Bestseller "Bitterfotze": Die Wut der frustrierten Mütter

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BRIGITTE.de: Was bedeutet es denn für Sie, heute Feministin zu sein?

Maria Sveland: Feminismus heißt, dass man sich der ungerechten Strukturen zwischen Frau und Mann bewusst ist. Davon gibt es auch heute noch viele. Und natürlich sollte es nicht nur bei dem Bewusstsein bleiben, sondern man muss auch dagegen kämpfen. Für mich ist Feminismus keine private Meinung, sondern eine politische Haltung. Ich persönlich habe viele Jahre lesen, diskutieren, analysieren und nachdenken müssen, bis ich diese Haltung auch wirklich begründen konnte und nun weiß, wie uns Machtverhältnisse beeinflussen. Am meisten kämpfe ich gegen die Ignoranz und Leugnung von Diskriminierung - denn sie sind die ärgsten Feinde des Feminismus.

BRIGITTE.de: Gibt es denn bei Ihnen noch Diskriminierung? Sie leben doch in Schweden. Wir in Deutschland denken, bei Ihnen ist, was Sachen wie Gleichberechtigung und Kinderbetreuung angeht, alles super.

Maria Sveland: In Schweden leben Frauen und Männer emanzipierter als woanders, das ist schon richtig. Aber das heißt nicht automatisch, dass wir Schwedinnen schon mit den Schweden gleichgestellt wären. Frauen verdienen auch hier nur 80 Prozent dessen, was Männer verdienen. Frauen machen den Großteil der unbezahlten, undankbaren Hausarbeit. Sie steigen aus dem Beruf aus oder reduzieren zumindest ihre Karrieren, wenn ein Kind kommt. Sie sind diejenigen, die zu Hause bleiben, wenn die Kinder krank sind. Und so weiter und so fort.

BRIGITTE.de: Da rauben Sie gerade vielen Deutschen eine Illusion.

Maria Sveland: Das tut mir sehr leid. Aber vielleicht muss es auch mal sein. Denn unser tolles Image wird ganz bewusst gefördert - und hier in Schweden sogar dafür benutzt, kritische Stimmen zu unterdrücken. Eigentlich absurd, ich weiß. Aber tatsächlich wird uns immer wieder vorgehalten, wir sollten doch zufrieden sein mit den Fortschritten, die in Schweden gemacht wurden, uns ginge es doch viel besser als anderswo. Aber wieso sollten wir denn bitte still sein, wenn wir immer noch keine totale Gleichheit in allen Bereichen haben?

BRIGITTE.de: Immerhin hatten Sie bis 2006 einen Premierminister, der sich selbst "Feminist" nannte.

Maria Sveland: Na ja, das war wohl eher Geplänkel, tatsächlich hat Goran Persson sehr wenig für die Gleichberechtigung getan. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob er das Wort "Feminismus" überhaupt verstanden hat. Er wollte sich einfach beliebt machen. Unter unserem neuen Premierminister allerdings würden sich nur noch wenige Politiker feministisch nennen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: nur so zu tun als ob oder gar nicht erst feministisch sein.

BRIGITTE.de: Und wie fortschrittlich ist die schwedische Gesellschaft?

Maria Sveland: Vor allem wenn es um Elternschaft geht, sind viele Schweden noch sehr konservativ. Von Müttern wird erwartet, dass sie anwesend und aufopfernd sind, Väter dagegen sollen die Familie ernähren, deswegen ist Abwesenheit für sie okay.

  • Interview: Susanne Klingner
Letzte Kommentare
  • Megaschwanz
    am 13.08.11 um 15:20
    Ich bin gelangweilt von der kriegerischen Polemik bei diesem Thema. Gut, sie ist sauer. Aber hat es jemals schon richtig viel bewirkt, mit sexuell aufgeladenen Kraftausdrücken und Streit etwas verändern zu wollen? Ehrlichgesagt hätte ich als Mann keine Lust, einer zänkischen frustrierten Bitterfotze lang zuzuhören. Genauso wie ich keinem Mann zuhören will, der feist und kraftstrotzend auf seiner Rolle als fetter Verdienerschwanz beharrt. Emanzipation heißt seit jeher NICHT, die andere Partei plattzumachen, und sei es "nur" kommunikativ und emotional. Ich will konstruktive Lösungen im Gespräch (nicht Streit) mit Menschen finden, die mir auch Lust darauf machen, mit ihnen gleichberechtigt zusammenzuleben.
  • Arne
    am 17.02.10 um 21:06
    "Bitterfotze" ... also, mal im Ernst: Wer seiner Publikation einen derart abstoßenden Titel gibt, nur um zu provozieren, demonstriert damit nur die alltägl. Tyrannei des Kindischen. Man nennt es auch Unreife. In diesem Fall die Unreife einer Trotz-Tochter, die natürlich den ewigen "Feind" ausgemacht haben will: der schläft im selben Bett. Es ist unmöglich, eine "moderne Frau" zufrieden zu stellen! Es sei denn, Mann haut mit der Faust auf den Tisch und sagt: "Jetzt ist aber SCHLUSS mit dem Blödsinn!" Der Feminismus hat den jungen Frauen eingeredet, sie müßten jeden Handschlag mit dem Partner "aushandeln". Aber der sich angebl. so "konstruktiv" gebärdende Streit ist Gift für jede Liebe und jede Beziehung. Sperre zwei Skorpione in eine Flasche und sie werden sich - schwer angeschlagen - gegenseitig umbringen! Einer MUSS die Hosen anhaben, sonst werden Frauen so wie diese zu bedauernde "Autorin" und ihre "Interviewerin".
  • nic22
    am 16.03.09 um 10:19
    ich lese dieses Buch gerade. es ist das beste, was je geschrieben wurde über diese thematik. es bläst allen ildikos von kürti (oder wie immer sie geschrieben wird) volle kanne in die fresse! endlich mal kein: 'wie kann ich auf high heels im sandkasten den männern noch attraktiv auffallen'. endlich schreibt eine über die emanzipation und die umsetzung nach dem kinder. geschlechtergerechtigkeit ist in der theorie super. die umsetzung, die ist allerdings schwerer als erwünscht.
    beim lesen erklärt sich auch der wirklich nicht einfache titel. aber eine fotze ist auch einfach eine art tasche, die der jäger mit sich trägt. wofür auch immer.
    In diesem Sinne: Hinter einerm erfolgreichen Mann steht eine Frau; hinter einer erfolgreichen Frau liegt eine Scheidung!
    ich bin der autorin sehr dankbar für die zusammenfassung all der bitterkeit die kommt, wenn ein kind da ist. ich bin fast geschieden und spüre die aufkommende leichtigkeit und das lachen wieder.
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