BRIGITTE-Studie 2009: "Diese Frauen machen keinen Rückzieher"
BRIGITTE: Und die Männer? Welche Frauen stehen bei ihnen hoch im Kurs?
Prof. Jutta Allmendinger: Männer suchen sich Frauen nach wie vor nach dem Aussehen aus: Bei fast der Hälfte steht Attraktivität ganz oben. Bildung, Zeit für Familie, Geld - das alles ist für viele dieser Männer nicht so wichtig.
BRIGITTE: Wie gestalten denn die selbstbewussten jungen Frauen ihre Partnerschaft?
„Das Bild des mächtigen, gut verdienenden Mannes hat ausgedient.“
Prof. Jutta Allmendinger: Um das herauszufinden, haben wir folgendes Szenario angeboten: Eigentlich ist man am Samstag mit seinem Partner verabredet, plötzlich kommt ein tolles Angebot rein - zwei Tickets für ihre Lieblingsband. Leider mag der Partner diese Band gar nicht. Dann haben wir gefragt: "Was machen Sie in so einer verflixten Situation? Nehmen Sie nur eine Karte für sich und gehen dann allein in dieses Konzert? Nehmen Sie zwei Karten für sich und den Partner, obwohl Sie wissen, dass er diese Band nicht besonders mag? Oder nehmen Sie zwei Karten und gehen mit einer Freundin? Oder kaufen Sie gar keine Karte?" Über die Hälfte der Frauen kaufen zwei Karten: für sich und die Freundin.
BRIGITTE: Und die Männer?
Prof. Jutta Allmendinger: Nur 27 Prozent der Männer kaufen zwei Karten, um mit einem Freund zu ihrer Lieblingsband zu gehen, 36 Prozent verzichten ganz und kaufen gar keine Karte.
BRIGITTE: Ach, die armen Männer, die können einem ja fast leid tun . . .
Prof. Jutta Allmendinger: Ich finde das durchaus gesund von den Frauen. Partnerschaften sind ihnen sehr wichtig, aber sie legen auch Wert auf eine Welt jenseits davon, genauso wie auf eine Welt jenseits der Erwerbstätigkeit. Frauen pflegen ihre Freundschaften, stellen sie nicht hintenan. Freundeskreise sind auch ein starkes Motiv, nicht umzuziehen.
BRIGITTE: Fast alles scheint wichtiger als der Partner. Wie verkraften das die Männer, die ja auch angefangen haben, über ihre eigene Rolle nachzudenken?
Prof. Jutta Allmendinger: Die Männer stehen gewaltig unter Druck. Sie haben verstanden: "So geht es nicht weiter. Ich muss Konzessionen machen, mich mit meiner Familie, meinem Umfeld abstimmen." Sie sind nachdenklich geworden, aber es fehlen ihnen die Vorbilder. Auch da könnte man politisch viel tun. Mir ist zum Beispiel noch kein Politiker begegnet, der sagt, er könne jetzt den Termin nicht wahrnehmen, weil er auf sein Kind aufpassen müsse.
BRIGITTE: In welchen Rollen sind Männer denn überhaupt noch gefragt?
Prof. Jutta Allmendinger: In der Partnerschaft als fürsorglicher Vater. Insgesamt gibt es in den Männerkulturen einen großen Umbruch. Klassische Männerjobs gehen verloren. Das Bild des mächtigen, anerkannten und gut verdienenden Mannes "in den besten Jahren" hat ausgedient. Viele von ihnen werden abgesägt. In den Medien werden Männer zunehmend als Problemfälle dargestellt, das prägt die jungen Männer. Sie lösen sich aber erfreulicherweise immer mehr von dem eingleisigen Modell, in dem der Mann das Geld verdient und die Frau das Essen kocht und ihm den Rücken freihält. Es ist was in Bewegung. Bis auf ein paar sehr traditionelle Männer wollen die wenigsten die Frauen wieder auf die alten Gleise zurücksetzen. Sie akzeptieren die Erwerbstätigkeit ihrer Partnerinnen stärker als vorher, mehr Männer als noch vor zwei Jahren würden Elternzeit nehmen. Das sind ermutigende Anfänge, es muss aber noch mehr geschehen. Doch es liegt nicht an der Bockigkeit der Männer. Sie wissen einfach noch nicht genau, wohin. Anders als die Frauen, die schon lange an sich arbeiten, fangen die Männer erst damit an.













