Serie BRIGITTE-Studie im Jahr der Krise

BRIGITTE-Studie 2009: "Diese Frauen machen keinen Rückzieher"

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BRIGITTE: 2007 waren Frauen in hohem Maß bereit, Verantwortung zu übernehmen, mit der Macht taten sie sich schwerer.

Prof. Jutta Allmendinger: Die Verantwortungsbereitschaft ist gestiegen. Das gilt übrigens auf einem deutlich niedrigeren Niveau auch für Macht. Hier haben wir den Frauen ebenfalls ihre Antworten aus der ersten Befragung vorgelegt, insofern sind die Ergebnisse belastbar.

BRIGITTE: Was verstehen diese Frauen unter Macht und was unter Verantwortung?

Prof. Jutta Allmendinger: Verantwortung ist für Frauen ein teilbares Gut, und daher finden sie es auch notwendig, dass so viele wie möglich in der Gesellschaft Verantwortung tragen. Macht hingegen ist etwas Unteilbares. Wenn ich Macht habe, hat der andere keine oder weniger. Man hat Macht auf Kosten anderer. Das ist nichts, was Frauen anstreben.

BRIGITTE: Wenn so viele Frauen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: Streben sie auch endlich in Führungspositionen?

Frauen schrecken nicht davor zurück, an erste Stelle zu stehen.

Prof. Jutta Allmendinger: Ja, 78 Prozent der Frauen sagen, dass sie gern Verantwortung tragen, fast ebenso viele können sich nach eigener Einschätzung gut durchsetzen. Wir wollten wissen, ob dies auch heißt, dass Frauen die Führung übernehmen möchten. Darum haben wir ihnen ein Bild mit einer Handballmannschaft vorgelegt und gefragt: "Wo sehen Sie sich? Sind Sie die erste Angreiferin, die im Moment den Ball ins Tor wirft? Sind Sie die Zuspielerin, die das Tor vorbereitet hat? Stehen Sie eher abseits, sind Sie Verteidigerin oder Torhüterin?" 65 Prozent der Frauen haben sich auf den zwei aktivsten Positionen, nämlich als Torschützin oder Zuspielerin, eingeordnet. Das zeigt noch mal deutlich, dass Frauen in keiner Weise davor zurückschrecken, an erster Stelle zu stehen. Auf offene Fragen haben sie geantwortet: "Ich bin einfach wichtig für mein Team, ich bin diejenige, die hier Entscheidungen fällt." Wir sehen sehr klar die Fähigkeit, den Willen und auch die Freude, aktiv Entscheidungen zu treffen. Die Überzeugung "Ich kann was und komme weiter" hat sich solide bestätigt.

BRIGITTE: Und warum gibt es so wenige Chefinnen an der Spitze von Unternehmen?

Prof. Jutta Allmendinger: Sie haben mehr Angst vor Misserfolg als Männer. Sie geben an, schneller nervös zu werden, sich aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Und sie zweifeln häufiger als Männer, ob sie denn für eine Spitzenposition wirklich gut genug sind. Das ist für mich alles erst mal nicht erstaunlich, wenn ich mich in diese Frauen hineinversetze. Das ergibt sich aus einem immer noch sehr geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen. Es fehlen die Vorbilder.

Unternehmen klagen immer wieder, sie würden keine Frau für Führungspositionen finden. Was läuft da falsch? Es ist nicht damit getan, eine Führungsposition anzubieten. Wir brauchen auch mehr Transparenz, was auf Chefposten erwartet wird, und sollten uns von vielen Mythen verabschieden. Wenn Unternehmen wirklich Frauen ermutigen wollen, sollten sie über neue Modelle nachdenken. Und wenn die Unternehmen endlich ihre Hausaufgaben machen, dann werden die Frauen springen? Dass wir nach der Krise besser dastehen sollen als vor der Krise, halte ich für Gerede. Aber wir sollten anders dastehen und die Krise dazu nutzen, überholte Führungsstrukturen und Arbeitsprozesse zu überdenken. Die Zeiten sind günstig für Frauen. Sie wollen springen. Ich hoffe, dass sie das auch tun werden.

Zur Person: Prof. Jutta Allmendinger

Prof. Jutta Allmendinger, Ph. D., 52, ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Berliner Humboldt-Universität. Sie promovierte 1989 an der Harvard University, habilitierte sich 1993 an der FU Berlin und war bis 2007 Professorin für Soziologie in München. Von 2003 bis 2007 leitete Jutta Allmendinger das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Sie ist u. a. Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats und der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung.

Die repräsentative BRIGITTE-Studie "Frauen auf dem Sprung" zeichnete das Bild einer selbstbewussten und anspruchsvollen Generation junger Frauen (Erhebungszeitraum Herbst 2007). Ob und wie sich die Einstellung dieser jungen Frauen im Krisenjahr verändert hat - das untersucht die neue BRIGITTE-Studie "Frauen auf dem Sprung. Das Update" (Erhebungszeitraum Frühjahr 2009)
Hier können Sie beide Studien mit allen Daten downloaden

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  • Artikel vom 07.09.2009
  • Interview: Claudia Kirsch
    Foto:
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 20/09
Letzte Kommentare
  • Martha
    am 12.09.09 um 20:04
    Mich macht ihre Studie einwenig stutzig.Eine Frau,die gerade ein Baby bekommen hat,denkt nicht zuerst an ihren Beruf.Da liegt ein kleines Wesen vor dir von dem ich mich trennen soll um ja nicht den Werdegang meines Berufes zu stören? Die Hormone werden mir was anderes lehren? Kein Lebewesen auf der ganzen welt würde sich von ihrem Baby nach der Geburt trennen,auch keine Frau.Sonst ist bei ihr was nicht in Ordnung! Die Frauen die ihnen ein solches Ergebnis geben,sagen das was sie glauben hören zu wollen.Man hat es ihnen so eingeredet.Aberzogen weil die Gesellschaft es so gut findet.Zu solchem sind nur wir Menschen in der Lage mit unseren verdrehten Werten.Jedes Kind will zuerst mal seine Mutter.Hätte die Natur den Vater vorgesehen, hätte sie ihm eine Brust wachsen lassen.Die Hormonausschüttung nach der Geburt hilft der Frau ihr Kind anzunehmen.Viele Frauen haben keine Kinder mehr,reden aber als wüßten sie Bescheid.Wer einmal ein Kind bekommen hat wir mir Recht geben.Alles änder
 
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