Ethikrat: Babyklappen abschaffen?
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Interview: "Babyklappen können Leben retten"
Über den Vorschlag des Ethikrats sprachen wir mit Leila Moysich, Leiterin des Hamburger Projekts Findelbaby, das vor zehn Jahren die ersten Babyklappen in Deutschland eröffnet hat.
Leila Moysich leitet seit zehn Jahren das Projekt Findelbaby in Hamburg
BRIGITTE.de: Was halten Sie von der Empfehlung des Ethikrats, Babyklappen abzuschaffen?
Leila Moysich: Wir teilen die Meinung des Ethikrates nicht. Unsere Erfahrungen aus den vergangenen zehn Jahren haben gezeigt, dass Babyklappen in Notsituationen Leben retten können. Und auch die Zahlen sprechen für das Angebot: In Städten, in denen es Babyklappen gibt, konnte die Zahl der getöteten und ausgesetzten Kinder reduziert werden.
BRIGITTE.de: Kritiker der Babyklappe behaupten, dass das Angebot die Zahl der Findelkinder in die Höhe treibt. Viele Frauen würden ihr Kind womöglich behalten, wenn die Hürden größer wären.
Leila Moysich: Ich habe über 400 Frauen kennengelernt, die ihre Schwangerschaft verheimlicht und dann die Babyklappe oder die anonyme Geburt gewählt haben. Keine von ihnen hat sich diese Entscheidung leicht gemacht. Diese Frauen brauchen nicht nur Hilfe und Beratung, sie brauchen auch die Anonymität, um Vertrauen zu haben. Durch die Babyklappe erreichen wir nicht nur eine gute Versorgung für das Kind, wir bieten zugleich der Mutter die Möglichkeit, ihre Entscheidung ohne Druck zu überdenken und zu ihrem Kind zurückzukehren. Beim Projekt Findelbaby sind das 50 bis 60 Prozent der Frauen.
BRIGITTE.de: Als Kompromiss schlägt der Ethikrat eine "vertrauliche Kindesabgabe" vor, bei der die Frauen ihre Daten zwar angeben, diese aber ein Jahr lang geschützt bleiben.
Leila Moysich: Ich denke, das reicht nicht aus. Zum einen ist es so, dass die Mehrheit der Frauen schon jetzt ihre Personendaten hinterlässt, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, sie zu kontaktieren. Es gibt nur sehr wenige Fälle, bei denen die Mütter so verzweifelt sind, dass sie ganz anonym bleiben wollten, etwa, weil vergewaltigt wurden oder weil sie Angst vor ihrem Mann hatten. Aber in diesen Fällen war es Frauen wirklich unvorstellbar, dass das Kind irgendwann die Identität ihrer leiblichen Mutter erfährt. Und ich fürchte, dass sich solche Frauen nicht trauen würden, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Anonymität auf ein Jahr befristet wäre.
BRIGITTE.de: Der Ethikrat argumentiert, man würde Frauen, die wirklich Gefahr laufen, ihr Kind zu töten oder auszusetzen, durch die Babyklappen-Angebote gar nicht erreichen. Können Sie das nachvollziehen?
Leila Moysich: Nein. In Hamburg zum Beispiel fand man früher regelmäßig Babys, die von ihren Müttern auf einer Parkbank oder vor einer Kirche zurückgelassen wurden. Seit wir hier die Babyklappe haben, wurde kein einziges Kind mehr ausgesetzt, und auch die Tötungen gingen zurück. In anderen Großstädten sind die Erfahrungen ähnlich. Das zeigt, dass man die Frauen, die Hilfe brauchen, durchaus erreicht. Natürlich gibt es Regionen in Deutschland, wo das Hilfsangebot noch nicht so gut ausgebaut ist und wo die Frauen nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Hier müssen wir noch besser aufklären.
BRIGITTE.de: Hat der Ethikrat sich denn mit den Trägern von Babyklappen über diese Erfahrungen ausgetauscht?
Leila Moysich: Nein, wir finden es sehr bedauerlich, dass der Ethikrat weder mit Babyklappen-Betreibern noch mit den Frauen selbst gesprochen hat, die sich in solchen Notsituationen befanden. Wir haben ihm entsprechende Angebote gemacht, doch die wurden nicht angenommen. Womöglich wären die Mitglieder des Rates dann zu einer anderen Entscheidung gekommen.














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am um
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Karla48
am 01.12.09 um 20:49
Babyklappen finde ich gut und wichtig.
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Fan.
am 30.11.09 um 15:26
Der Beitrag von dumpling ist sehr gut.
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Herr_Rhein
am 29.11.09 um 12:31
Eines kann ich - als Erzeuger und Bespaßungsonkel - Frau Moysich gut nachempfinden, nämlich wie es ist und nachhaltig wirkt übergangen zu werden. Hoffentlich folgt aus dieser frustrierenden Erfahrung auch der eine oder andere Sinneswandel.
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dumpling
am 27.11.09 um 23:25
Wenn durch die Babyklappen nur ein einziges Leben gerettet wird, hat es sich gelohnt. Das Leben ist das hoechste Rechtsgut und steht ueber dem Recht, seine Herkunft zu erfahren.
mehr (4)Hoffentlich bleiben sie erhalten.
Erstaunlich, dass sich seinerzeit niemand von euch aufregte, als eine Britin vor dem europäische Ethikrat dafür plädierte Organtransplantationen aus Drittweltländern zu befürworten, mit dem Hinweis auf die dadurch sich verbessernde Haushaltskasse, in den betroffenen Familien.
"...weil vergewaltigt wurden oder weil sie Angst vor ihrem Mann hatten."
Bedeutet was, in welchem Größenverhältnis und wie wird diese Angst begründet?
Immer möglichst vage halten, damit ja nicht zuviele unbequeme Sachverhalte das Tageslicht erblicken!
Abtreibungen nach Vergewaltigungen sind demnach auch nicht zulässig, erwägbar und durchführbar?
Soso!
Mit freundlichem Gruß