Zwei Frauen gegen Beschneidung: Erst Feindin, dann Freundin
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Info: Beschneidung, ein blutiges Ritual
In Deutschland leben rund 20.000 beschnittene Frauen. Weltweit sind es rund 150 Millionen. Das blutige Ritual, bei dem Klitoris und Schamlippen teilweise oder ganz entfernt werden, wird vor allem in den islamisch geprägten Ländern Afrikas durchgeführt, jährlich gibt es rund drei Millionen neue Beschneidungen. Den betroffenen Mädchen wird eingeredet, der Eingriff sei eine religiöse Pflicht, im Koran wird er aber nicht erwähnt. Zwar ist Klitorisverstümmelung in einigen Staaten (Elfenbeinküste, Kenia, Senegal) verboten, Verstöße werden jedoch nicht konsequent verfolgt. In Mali, Hawa Gréous Heimat, sind rund 92 Prozent der Mädchen und Frauen beschnitten.
Durch die Einwanderung ist der Brauch auch nach Europa gekommen. In einigen EU-Ländern gibt es Gesetze, die Klitorisbeschneidung explizit unter Strafe stellen, in den anderen Ländern fällt sie unter den Tatbestand der Körperverletzung. In fünf europäischen Ländern haben bislang Strafprozesse stattgefunden: Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Schweiz. Um die europäischen Strafgesetze zu unterlaufen, gehen viele Familien auf "Heimaturlaub" in Afrika, wo die Mädchen verstümmelt werden. Eine der bekanntesten Kämpferinnen gegen diese Praxis ist das Ex-Model Waris Dirie, die 1997 in "Wüstenblume" ihre eigene Geschichte erzählte. Sie prangert heute vor allem die Beschneidungen in Europa an.
Genitalverstümmelung wird bei uns als einfache oder gefährliche Körperverletzung geahndet. Frauenrechts-Organisationen geht das jedoch nicht weit genug: Sie wollen den Tatbestand der schweren Körperverletzung durchsetzen, damit die Opfer das Recht auf eine angemessene Strafverfolgung haben. Im Juli hat der Bundestag eine schärfere Verjährungsfrist für Genitalverstümmelungen beschlossen: Sie soll erst dann einsetzen, wenn Mädchen das 18. Lebensjahr erreicht haben, damit ihnen genug Zeit bleibt, gegen das erlittene Unrecht vorzugehen.
Im Oktober 2009 haben nun Hessen und Baden-Württemberg angekündigt, sich im Bundesrat für ein schärferes Gesetz gegen die Beschneidung von Frauen einzusetzen. Die Verstümmelung weiblicher Genitalien solle mit einer Mindeststrafe von zwei Jahren geahndet werden. Mit dem neuen Gesetz sollen auch Beschneidungen im Ausland verfolgt werden könnten, sofern das Opfer zur Zeit der Tat in Deutschland gemeldet war.
In Deutschland kämpft das Netzwerk Integra gegen Genitalverstümmelung, ein Zusammenschluss aus 24 Organisationen (z. B. Unicef, Terre des Femmes). In Frankreich geht die Organisation CAMS(Commission pour l'Abolition des Mutilations Sexuelles) gegen Klitorisbeschneidung vor.













