Afghanistan: Mein Mann, der Soldat

BRIGITTE: Mein Partner sitzt in Afghanistan und ich soll ihn mit den Schul-problemen der Kinder belasten?

Dr. Peter Wendl: Auch während der Trennung ist man ein Paar und kein allein erziehender Single. Für die Frau ist es enorm wichtig, zu wissen, dass sie nicht alles alleine tragen muss. Und für den Mann kann es eine Bestätigung sein, wenn er gefragt wird. Das zeigt: Ich werde gebraucht, auch wenn ich gerade nicht da bin. Manchmal wird er sa-gen: Ich kann dir da leider nicht helfen, das musst du jetzt alleine stemmen. Aber auch in so einem Fall kann er seine Partnerin bestärken, ihr sagen: Ich finde es gut, wie du es machst! Wenn sich beide auch in der Zeit der Trennung als Team betrachten, schonungslos, wird die Zeit nach der Rückkehr sehr viel leichter sein.

BRIGITTE: Welche Probleme kommen nach der Rückkehr auf ein Soldatenpaar zu?

Dr. Peter Wendl: Der Klassikersatz, den jede Soldatenfrau kennt, lautet: Das kann man nicht erklären, das muss man erlebt haben. Die Soldaten brau-chen nach der Rückkehr erst einmal Zeit für sich. Sie müssen sich klar werden: Was habe ich erlebt? Und wie geht es mir damit? Zum Glück werden die wenigsten verwundet oder traumatisiert - in so einem Ernstfall helfen psychologische Einrichtungen der Bundeswehr. Wenn nichts passiert ist, ist es legitim, wenn sich die Erfahrungen erst setzen. Dann aber sollte die Aufarbeitung beginnen. Was ist gut gelaufen? Was schlecht? Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Welche mein Partner? Hat uns die Trennung gut getan, was war schwierig? Was können wir davon für unsere Beziehung mitnehmen? Wer so verfährt, wird die Trennung nicht nur als Belas-tung empfinden sondern sogar als Stärkung für die Partnerschaft erleben.

Dr. Peter Wendl, 38, ist Diplom-Theologe und Familientherapeut. Er leitet das Projekt "Mobilität und Partnerschaft" am Familieninstitut (ZFG) der Universität Eichstätt-Ingolstadt und bietet in Kooperation mit der Katholischen Militärseelsorge Vorbereitungsseminare für Soldaten und ihre Partner an.

Buchtipp: Als Soldat in Afghanistan

Afghanistan: Mein Mann, der Soldat

Es sind Randnotizen, die das Buch füllen, aufgezeichnet von Uwe D., Berufssoldat der Bundeswehr. Insgesamt viermal hat Uwe D. im Ausland gedient, dreimal war er im Einsatz in Afghanistan. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen, privaten Fotos, Zeitungsartikeln und Texten der Bundeswehr ist (in Zusammenarbeit mit der Grafikdesignerin Simone Uetz) ein Buch entstanden, wie es persönlicher nicht sein könnte: Als Berufssoldat in Afghanistan, als Mensch in der Heimat - Ein Tagebuch zweiter Welten. "Nun steht man da und blickt in Kinderaugen, in denen sich die Angst widerspiegelt. Umschreiben. Verharmlosende Worte finden" schreibt Uwe D. beispielsweise über den Augenblick, in dem er seinem zehnjährigen Sohn sagt, dass er wieder fortgehen wird von zu Hause. Er schreibt über geplatzte Träume, Zweifel, Ängste. Und über schöne Momente, Wiedersehensfreude, den Sinn des Berufs. Das ist manchmal fremd, aber immer anrührend und nah.

Uwe D. und Simone Uetz: "Als Berufssoldat in Afghanistan, als Mensch in der Heimat - Ein Tagebuch zweiter Welten", Independent Verlag 2008, 128 S., 24,80 Euro (zu bestellen im Netz auf www.independent-verlag.de oder unter der Nummer 075 62/ 91 46 29)

  • Text und Interview: Madlen Ottenschläger
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 03/09
  • Artikel vom 16. Januar 2009
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