Afghanistan: Mein Mann, der Soldat

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BRIGITTE: Die Bundeswehr macht seit 1993 Auslandseinsätze, seitdem gab es 30 Tote. Die Wahrscheinlichkeit, gesund wieder zu kommen, ist also sehr hoch.

Dr. Peter Wendl: Ja, und viele Paare verfahren nach dem Motto: Augen zu und durch. Es müsste ja alles klappen, also sprechen wir nicht darüber, reden wir es nur nicht herbei. Dagegen sprechen aber drei Dinge: Wir kön-nen heute sagen, dass die Paare, die sich durch den Einsatz auch bereichert fühlen, davor und danach offen über Ängste und Tabus gesprochen haben. Zum zweiten vergehen Ängste ja nicht, bloß, weil man sie nicht ausspricht. Die Frauen sitzen nicht zu Hause und denken: Die Chance, dass etwas passiert, ist gering, also bin ich ganz ruhig. Die sitzen daheim und haben schlagartig Angst wenn bei-spielsweise in den Nachrichten das Wort Afghanistan fällt. Außerdem: Der nächste Einsatz kommt. Für sehr viele. Sobald der Partner sagt: Ich muss wieder los, sind die Ängste, die nicht bearbeitet wurden, hellwach. Drittens weiß ich aus meiner Arbeit, dass Menschen sehr viel besser mit dem Ernstfall, also im Extremfall sogar dem Tod, des Partners umgehen können, wenn sie darüber zuvor gesprochen haben. Wenn eine Frau weiß: Mein Partner wollte, dass ich weiterlebe, dass ich vielleicht auch irgendwann wieder einen Partner habe, fällt ihr das Verarbeiten leichter.

BRIGITTE: Zum Glück kommen die wenigsten Paare in diese Situation. Was ist mit Paaren, bei denen alles gut geht?

Dr. Peter Wendl: Ob es gut geht, weiß im Vorfeld niemand. Und was heißt "gut gehen"? Wir wissen aus der Fernbe-ziehungsforschung, dass sich Menschen durch eine zeitweise Trennung verändern. Konkret: Es wird nicht der zurück kommen, der gegangen ist. Und daheim wird nicht die warten, die er zurück gelassen hat. Wenn man das den Paaren sagt, dass das normal ist, können sie später leichter mit Gefühlen der ersten Fremdheit umgehen. Und wir können ihnen Anregungen geben, wie sie die Zeit des Einsatzes besser bewältigen können.

BRIGITTE: Zum Beispiel?

Dr. Peter Wendl: Das Paar sollte sich fragen: Wel-che Probleme können auf uns zu kommen? Und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. An wen wende ich mich beispielsweise, wenn es Schwierigkeiten mit Versicherungen gibt? Sollen wir für die Zeit des Einsatzes jeden Mittwoch einen Babysitter engagieren? Den Franz bitten, den Rasen zu mähen? Das klingt banal, im Alltag aber sind das Belastungen, die die Frau allein zu tragen hat, die sie mitunter überfordern und auch Wut auf den Partner oder die Bundeswehr entstehen lassen können. Das wichtigste aber ist, sich auch während des Einsatzes nicht zu verschonen. Ich muss meinen Partner an meinem Alltag beteiligen. Da gilt der Fernbe-ziehungssatz: Wie soll ich wissen, wer am Freitagabend nach Hause kommt, wenn ich nicht weiß, wie es ihr oder ihm unter der Woche ergangen ist? Übertragen auf einen Auslandseinsatz heißt das: Beide sollten erzählen, was sie bedrückt: Die fehlende Privatsphäre im Lager, die Sehnsucht nach körperlicher Nähe, der Ärger mit der Chefin, die Probleme der Kinder in der Schule.

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  • Text und Interview: Madlen Ottenschläger
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 03/09
Letzte Kommentare
  • petitecocotte
    am 25.04.10 um 23:47
    Ich schließe mich Keinmarzipans Meinung an.

    Nur jemand der sonst keine Sorgen hat (möge es so bleiben!) kann derart naive und taktlose Kommentare abgeben.

    Als mein Mann in Bosnien im Einsatz war (3x), in der richtig heissen Phase, sagte mir auch eine Dame: Hat er doch so gewollt, ist doch Berufssoldat!
    Ich hätte diese dumme Pute auch fragen sollen; ach ja, und soll ich das dann meinen 3 Kindern sagen, wenn er erschossen wurde, weil er sich selbst ja nicht verteidigen darf?!

    Es bringt uns nichts, wir müssen durchhalten, für die Kinder, für die Familie, für uns, es muss irgendwie gehen. Ängste habe ich immer wo weit wie möglich verdrängt und gewähre ihnen selbst nur dann, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt sehr geringen Spielraum. Ich würde sonst durchdrehen.
    Mädels, haltet durch und unterstützt euch gegenseitig!

  • keinmarzipan1601
    am 31.08.09 um 18:13
    Ich denke, dass der vorherige Kommentar vollkommen unangebracht ist und von jemandem geschrieben wurde, der leider keine Ahnung von der Thematik hat. Der Artikel schildert endlich einmal sehr gut die Situation der Frau, die um ihren Mann bangt. Da ich selbst bald in so eine Situation komme, bin ich dankbar für die Tipps im Umgang mit dem Thema Auslandseinsatz, auch auf der zwischenmenschlichen Ebene.
    Ich wünsche dem/der vorherigen Kommentator/In die selbe Situation, damit dadurch vielleicht weniger sinnfreie,kindlich-naive und unqualifizierte Kommentare geschrieben werden.
  • voxpopuli
    am 02.03.09 um 09:04
    Was soll denn diese seitenlange story, wo doch der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan mit einem einzigen Satz beschrieben hätte werden können: "Desertiert in Massen, bevor sie euch in einer Holzkiste nach hause fliegen lassen."
 
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