Adoption auf Haiti: Grego hat nicht geweint

Als 2010 beim Erdbeben auf Haiti mehr als 200.000 Menschen starben, wurden tausende Heimkinder wie Grego obdachlos. Eine Adoption auf Haiti.

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In diesem Artikel:
Familie Krause (mit Großmutter, 2. von links) beim Tischtennis im eigenen Garten. Vier Monate ist Grego da schon in Deutschland, versteht sich blendend mit seinem Adoptivbruder Pytagore (vorn), und die Krauses staunen über ihr fröhliches Kind

Familie Krause (mit Großmutter, 2. von links) beim Tischtennis im eigenen Garten. Vier Monate ist Grego da schon in Deutschland, versteht sich blendend mit seinem Adoptivbruder Pytagore (vorn), und die Krauses staunen über ihr fröhliches Kind

Als das Flugzeug startet, fangen die Kinder an zu schreien. Es ist der 27. Januar 2010. Ein Mittwochabend. 15 Tage zuvor hatte die Erde in Haiti gebebt. Und nun vibrieren wieder die Wände, die Maschine dröhnt, und eine unsichtbare Kraft drückt die kleinen Körper mit voller Wucht nach hinten in ihre Sitze. Es riecht nach Kot und Urin. Die meisten Kinder haben Durchfall. Und sie haben Angst.

Grego gibt keinen Laut von sich. "Grego pas crié", nicht geweint, wird er später erzählen. Er hat den Kopf gesenkt, starrt grimmig vor sich hin, eine tiefe Falte zwischen den Augenbrauen. Auf seinem Schoß ein Flugzeug aus Stoff mit einem lachenden Gesicht. Alle größeren Kinder haben so eines beim Einsteigen bekommen. Der weiße Mann neben ihm hält seine Hand. Manchmal rüttelt er ihn und fragt: "Alles klar?" Grego nickt dann. Und der Mann sagt etwas in einer fremden Sprache.

Grego ist vier Jahre alt. Er weiß nicht, wer diese Weißen sind. Aber er weiß, dass seine neuen Eltern nicht unter ihnen sind. Einige der Kinder glauben das. Sie sagen Mama blanche und Papa blanc zu den Ärztinnen und anderen Betreuern, die sie aus dem Heim mitgenommen haben.

Grego kennt seine neuen Eltern von einem Foto, das sie ihm geschickt haben, sein einziger Besitz. Es ist eine Fotomontage seiner zukünftigen Familie, aufgeklebt auf einer orangefarbenen Karte, mit bunten Abziehbildchen am Rand. Das Foto zeigt ein lächelndes Paar, einen Jungen, der auch dunkelhäutig ist, und Grego. Jemand hat ihn da hineingebastelt. Für ihn soll es so aussehen, als gehöre er schon dazu.

"Ihr macht jetzt eine weite Reise zu Mama und Papa", hatten die Fremden gesagt, als sie die Kinder zwei Tage zuvor mit Bussen abholten. 63 Jungen und Mädchen, das jüngste vier Monate alt, das älteste sechs Jahre, jedes mit einem Plastikarmband, auf dem Name und Geburtsdatum vermerkt waren. Aufgesammelt in den Häusern des Kinderheims "Don d'Amour" und "Maison des Anges" in Haitis Hauptstadt Portau- Prince. Die Stadt war zerstört, ganze Straßenzüge verwüstet. Mittendrin: die drei Häuser des "Don d'Amour", die nicht zusammengefallen waren. Bis auf Schürfwunden waren die Kinder unverletzt geblieben. Grego hatte sich am Kopf gestoßen, als er aus dem wackelnden Haus lief.

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  • Text: Ariane Heimbach
    Fotos: Dörthe Hagenguth
Letzte Kommentare
  • bat.man
    am 20.01.11 um 08:39
    @southeaster
    respekt für eure arbeit in südafrika und weiterhin viel erfolg.
    vieleicht ist s wirklich so, manche, aber zum glück nur manche leute, aber nicht nur deutsche haben angst vom "schwarzen man"
    ...und erzälen was von kultur!
  • southeaster
    am 19.01.11 um 21:14
    Ein schöner Artikel und ein eine tolle Familie!!!

    Ich bin seit über 10 Jahren in Südafrika dabei Kindern vor Ort zu "helfen". Wir sorgen für 146 Kinder, sie habe genug zu essen, jedes Einzelne hat ein eigenes Bett, unsere Kinder gehen in die Schule und werden umfassend profesionnell betreut... mit 15, 16 Jahren landen sie zu 90% erneut in der Spirale von Gewalt, Krankheit und Armut. Obwohl Südafrika im Vergleich zu Haiti das Schlaraffenland ist!
    Und warum? Weil sie keine eigene Familie haben, die sich um genau sie sorgt, kümmert und sie liebt - und das egal wo auf dieser Erde und unabhängig von genetischen Bindungen.
    Diese immer wieder geäußerte steroetype negative Einstellung des Deutschen (mit vollen Hosen ist gut stinken) bzgl Auslandsadoption scheint mir doch eher in einer massiven Angst vor Überfremdung und Furcht vor Belastung der Sozialkassen zu liegen, als in fundierten Wissen über die tatsächliche Lage der Kinder dieser Welt - von echtem Mitgefühl ganz zu sc

  • bat.man
    am 18.01.11 um 13:23
    @H.Dettinger
    hast keine ahnung - und davon jede menge!
    antworte mir ein paar fragen:
    wie können die kinder liebe und geborgenheit in haiti erfahren?
    wie sollen sie gesund aufwachsen?
    wie sollen sie alt werden und ein erfülltes leben haben?
    was für eine zukunft haben sie in haiti?
    und kultur? woher?
    deine sichtweise ist total vernebelt
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