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Im Dezember 2002 wurde Ingrid Betancourt in ihrer Abwesenheit mit der Petra-Kelly-Medaille der Heinrich-Böll-Stiftung ausgezeichnet. Ihr Mann hat sie für sie entgegengenommen.
Die Reportage
In der Hotelhalle steht eine junge Frau. Das offene Haar fällt ihr auf die Schultern, ihre Gestalt ist mädchenhaft, der Händedruck fest. Sie ist hübsch. Freiheitskämpfer sehen normalerweise anders aus. Zumal in Südamerika. Bärtig, männlich, bewaffnet. Ingrid Betancourt lächelt, sie kennt die Wirkung ihres Äußeren. "Man unterschätzt mich leicht", wird sie später sagen. Vermutlich einer der Gründe, warum sie nach zehn Jahren Kampf gegen Korruption und Drogenmafia noch immer am Leben ist.
Ich folge ihr. Vor dem Eingang warten drei Geländewagen mit laufenden Motoren, ein Dutzend Männer haben sich rund um die Hoteleinfahrt postiert und scannen mit Raster-Blick das Umfeld. "Können Sie nirgends mehr allein hingehen?", frage ich, mich unruhig umblickend, als wir in ihrem Dienstwagen sitzen und die drei Wagen dicht aufeinander und mit hoher Geschwindigkeit durch die schmalen Straßen der Altstadt fahren. "Nein", sagt Ingrid Betancourt, "besser nicht." - "Und wenn Sie frische Luft schnappen wollen?" - "Dann müssen ein paar von ihnen eben mitkommen." Sie beugt sich vor und legt dem Fahrer eine Hand auf die Schulter: "Sie sind doch meine Familie."












