Afghanistan: Mein Mann, der Soldat

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Drei Monate nach der Heimkehr

"Mir geht es gut", sagt Anna Peklo. Sie sitzt wieder auf der Eckbank in der Küche. "Thomas hat es gut verkraftet. Alles ist so wie vor dem Einsatz."

Thomas Peklo war schon einige Tage zu Hause, als er von der einen Dienstfahrt erzählte, die ihm immer noch im Kopf herumspukt und die er am Telefon verschwiegen hatte. Mit zwei Fahrzeugen hatten sie das Lager verlassen, fuhren leicht versetzt im Konvoi. Zivile Fahrzeuge müssen einen Sicherheitsabstand zu den Fahrzeugen der ISAF-Truppe einhalten. Wer zu nah kommt, wird lautstark gewarnt, mit Hupen, mit einem Warnschuss in die Luft. Wer auch dann die Fahrt nicht verlangsamt, auf dessen Auto wird geschossen. Thomas Peklo hat an diesem Tag auf die Motorhaube des entgegenkommenden Autos gezielt, abgedrückt. Das Auto blieb stehen. Kein Attentäter saß am Steuer, sondern ein Mann, der es zu eilig hatte. Wenige Wochen nach dem Abend auf der Terrasse berichteten die Medien von einem ähnlichen Zwischenfall in Afghanistan. Er endete damit, dass Bundeswehrsoldaten drei Afghanen töteten, eine Frau und zwei Kinder.

In einer halben Stunde kommt Anton aus der Schule, in einer Marie, Nudeln mit Tomatensoße gibt es dann. Mit dem Sohn, sagt Anna Peklo, sei alles in Ordnung. Die Tochter ist es, die Probleme macht, immer noch. Anfangs wollte Marie sich nicht vom Vater trennen, ist mit dem Rad mit ins Nachbardorf gefahren, wenn er bei Bekannten vorbeischaute, selbst beim Tennistraining sollte der Vater dabei sein. Und doch wurde Maries Kopfweh nicht besser, immer wieder musste Anna Peklo sie vor Unterrichtsschluss aus der Schule holen. "Und sie konnte nicht schlafen. Erst hat sie ewig wach gelegen, ist später in der Nacht aufgewacht. Dann stand sie bei uns im Schlafzimmer, völlig fertig. Wenn es ganz schlimm war, habe ich im Kinderzimmer geschlafen und sie im Ehebett."

Anna Peklo ging mit Marie zum Arzt. Er hat nichts gefunden. Erst im Familienurlaub hörten die Kopfschmerzen auf, auch schlafen konnte Marie endlich wieder. "Der Einsatz ist Vergangenheit", sagt Anna Peklo. Hat sie Angst, dass Thomas nochmals gehen muss, ein zweites Mal nach Afghanistan oder ans Horn von Afrika vielleicht? "Die nächsten paar Jahre wird Ruhe sein, das hat Thomas mir versprochen. Aber dann - es kann natürlich immer wieder sein."

Thomas Peklo ist jetzt 40 Jahre alt und Stabsfeldwebel. Mit 57 Jahren gehen Stabsfeldwebel in den Ruhestand.

Info: Deutsche Soldaten im Ausland

Weltweit beteiligt sich Deutschland zur Zeit mit rund 7500 Soldaten an Einsätzen, 76 deutsche Soldaten wurden seit 1993 dabei getötet. In Afghanistan ist die ISAF, eine militärische Nato-Truppe, im Einsatz. 3500 deutsche Soldaten sind stationiert, 30 kamen ums Leben. Gegen Piraten sollen bis zu 1400 deutsche Soldaten am Horn von Afrika kämpfen. Die EU-Mission schützt den internationalen Seeweg.

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  • Text und Interview: Madlen Ottenschläger
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 03/09
Letzte Kommentare
  • petitecocotte
    am 25.04.10 um 23:47
    Ich schließe mich Keinmarzipans Meinung an.

    Nur jemand der sonst keine Sorgen hat (möge es so bleiben!) kann derart naive und taktlose Kommentare abgeben.

    Als mein Mann in Bosnien im Einsatz war (3x), in der richtig heissen Phase, sagte mir auch eine Dame: Hat er doch so gewollt, ist doch Berufssoldat!
    Ich hätte diese dumme Pute auch fragen sollen; ach ja, und soll ich das dann meinen 3 Kindern sagen, wenn er erschossen wurde, weil er sich selbst ja nicht verteidigen darf?!

    Es bringt uns nichts, wir müssen durchhalten, für die Kinder, für die Familie, für uns, es muss irgendwie gehen. Ängste habe ich immer wo weit wie möglich verdrängt und gewähre ihnen selbst nur dann, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt sehr geringen Spielraum. Ich würde sonst durchdrehen.
    Mädels, haltet durch und unterstützt euch gegenseitig!

  • keinmarzipan1601
    am 31.08.09 um 18:13
    Ich denke, dass der vorherige Kommentar vollkommen unangebracht ist und von jemandem geschrieben wurde, der leider keine Ahnung von der Thematik hat. Der Artikel schildert endlich einmal sehr gut die Situation der Frau, die um ihren Mann bangt. Da ich selbst bald in so eine Situation komme, bin ich dankbar für die Tipps im Umgang mit dem Thema Auslandseinsatz, auch auf der zwischenmenschlichen Ebene.
    Ich wünsche dem/der vorherigen Kommentator/In die selbe Situation, damit dadurch vielleicht weniger sinnfreie,kindlich-naive und unqualifizierte Kommentare geschrieben werden.
  • voxpopuli
    am 02.03.09 um 09:04
    Was soll denn diese seitenlange story, wo doch der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan mit einem einzigen Satz beschrieben hätte werden können: "Desertiert in Massen, bevor sie euch in einer Holzkiste nach hause fliegen lassen."
 
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