BRIGITTE-Studie 2009: "Diese Frauen machen keinen Rückzieher"
BRIGITTE: Lässt sich feststellen, welche Lebenslage die Frauen besonders zufrieden macht?
Prof. Jutta Allmendinger: Sehr interessant ist, dass bei Frauen, die zwischen den beiden Befragungen Kinder bekommen haben, die Zufriedenheit besonders gestiegen ist. Das gilt auch für Männer, die Vater geworden sind.
BRIGITTE: Sehr ermutigend. Wie erklären Sie das?
Prof. Jutta Allmendinger: Es scheint, dass kinderlose Frauen und Männer das Dasein als Mutter oder Vater dramatisieren, sie stellen sich alles schrecklich kompliziert und anstrengend vor. Sie rechnen mit gesellschaftlicher Ächtung, erwarten, dass es schwierig wird, Job und Kind unter einen Hut zu bringen. Und wenn sie sich dann doch für Nachwuchs entscheiden, stellen sie fest: "Da geht einiges!" Sie sehen, wie viel inzwischen möglich ist, und treffen auf gleichgesinnte Eltern und Mitstreiter. Das macht Mut, für mehr Unterstützung zu streiten.
BRIGITTE: Eine spannende Erkenntnis angesichts der stagnierenden Geburtenrate . . .
Prof. Jutta Allmendinger: Allerdings, zumal der Kinderwunsch ja ungebrochen hoch ist. Aber dieses Auseinanderklaffen der Einstellungen von Eltern und Kinderlosen ist fatal. Ich fände es wichtig, die negative Erwartungshaltung auch politisch aufzugreifen. Man sollte transportieren, dass es gar nicht so schwierig ist, mit Kindern zu leben, und nicht gleichzeitig allzu sonnige Bilder malen, wie es Politiker seit einigen Jahren tun. Ich glaube, wir brauchen eine neue Ehrlichkeit, damit die beiden Gruppen nicht noch mehr auseinanderdriften.
BRIGITTE: Es heißt immer, dass Akademikerinnen weniger Kinder bekommen als nicht so gut ausgebildete Frauen. Bildet sich diese Tendenz auch in der Studie ab?
„Der Geldbeutel des Partners interessiert die Frauen am wenigsten.“
Prof. Jutta Allmendinger: Beim Kinderwunsch ergibt sich so gut wie kein Unterschied. Aber tatsächlich haben junge Akademikerinnen im Moment weniger Kinder als Frauen aus anderen Bildungsstufen. Weil sie vor größeren Problemen stehen: An den meisten Unis fehlen Angebote, auch in Teilzeit zu studieren, und die Möglichkeit, Vorlesungen und Seminare flexibel zusammenzustellen. Betreuungsangebote sind rar, es gibt zu wenige Möglichkeiten, Pausen nach den Bedürfnissen des Kindes einzubauen. Und leider verstärkt das Tempo, welches Bachelor- und Masterprogramme vorgeben, diesen Trend. Dazu der Jugendkult, der dazu anhält, möglichst früh ins Erwerbsleben einzusteigen. Unter diesen Umständen schaffen viele Frauen dann einfach den Absprung zum Kinderkriegen nicht. Aber diesen Zusammenhang können wir in unserer Studie noch nicht abbilden, die Frauen sind zu jung.
BRIGITTE: In der ersten Studie hatten die Frauen klare Erwartungen an den Partner: Treu und zuverlässig sollte er sein, er sollte sich um die Kinder kümmern und, bitte schön, eigene Freunde haben. Als Versorger war er nicht mehr gefragt. Hat sich an dieser Haltung etwas verändert?
Prof. Jutta Allmendinger: Frauen suchen eine gleichwertige Partnerschaft, in der beide arbeiten, aber nicht um jeden Preis. Der Geldbeutel des Mannes interessiert am wenigsten, an erster Stelle steht vielmehr der Wunsch nach einem Partner, der Zeit für die Familie hat. Ab und an den Müll runtertragen oder den Kindern mal eine Geschichte vorlesen genügt nicht. Die jungen Frauen wünschen sich eine Partnerschaft, in der beide zu gleichen Teilen Verantwortung für Haushalt und Kinder übernehmen. Und sie suchen einen Partner, mit dem sie sich austauschen können, der sie inspiriert: Bildung steht an zweiter Stelle auf der Wunschliste.













