BRIGITTE-Studie 2009: "Diese Frauen machen keinen Rückzieher"
BRIGITTE: Arbeitsplätze sind in Gefahr, Banken gehen pleite, Sicherheiten geraten ins Wanken. Macht das den Frauen Angst?
„Die jungen Frauen sehen sich als Gewinnerinnen der Krise.“
Prof. Jutta Allmendinger: Um den eigenen Arbeitsplatz sorgen sie sich weniger, die Angst vor Massenarbeitslosigkeit jedoch hat sich deutlich erhöht. Aber ich möchte hier nicht von Angst sprechen, eher von einer erhöhten Sensibilisierung. Die jungen Frauen sind alarmiert, sehen, dass die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit real ist, und stellen sich der Gefahr. Sie schließen daraus, dass es umso wichtiger ist, sich zu bewegen - erwerbstätig zu sein, sich fortzubilden. Trotz der problematischen Situation auf dem Arbeitsmarkt: Die Frauen wissen, dass sie gebraucht werden, sie registrieren, wie über Fachkräftemangel diskutiert wird - und fühlen sich eher als Gewinnerinnen der Krise.
BRIGITTE: Auch hier gilt: Ihre eigenen Chancen und Möglichkeiten empfinden sie als gut, die Gesellschaft insgesamt aber als ungleich. Und das hat sich seit der letzten Befragung verstärkt. Wir haben ihnen wieder Bilder vorgelegt, die unterschiedliche Verteilungen von Macht, Einfluss und Verantwortung zeigen. Deutlich mehr als in der ersten Befragung haben sich für das Bild einer Pyramide entschieden, die eine ausgeprägte Chancen-Ungleichheit zeigt. Erwarten diese Frauen, dass die Zusammenbrüche der Systeme ihnen eine Chance bieten könnten?
Prof. Jutta Allmendinger: Zugleich ordnen sich die Frauen selbst in der Pyramide höher ein als noch vor zwei Jahren. Sie glauben an ihre eigene Kraft, nehmen aber auch die sozialstaatlichen Veränderungen und ihre Folgen wahr.
BRIGITTE: Was tun sie, um auf der Siegerseite zu bleiben? Stecken sie zurück, um Risiken in harten Zeiten zu vermeiden?
Prof. Jutta Allmendinger: Im Gegenteil, die Frauen sind noch sehr viel kompromissloser geworden. Nur noch 17 Prozent würden für den Partner den Beruf wechseln, 2007 waren es noch 37 Prozent. Und für den Liebsten umziehen, dazu waren vor zwei Jahren noch 86 Prozent der Befragten bereit, jetzt sind es nur 65 Prozent. Auf Kinder verzichten, weil der Partner das nicht will? Das käme nicht einmal für jede zehnte infrage. Die Frau, die für den Partner auf ihre Erwerbstätigkeit verzichten würde, die gibt es quasi nicht mehr.
BRIGITTE: Sind die Frauen auch so kompromisslos, wenn es um Kinder geht?
Prof. Jutta Allmendinger: Nein, Kinder haben eine klare Priorität. Nach wie vor ist der Kinderwunsch extrem hoch. Und für ihre Kinder würden die Frauen auch Kompromisse eingehen. Fast die Hälfte würde auf einen beruflichen Aufstieg verzichten oder Einkommensverluste hinnehmen. Ein Drittel würde fürs Wohl der Kinder den Job wechseln. Die Frauen sind da sehr fürsorglich - und sehr realistisch. Sie sehen durchaus, dass Job und Kind sich heute besser vereinbaren lassen, machen dabei aber auch immer wieder die Erfahrung, dass einiges eben noch nicht geht oder der Verbesserung bedarf.













