Live aus Bagdad: Leben in Zeiten des Krieges

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Schutz: Um nicht sofort als Ausländerin erkannt zu werden, trägt Susanne Fischer ein Kopftuch

Schutz: Um nicht sofort als Ausländerin erkannt zu werden, trägt Susanne Fischer ein Kopftuch

Habe ich Angst? Als ich Ramia nicht gleich antworte, ergreift sie das Wort. "Ich habe Angst. Große Angst. Ich werde das Land wieder verlassen. Ich kann mit diesem Druck nicht leben." Vor sechs Monaten erst ist sie nach Bagdad zurückgekehrt, aus Italien, wo ihr Mann, auch Iraker, als Künstler lebt. Sie ist gekommen, etwas aufzubauen, ihrem Land auf die Beine zu helfen. Dafür wird sie jetzt mit dem Tod bedroht, von wem weiß sie nicht. Im Irak muss man solche Drohungen sehr ernst nehmen. Es ist gut, dass Ramia von ihrer Angst spricht, dann muss ich nicht von meiner reden. Denn natürlich habe ich Angst. Nicht ständig, nicht überall, an manchen Tagen überhaupt nicht. Aber als grundsätzliches Gefühl ist sie da. Oder ist es eher ein geschärftes Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit? In den letzten zehn Tagen hat sich mein Alltag dramatisch verändert. Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich nicht mehr tue, weil sie mir zu gefährlich erscheinen. Wo hört die Vorsicht auf, wo fängt die Angst an?

Bagdad war nie ein sicherer Ort in den sechs Monaten, die ich jetzt hier wohne. Aber es war eine Stadt, in der es sich, mit einigen Einschränkungen, einigermaßen gut leben und arbeiten ließ. Auch als Frau. Ich bin allein mit dem Auto - das wir aus Deutschland mitgebracht haben - durch die Stadt gefahren, zu Terminen, zum Einkaufen, zu Freunden. Ich habe mich dezent, aber normal gekleidet.

Als ausländische Frau, blond noch dazu, falle ich natürlich auf. Einmal stand ich mit einem Fotografen eine Viertelstunde an einer belebten Straße, weil wir auf einen Kollegen warteten. Nach ein paar Minuten sagte er: "Es ist unglaublich: Jeder, absolut jeder, egal ob Mann oder Frau, der an uns vorbeikommt oder fährt, guckt dich an." Ich hatte es gar nicht mehr wahrgenommen, weil ich nach ein paar Wochen in Bagdad beschlossen hatte, die ständigen Blicke zu ignorieren - sonst könnte ich hier nicht leben.

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