Bestseller "Bitterfotze": Die Wut der frustrierten Mütter

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BRIGITTE.de: In einer Szene Ihres Romans schreiben Sie über Saras Schuldgefühle ihrem Sohn gegenüber, wenn sie mal ein paar Tage nicht zu Hause ist. Sie erstickt fast an diesen Gefühlen, während ihr Mann kein schlechtes Gewissen hat, obwohl er manchmal die ganze Woche weg ist.

Maria Sveland: Gerade weil so viele Männer einfach nicht anwesend sind, fühlen sich viele Frauen doppelt schuldig und denken, sie müssten das Fehlen ihres Partners auch noch kompensieren. Und dann fühlen sie sich auch noch wegen der Schuldgefühle schuldig! Dabei haben auch Väter ein schlechtes Gewissen, längere Zeit weg zu sein, wenn sie eine enge Bindung zu ihren Kindern haben. Es ist eigentlich also ganz menschlich. Nur, dass viele Frauen mit diesen Gefühlen allein in ihrer Beziehung sind. Und die Gesellschaft erwartet ja von Frauen auch, dass sie sich schämen, wenn sie trotz Kindern so viel arbeiten möchten wie die Männer. Sie brechen damit ein gesellschaftliches Tabu.

BRIGITTE.de: Sara fühlt sich in dieser Hinsicht regelrecht von der Liebe betrogen. Passen denn Liebe und Emanzipation überhaupt zusammen?

Maria Sveland: Auf jeden Fall. Aber möglicherweise nicht diese Art von Liebe, die wir heute haben. Für mich ist Liebe undenkbar, die nicht absolut gerecht und fair ist. In der Liebe muss es darum gehen, was jemand tut und nicht, was er sagt. Ich meine, wir können doch nicht behaupten, dass wir jemanden lieben, wenn wir es nicht auch im alltäglichen Leben zeigen. Deswegen kann es für mich keine Liebe geben, die nicht gleichberechtigt ist.

BRIGITTE.de: Das ist ein hoher Anspruch.

Maria Sveland: Tatsächlich existieren Beziehungen nicht nur für sich, sondern werden massiv von der Gesellschaft beeinflusst. Und wer sich nicht permanent gegen die unemanzipierten Standards der Gesellschaft wehrt, wird von ihnen verschluckt.

BRIGITTE.de: Wie können wir uns denn wehren?

Maria Sveland: Erst mal müssen wir uns selbst eingestehen, dass es Ungerechtigkeiten gibt, müssen sie identifizieren und analysieren, wem sie nützen. Eigentlich brauchen wir eine Revolution. Die fängt bei uns an: Schaut euch eure Beziehungen an und fragt euch: 'Wie leben wir? Teilen wir uns die Hausarbeit und die Verantwortung für die Kinder gerecht? Bin ich zufrieden mit dem Zustand? Was müssen wir verändern?' Und so weiter.

BRIGITTE.de: Und dann?

Maria Sveland: Streiten! Streitet und diskutiert über alles, was euch in euren Beziehungen nicht passt! Und redet mit euren Freunden über die Probleme in euren Beziehungen. Denn die haben die gleichen Probleme. Freunde können uns gute Ratgeber sein, deswegen ist es schlau, unsere Beziehungen nicht mehr wie ein Staatsgeheimnis zu behandeln.

Zum Weiterlesen:

Maria Sveland, "Bitterfotze", übersetzt von Regine Elsässer, 272 S., 8,95 Euro, KiWi.

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman

Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara Streidl, "Wir Alphamädchen - Warum Feminismus das Leben schöner macht", 220 S., 19,95 Euro, Hoffmann & Campe

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  • Artikel vom 27.02.2009
  • Interview: Susanne Klingner
Letzte Kommentare
  • Megaschwanz
    am 13.08.11 um 15:20
    Ich bin gelangweilt von der kriegerischen Polemik bei diesem Thema. Gut, sie ist sauer. Aber hat es jemals schon richtig viel bewirkt, mit sexuell aufgeladenen Kraftausdrücken und Streit etwas verändern zu wollen? Ehrlichgesagt hätte ich als Mann keine Lust, einer zänkischen frustrierten Bitterfotze lang zuzuhören. Genauso wie ich keinem Mann zuhören will, der feist und kraftstrotzend auf seiner Rolle als fetter Verdienerschwanz beharrt. Emanzipation heißt seit jeher NICHT, die andere Partei plattzumachen, und sei es "nur" kommunikativ und emotional. Ich will konstruktive Lösungen im Gespräch (nicht Streit) mit Menschen finden, die mir auch Lust darauf machen, mit ihnen gleichberechtigt zusammenzuleben.
  • Arne
    am 17.02.10 um 21:06
    "Bitterfotze" ... also, mal im Ernst: Wer seiner Publikation einen derart abstoßenden Titel gibt, nur um zu provozieren, demonstriert damit nur die alltägl. Tyrannei des Kindischen. Man nennt es auch Unreife. In diesem Fall die Unreife einer Trotz-Tochter, die natürlich den ewigen "Feind" ausgemacht haben will: der schläft im selben Bett. Es ist unmöglich, eine "moderne Frau" zufrieden zu stellen! Es sei denn, Mann haut mit der Faust auf den Tisch und sagt: "Jetzt ist aber SCHLUSS mit dem Blödsinn!" Der Feminismus hat den jungen Frauen eingeredet, sie müßten jeden Handschlag mit dem Partner "aushandeln". Aber der sich angebl. so "konstruktiv" gebärdende Streit ist Gift für jede Liebe und jede Beziehung. Sperre zwei Skorpione in eine Flasche und sie werden sich - schwer angeschlagen - gegenseitig umbringen! Einer MUSS die Hosen anhaben, sonst werden Frauen so wie diese zu bedauernde "Autorin" und ihre "Interviewerin".
  • nic22
    am 16.03.09 um 10:19
    ich lese dieses Buch gerade. es ist das beste, was je geschrieben wurde über diese thematik. es bläst allen ildikos von kürti (oder wie immer sie geschrieben wird) volle kanne in die fresse! endlich mal kein: 'wie kann ich auf high heels im sandkasten den männern noch attraktiv auffallen'. endlich schreibt eine über die emanzipation und die umsetzung nach dem kinder. geschlechtergerechtigkeit ist in der theorie super. die umsetzung, die ist allerdings schwerer als erwünscht.
    beim lesen erklärt sich auch der wirklich nicht einfache titel. aber eine fotze ist auch einfach eine art tasche, die der jäger mit sich trägt. wofür auch immer.
    In diesem Sinne: Hinter einerm erfolgreichen Mann steht eine Frau; hinter einer erfolgreichen Frau liegt eine Scheidung!
    ich bin der autorin sehr dankbar für die zusammenfassung all der bitterkeit die kommt, wenn ein kind da ist. ich bin fast geschieden und spüre die aufkommende leichtigkeit und das lachen wieder.
 
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