Betreuungsgeld statt Bildung: Verkehrte Welt

Ab 2013 sollen Familien, die Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen, 150 Euro Betreuungsgeld monatlich erhalten. Das ist sozial ungerecht und bildungspolitisch katastrophal, meine BRIGITTE-Redakteurin Meike Schnitzler.

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Meike Schnitzler, 38 Jahre, hat einen Sohn, der seit fünf Monaten in die Krippe geht.

Meike Schnitzler, 38 Jahre, hat einen Sohn, der seit fünf Monaten in die Krippe geht.

Jetzt kommt sie also doch, die "Herdprämie". Der CSU-Tritt vors Schienbein von Krippenbefürworterin Ursula von der Leyen. Für große Aufregung sorgten die Äußerungen des Berliner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, SPD, der die 150 Euro Betreuungsgeld etwas zu offenherzig mit folgenden Worten kommententierte: "In der deutschen Unterschicht wird es versoffen und in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt."

Das hat eine Debatte darüber losgetreten, ob man sozial schwache Familien per se so einfach verdächtigen darf, Geld, das in die Kinder investiert werden soll, für andere Zwecke zu verbraten, verrauchen, verhandytelefonieren oder verflachbildschirmisieren.

Diese Diskussion lenkt etwas davon ab, dass es einfach nicht sozial gerecht ist, allen Eltern 150 Euro zu überweisen, die auf die Krippe verzichten. Auch denen, die man wohl allgemein als Oberschicht bezeichnet. Also die, die ihren Nachwuchs im Sports Utility Vehicle zur Motopädagogischen Musikgymnastik auf Chinesisch karren, damit Mami mal eine Stunde frei hat, um sich für 150 Euro Strähnchen machen zu lassen.

Alle hart arbeitenden Eltern, die - wie ja durch die Elterngeldregelung propagiert - nach dem Jahr Elternzeit wieder in den Beruf eingestiegen sind und jetzt hunderte von Euro Eigenanteil zur Krippengebühr zuzahlen, fühlen sich ziemlich veräppelt.

Denn das Signal ist eindeutig: Wer sein Kind in der Krippe betreuen lässt, liegt dem Staat auf der Tasche. Denn selbst knapp 400 Euro Elternanteil, die man zum Beispiel in Hamburg zuzahlt, sind nur ein Bruchteil der eigentlichen Kosten des Krippenplatzes. Trotzdem müssen diese 400 Euro erstmal verdient werden: Bei vielen Frauen fressen sie gleich einen Großteil ihres Nettogehalts wieder auf.

Belohnt werden sollen dagegen die, die gar nicht erst Betreuungskosten verursachen. Und verkauft wird das noch unter dem Deckmantel des Kindswohls; denn angeblich sind ja die Kleinen sowieso viel besser daheim aufgehoben – auch wenn es oft einfach stinklangweilig und intellektuell wenig herausfordernd für ein Kleinkind ist, den ganzen Tag mit Mama allein zu verbringen.

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  • Text: Meike Schnitzler
    Foto: Getty Images
Letzte Kommentare
  • Dana
    am 21.01.11 um 11:01
    @Rebecca123: Ich finde es gar nicht seltsam. Es soll aus meiner Sicht auch ganz profan die weniger gut ausgebildeten Frauen aus dem Arbeitsmarkt heraushalten - wer braucht denn arbeitende Frauen, wenn die Arbeitsplätze schon für die Männer nicht reichen?
  • Rebecca123
    am 06.01.11 um 17:18
    Ja, seltsam, diese 150 Euro. Als wenn es am Geld läge, ob man ein Kind in die Krippe gibt, oder nicht. Als wenn 150 Euro mehr etwas daran ändern würden, ob ich mich grundsätzlich dafür entscheide, mein Kind fremdbetreuen zu lassen, oder es selbst mache. Als wenn 1800 Euro/Jahr ein adäquater Ausgleich für die vielleicht schlechteren Einstellungschancen wären, die ich vielleicht bei der Jobsuche nach verlängerter Babypause in kauf nehmen muss, falls ich nicht das Glück habe, dass mein Arbeitsplatz nach 3 Jahren noch besteht ....
    Klar ist, dass sich die Politiker bewusst sind, dass es mit einer "Krippenplatzgarantie" nicht für alle gesorgt ist. Aber 150 Euro? Wofür? Als Bezahlung zu wenig, als Ausgleichszahlung ebenfalls, als Betrag für seltsame Kinderkurse "Frühenglisch", "Musik" für Kleinstkinder, Schwimbadeintritt? War dafür nicht das Kindergeld?
  • Dana
    am 03.12.10 um 16:09
    @pirlipat: "Schon jetzt bekommen die falschen Leute Kinder, nämlich die, die am unteren Rand der Gesellschaft leben. Es muss aber in unser aller Interesse liegen, dass Akademikerinnen mehr Kinder bekommen."

    So äußert sich ein eingebildetes, arrogantes A********. (Entschuldigung.) Mutterliebe, Förderung und Zuwendung hat rein gar nichts mit dem Bvorhandenen Geldmitteln ildungsniveau zu tun und jeder, der Kinder möchte, sollte sie bekommen! Im Gegenteil macht eine verkopfte, überbehütende Gluckenmutter keine bessere Erziehung als eine zupackende, pragmatische und liebevolle Frau. Egal ob mich Hochschulabschluss oder ohne!

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