Christian und Bettina Wulff: (K)ein Aufreger?!

Ein Bundespräsident, geschieden, mit einer 15 Jahre jüngeren Frau verheiratet. Warum regt die Beziehung von Christian und Bettina Wulff so viele Frauen auf?, fragt sich BRIGITTE-Redakteurin Claudia Kirsch.

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In diesem Artikel:

"Darf der das? Kann so einer Vorbild sein?" Diese und ähnliche Fragen habe ich in den letzten Wochen oft zur Zweitehe des Bundespräsidenten Christian Wulff gehört. In den Medien dagegen wurde und wird die präsidiale Patchwork-Familie überwiegend als bunt und lässig bejubelt. Christian Wulff und seine attraktive Frau Bettina werden vorgeführt als willkommene Repräsentanten eines Landes, das, endlich sympathisch geworden, coolen Fußball spielt, den Grand Prix gewinnt und ausgelassen feiern kann. Und nun auch noch eine First Lady mit Tatoo vorweisen kann.

Warum aber driften öffentliche und private Meinungen so auseinander? Das macht mich nachdenklich. Einerseits bin ich heilfroh, in einer Gesellschaft zu leben, in der wir die Freiheit haben, unsere Lebensformen selbst zu bestimmen. Dazu gehört auch, dass gehen kann, wer nicht bleiben will. Und doch, auch ich ertappe mich bei dem missbilligenden Gedanken, dass Christian Wulff ein Klischee bestätigt: das Klischee vom Mann im besten Midlife-Crisis-Alter, der seine Frau für eine jüngere Blonde verlässt - und dafür auch noch beklatscht wird.

Es ist die alte Geschichte: eine Frau, ein Mann und eine Liebe, die versiegt. Christiane und Christian lernen sich während des Jurastudiums kennen und lieben, heiraten, bekommen eine Tochter. Dass er nach 18 Ehejahren seine Frau für eine Jüngere verlässt, ist nicht unbedingt schön, aber auch nicht ungewöhnlich.

Und trotzdem bleibt da ein ungutes Gefühl. Ich glaube, dieses Gefühl ist vielen Frauen vertraut. Nur: Warum wird ausgerechnet jetzt darüber geredet, vier Jahre nach der Wulffschen Scheidung? Weil die moralischen Erwartungen an den Bundespräsidenten größer sind als die an einen Landesfürsten? Weil für den ersten Mann im Staat grundsätzlich andere, strengere Spielregeln gelten als für den Rest der Bevölkerung?

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  • Fotos: Cinetext, dpa

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