Serie BRIGITTE-Studie im Jahr der Krise

BRIGITTE-Studie 2009: "Diese Frauen machen keinen Rückzieher"

Wie haben sich die Einstellungen junger Frauen im Krisenjahr verändert? Prof. Jutta Allmendinger, Leiterin der neuen BRIGITTE-Studie "Frauen auf dem Sprung. Das Update", über die brisanten Ergebnisse.

Sie wollten viel, die jungen Frauen: Job und Partnerschaft, Kinder und Verantwortung. Die BRIGITTE-Studie "Frauen auf dem Sprung" sorgte 2008 für große Aufregung. Nur eine Momentaufnahme? 18 Monate später haben wir nachgefragt: Einstieg in den Beruf, Wirtschaftskrise, Kinder kriegen, neue Freundschaften - wie verändert das die Frauen? Bleiben sie so selbstbewusst? Oder stecken sie zurück? Werden sie ängstlich? Oder starten sie jetzt richtig durch? BRIGITTE sprach mit Studienleiterin Prof. Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung über die brisanten Ergebnisse.


Prof. Jutta Allmendinger Prof. Jutta Allmendinger

BRIGITTE: Neue persönliche Erfahrungen und eine weltweite Finanzkrise - wie hat sich das auf die Einstellung der jungen Frauen ausgewirkt?

Prof. Jutta Allmendinger: Das Selbstbewusstsein dieser jungen Frauen ist nach wie vor ungebrochen, ihre Erwartungen an die Männer sind noch klarer geworden. Überraschend fand ich, dass sie noch kompromissloser sind - und zugleich sehr zufrieden. Und interessanterweise bringen Kinder ihr Leben nicht so stark durcheinander, wie sie befürchtet hatten.

BRIGITTE: Ein häufig geäußerter Kritikpunkt an unserer ersten Studie war: "Wenn die erst mal das erste Kind bekommen. . . "

Prof. Jutta Allmendinger: Ja, diese Frage hat uns auch interessiert. Deshalb haben wir die Studie wiederholt und die Alterseffekte untersucht. Wir konnten klar feststellen: Die Frauen machen keinen Rückzieher, im Gegenteil. Das können wir deshalb sagen, weil einige Frauen mittlerweile Kinder bekommen, andere einen Job angefangen oder gewechselt haben, manche Frauen inzwischen umgezogen sind. Wir können also die Wirkungen jener Lebensereignisse beobachten, von denen man gemeinhin sagt, dass sie die Einstellungen von Menschen verändern.

BRIGITTE: Die jungen Frauen wurden im März und April 2009 befragt. Das heißt, sie haben die Pleite von Lehman Brothers und die Bankenskandale in Deutschland mitbekommen. Welche Rolle spielt die Krise in den Befragungen?

Prof. Jutta Allmendinger: Zum Zeitpunkt der Erhebung war die Krise in Deutschland schon angekommen - und sie taucht in den Fragen und Antworten deutlich auf. Es hat eine starke Politisierung der Frauen stattgefunden. Mehr als die Hälfte der Frauen, die dies zum Zeitpunkt unserer ersten Befragung Ende 2007 noch entschieden ablehnten, können sich inzwischen vorstellen, an Unterschriftensammlungen, Streiks oder Herstellerboykotts teilzunehmen. Einige von ihnen haben das bereits getan. Die Frauen erleben eine veränderte Welt - und reagieren darauf. Fast die Hälfte kann sich heute vorstellen, gesellschaftlich aktiv zu werden. Diese Bereitschaft, den Mund aufzumachen, sich auch politisch zu engagieren, zeugt von Verantwortungsgefühl. Das ist ein enormer Umbruch.

BRIGITTE: Trotz dieser Politisierung stehen die Parteien nicht gerade hoch im Kurs.

Prof. Jutta Allmendinger: Was die jungen Leute interessiert, was für sie wichtig ist, finden sie tatsächlich nicht bei den Parteien. Aber politisches Handeln umfasst alles, was man zur Verbesserung einer Situation tut - und dazu braucht man nicht den Weg über die Parteien. Und die Tatsache, dass sich ihre Angst vor politischen Unruhen sogar leicht verringert hat, sehe ich auch als implizites Lob an die Politik, die ja doch die Fähigkeit zum Krisenmanagement gezeigt hat. Zum Beispiel mit der verlängerten Zahlung von Kurzarbeitsgeld, das im Moment Ruhe schafft.

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