist es leichter. Man sollte sich immer bei den zuständigen Vermittlungsstellen genau nach den rechtlichen Voraussetzungen erkundigen und nicht versuchen, am Gesetz vorbei zu lavieren. Das endet meist im Fiasko für Eltern und Kinder. In jedem Fall ist es ein langer Weg mit einer langen Vorbereitungszeit. Ohne viel Ausdauer und Gelassenheit geht es nicht.
Brigitte.de: Was glauben Sie: hätten die Schröders aus Hannover mit ihren Voraussetzungen (sie führen eine Wochenendehe, der Kindsvater ist 60 Jahre alt und mehrfach geschieden) ihren Adoptionswunsch auch durchsetzen können, wenn sie nicht die Kanzlerfamilie wären?
Barbara Gillig-Riedle: Eigentlich können 60-Jährige kein Kind adoptieren, weil die Adoptions-Empfehlungen der Landesjugendämter besagen, dass der Altersabstand zwischen Kind und Eltern nicht größer als 40 Jahre sein soll. Daran halten sich die Adoptionsvermittlungsstellen normalerweise. Es wäre also auf jeden Fall sehr, sehr schwierig geworden.
Diplom-Psychologin Barbara Gillig-Riedle ist Mitautorin des Fachbuchs "Ratgeber Auslandsadoption" (Tivan-Verlag, erschienen 2003). Der Ratgeber informiert umfassend über alle Fragen vor, während und nach einer Auslandsadoption. Mehr Infos: www.adoptionsinfo.de













