Amoklauf in Lörrach: Wie kann eine Frau so etwas tun?
BRIGITTE.de: Das erleben doch viele Menschen - und bringen niemanden um. Warum zerstört eine Frau das, was ihr am liebsten ist, ihr Kind? Und warum läuft sie dann Amok?
Sabine Wieczorkowsky: Ich glaube tatsächlich, dass diese Frau verzweifelt war, sich als Opfer gesehen hat. Das gipfelte in dem Gefühl: Wenn ich nicht mehr leben kann, sollen alle anderen auch sterben.
BRIGITTE.de: Sehen Sie Parallelen zu gewalttätigen Frauen, die zu Ihnen in die Beratung kommen?
Sabine Wieczorkowsky: Die wenigsten Menschen können sich Frauen als Täterinnen vorstellen. Es gibt aber sehr viele Frauen, die ihre Kinder oder ihren Mann schlagen. Zu mir kommen Frauen, die zum Teil brutale Gewalt ausgeübt haben - und sich als Opfer fühlen. Das erlebe ich immer wieder. Und sie werden von der Gesellschaft darin bestärkt. Sie werden aus Notwehr zu Täterinnen oder sie wehren sich damit gegen langjährige Gewalt durch den Partner oder die Väter.
BRIGITTE.de: Aber das stimmt doch meistens auch...
Sabine Wieczorkowsky: Ja, aber wir müssen trotzdem beginnen, da anders drauf zu gucken. Wir müssen lernen zu sagen: Diese Frau hat Schlimmes erlebt, aber wenn sie ihr Kind oder ihren Mann schlägt, ist sie die Täterin. Dafür muss sie auch Verantwortung übernehmen. Ich kann, wenn ich eine Frau mit einem solchen Hintergrund vor mir sitzt, nicht Täterin und Opfer ständig mischen.
BRIGITTE.de: Und was bedeutet das im Fall Sabine R.?
Sabine Wieczorkowsky: Die Amokläuferin ist tot, sie wird uns nicht mehr sagen können, was in ihr vorging. Es wird in der nächsten Zeit viele Erklärungsversuche in den Medien geben. Ich bin gespannt auf die Entschuldigungen, die auf ihre Opferrolle hinweisen werden. Aber mir ist bei Täterinnen grundsätzlich wichtig, dass ich sie zur Verantwortung für ihre Tat ziehe. Das bedeutet, ich nehme diese Frau ernst - und nur dann kann ich mit ihr arbeiten. Das geht nicht, wenn ich sie im Opferstatus belasse.














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am um
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Lerserin
am 10.12.10 um 10:16
"Und musste vom Ehemann den Ratschlag hören, sich doch in Therapie zu begeben....Ich kann Verständnis dafür aufbringen, dass frau nicht von einem Lebensziel ablassen möchte und sich dann noch anhören, sie sei therapiebedürftig".
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Fehlleben
am 05.10.10 um 08:56
Ich stimme meinen Vorschreibern zu, diese Frau hat sich nicht mit der Opferrolle arrangiert und ist dabei schuldig geworden.
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Epica
am 24.09.10 um 12:41
Ich glaube sie hatte genau das gleiche Motiv, wie so viele Familienväter, die Amok laufen.Partner weg,(hat wohl eine Andere) Kind weg,Verzweiflung.Man fragt sich schon wo da das Umfeld ist, das einem Halt gibt!Es scheint ja nicht vorhanden gewesen zu sein.Dieser Fall unterscheidet sich nicht wirklich von anderen Amokläufen!
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Leserin
am 24.09.10 um 08:09
Ergänzung: Wenn es um z.B. Führungspositionen geht, dann stellt sich das weibliche Geschlecht als "starkes Geschlecht" dar. Doch sobald es um Eigenverantwortung der Frau geht, herrscht Funkstille. Es ist, wie bereits erwähnt, egal, was eine Frau tut, sie wird behandelt, als sei sie das eigentliche Opfer. Begründet wird das gerne damit, Frau hätte sich nicht so verhalten, hätte sie nicht das und das erlebt. Auch Männer verhalten sich nicht grundlos, wie sie sich verhalten, aber das bleibt unerwähnt. Von Männern wird Eigen- und Fremdverantwortung erwartet, insbesondere Frauen gegenüber. Von Frauen hingegen wird das nicht erwartet. Im Gegenteil: Egal, was Frau tun, sie wird in ihrer Opferrolle ermuntert und bestärkt, anstatt ihr Eigenverantwortung beizubringen. "Ich habe das und das erlebt" ist für mich kein Argument und erst recht keine Rechtfertigung. Man(n) und auch Frau kann an sich arbeiten, Therapie machen, Verantwortung lernen.
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Leserin
am 24.09.10 um 04:32
Danke, Sabine Wieczorkowsky! Ich bin weiblich und ich war als Kind und Jugendliche der Gewalt meiner (weiblichen!) Mutter ausgesetzt, ebenso meine Geschwister. Sie hat Kochlöffel auf meinem Kopf und Rücken zertrümmert usw. und sich anschließend als das eigentliche Opfer dargestellt. Für mich ist es schlimm in einer Gesellschaft leben zu müssen, in der Frauen - bloß weil sie Frauen sind - machen können, was sie wollen, und dann noch so behandelt werden, als seien sie die Opfer. Meine Mutter war kein Opfer, sie war Täterin! Das, was meine Mutter mir angetan hat, wollte (und will) keiner hören und sehen, auch Psychotherapeuten nicht. Sie suchten die Schuld bei meinem Vater und dichteten ihm sogar einen sexuellen Missbrauch an. An dem Bild von der lieben und harmoniebedürftigen Frau und dem Mann, das brutale sexsüchtige Monster, darf nicht gekratzt werden. Wie es Opfern weiblicher Gewalt damit geht, danach fragt keiner.
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Angelika
am 23.09.10 um 09:39
Fortsetzung:... zum prophylaktischen Umgang mit dem Phänomen zerstörerische Aggression und der entsprechende Bewältigung liegen kann. - Diesen Hinweis rund um die "Opferrolle der Täterinnen" verstehe ich im Zusammenhang mit dieser kontreten Tat nicht. Das ist nämlich ein anderes Thema, zwar auch sehr wichtig, hilft uns hier aber überhaupt nicht weiter.
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Angelika
am 23.09.10 um 09:35
@Thea SchäferUnd wie soll sie hier aussehen, diese Übernahme von Verantwortung? Mal ganz davon abgesehen, dass man in diesem konkreten Fall das gar nicht mehr fordern kann, da die Täterin tot ist, bleibt doch nur das Mittel der Haftstrafe, wenn die Straftat derartig gravierend ist. Wo soll dann diese Übernahme von Verantwortung überhaupt hinführen, wenn die Täterin für den Rest ihres Lebens eingesperrt ist? - In dem Artikel ging es doch aber lt. Überschrift darum, wie es zu solchen Taten kommen kann. Die Gründe sind nicht monokausal, sondern bestehen aus einem ganzen Bündel von Ursachen. Darüber hätte ich gern etwas gelesen, da kam aber nichts. - Dass Frauen nicht die besseren Menschen sind und auch Täter sein können, darüber muss man doch gar nicht mehr diskutieren. Fakt ist dennnoch, dass sie in Bezug auf derartige Straftaten im Vergleich zu Männern in der Minderheit sind und auch das hat Gründe und die interessieren mich genauso, weil hier vllt. der Schlüssel zur
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Thea Schäfer
am 23.09.10 um 00:01
Habe ich von Rache gesprochen oder von harten Strafen? Das wäre in meinen Augen nämlich ein ganz anders Thema. In dem Artikel geht es um die Übernahme von Verantwortung durch Täterinnen (und Täter). Und es ging darum, dass wir endlich akzeptieren dass Frauen AUCH Täter sein können und nicht nur Opfer.
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Eva B.
am 22.09.10 um 23:36
Liebe Angelika,
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Angelika
am 22.09.10 um 15:25
Hab ich Sie richtig verstanden, Eva B? Weil ich eine Metapher gebrauchte - aber nicht in Bezug auf die Täterin, sondern auf das, was die Therapeutin sagte - sie hat die "Äpfel" = die Tat an sich und deren Handhabung in der Bearbeitung und die "Birnen"= die Ursachenforschung für dererlei Taten - in einen Topf geworfen und für Sie ist dann meine Bildhaftigkeit ein "Beweis", dass da die Tat "klein gemacht" werde. Das, was Sie da versuchen, ist Rabulistik und ihre Beweisführung nennt man "Totschlagargument".
mehr (16)1. würde man endlich aufhören effektive Maßnahmen (=Therapie) als Zeichen für Versagen und als Schimpfwort zu sehen, würden viele "bedürftige" Menschen sich diese Hilfe (frühzeitig) suchen.
2. wer von einer Idee (Lebensziel) derart gefangen ist, dass er nichts anderes sieht, bedarf einer Therapie, die ihm und anderen hilft und- siehe Artikel- schlimmeres verhindern/Lebensverbesserung bringen kann
3. Der Rat des Ehemannes war also richtig und alles andere als ein Vergehen- der Fehler war nicht sein Rat, sondern, dass sie ihn ignoriert hat
Die Überlegung "entweder dieses Leben, so wie ich es mir vorstelle- oder gar keins" ist alles andere als "gesund" und "verständlich" sondern vollkommen irrational mit entsprechend traurigem Ergebnis
Ich möchte den Blick auf Fakten lenken, die vielleicht nicht bundesweit kolportiert wurden.
Sie war Juristin mit zweitem Staatsexamen, hatte jahrelang in der Personalabteilung einer Lörracher Großfirma gearbeitet, wurde jedoch im Zusammenhang mit der Elternzeit gekündigt. Dagegen führte sie erfolglos einen Arbeitsrechtsprozeß, in dem sie einige Kollegen entnervte. Dann versuchte sie 2009 mit der Anwalts-Zulassung beruflich Fuß zu fassen. Sie stand also beruflich und hinsichtlich der Thematik Beruf und Familie zu vereinen, vor einem Scherbenhaufen. Und musste vom Ehemann den Ratschlag hören, sich doch in Therapie zu begeben.
Ich kann Verständnis dafür aufbringen, dass frau nicht von einem Lebensziel ablassen möchte und sich dann noch anhören, sie sei therapiebedürftig.
Man verstehe mich bitte nicht falsch. All' das mindert nicht Schuld.
die Abwertung, die ich in Ihrem Kommentar herauslese erschreckt mich doch sehr. Und ich frage mich, womit ich Sie gekränkt habe. Ich wollte lediglich auf ein, wie ich finde- typisches Phänomen eingehen. Wenn Frauen gewalttätig werden, verändert sich oft die Sprache. Sie wird weicher, Verständnis suchender, als ich das bei Männern erlebe. Ich habe auch geschrieben, dass ich mich auf eine ehrliche Diskussion über Verantwortung freue. Wenn diese Auseinandersetzung aber über Belehrungen und Abwertungen geführt wird, bekomme ich Angst dass eine mögliche Offenheit im Keim erstickt wird. Eine Frau tötet Menschen- darum ging es doch im Kern. Und Frauen, die solche Taten begehen werden relativ schnell in ihrem Opferstatus beurteilt. Ich bin überzeugt, dass diese genaue Unterscheidung wesentlich zur Veränderung beiträgt. Und das läuft auch und gerade über die Medien. DA sollten wir hinsehen, für Klarheiten sorgen und nicht auch noch Nebenschauplätze aufmachen.