Nach der Bombe: Das Restaurant Nabil
Die zweite Ausreiseempfehlung der Botschaft binnen einer Woche. Und wieder steht die Frage im Raum: Gehen oder Bleiben? Noch harrt eine kleine Schar deutscher Journalisten in Bagdad aus. Die meisten kenne ich inzwischen, auch viele der anderen europäischen und amerikanischen Kollegen. Als es noch ruhiger war, saßen wir bisweilen abends zusammen in den wenigen Restaurants mit halbwegs westlicher Küche und Alkoholausschank. Nachdem eines davon, das "Nabil" gleich bei mir um die Ecke, in der Silvesternacht in die Luft geflogen ist, hat unsere Ausgehlust stark nachgelassen. Jetzt treffen wir uns meistens zu Hause mit jenen, die wie wir eine Wohnung oder ein Haus gemietet haben, oder mit den Hotel-Bewohnern in den Hotel-Restaurants, die innerhalb streng abgeschirmter Sicherheitszonen liegen.
Alle suchen Deckung und jeder seinen eigenen Weg, so wenig wie möglich aufzufallen. Verständlich. Aber als ich den verkleideten Japaner vor dem Palestine Hotel sah, musste ich doch lachen: Er trug eine Dischdascha, das in arabischen Ländern weit verbreitete lange Männerkleid, und um die Schultern eine Kuffiyeh, jenes traditionelle karierte Troddeltuch, das auch Yassir Arafat immer um den Kopf gewickelt hat. Nur sein knallroter Rucksack auf dem Rücken passte nicht ganz ins Bild.
Besonders schwierig ist die Arbeit für Amerikaner: Weil kaum noch einer von ihnen wagt, seine wahre Herkunft anzugeben, ist die Zahl "irischer" und "kanadischer" Journalisten hier in den letzen Tagen sprunghaft gestiegen. Deutsche und französische Presseausweise stehen ebenfalls hoch im Kurs, da beide Länder keine Truppen in den Irak entsandt haben.
Überglücklich nahm eine Fotografin aus Florida den Zweitpass einer deutschen Kollegin entgegen. "Du hast doch auch blaue Augen und bist blond, viel mehr sieht man, wenn du verschleiert bist, sowieso nicht. Mit dem Pass gehst du, wenn du in eine Straßensperre von Kämpfern geraten solltest, als Deutsche durch." Auch keine Garantie für unversehrtes Entkommen, doch es könnte Situationen geben, in denen die Farbe des Passes über Leben und Tod entscheidet.













