Frauen in den Streitkräften

Seit Januar 2001 stehen deutschen Staatsbürgerinnen alle Laufbahnen bei der Bundeswehr offen. Die Hintergründe und die Situation im Ausland.

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Das Urteil

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am 11. Januar 2000, dass der Ausschluss vom Dienst an der Waffe gegen das Gleichstellungsgebot der EU verstößt. Damit haben die Richter der 22-jährigen Elektronikerin Tanja Kreil Recht gegeben, die geklagt hatte, weil ihre Bewerbung als Waffenelektronikerin bei der Bundeswehr auf Grund ihres Geschlechts abgelehnt worden war. Das Grundgesetz, das bis dato festgeschrieben hatte, dass Frauen "auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten dürfen", wurde am 22. Oktober 2000 entsprechend geändert. Der Paragraph 12a lautet seither wie folgt: "Frauen dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden." Tanja Kreil selbst hat von der Grundgesetzänderung niemals Gebrauch gemacht.

Kritiker argumentieren, dass es dem Gleichheitsgrundsatz widerspräche, dass Frauen nicht auch der Wehrpflicht unterliegen. Deshalb klagte jetzt ein Abiturient aus Göppingen beim Stuttgarter Verwaltungsgericht gegen die Ungleichbehandlung. Die Akte wurde an den Europäischen Gerichtshof übergeben, das Urteil wird nicht vor 2003 erwartet. Wahrscheinlicher als die Einführung einer Wehrpflicht für Frauen ist aber deren gänzliche Abschaffung. Das gängige Argument gegen weibliche Wehrpflicht ist, dass Frauen in unserer Gesellschaft den Großteil der "Reproduktionsarbeit" leisten.

Resonanz

Bereits seit 1975 durften Frauen im Sanitäts- oder Militärmusikdienst - also als "Nichtkombattanten" - und in zivilen Funktionen tätig sein. Seit Beginn dieses Jahres haben Frauen die Möglichkeit, sich für alle Laufbahnen und Tätigkeiten als Zeitsoldatinnen zu bewerben. Im Januar 2001 traten 244 Frauen den Dienst an, davon 151 beim Heer, 76 bei der Luftwaffe und 17 bei der Marine. Im März begannen nochmals 152 Frauen beim Heer, 41 bei der Luftwaffe und 9 bei der Marine. Bei der Marine starteten am 1. April weitere 56 Frauen eine militärische Laufbahn. In der Marineversorgungsschule (MVS) in List auf Sylt haben sich die meisten Frauen im Sanitätsdienst, als Schiffsköchinnen und im Stabsdienst (Verwaltung) beworben.

Vorbereitung

Die Ausbilder in den Kasernen wurden intensiv auf die Integration der Frauen in die Bundeswehr vorbereitet. Offiziere und Unteroffiziersanwärter wurden auf mehrtägige Lehrgänge geschickt und in punkto "Frauen in den Streitkräften" geschult. Diese bildeten dann intern die übrigen Vorgesetzten aus. Auch sind Pin-Ups in den Kasernen nicht mehr erlaubt. Trotz aller Sensibilisierung soll Ende März ein Obergefreiter in München eine 17jährige Bewerberin beim mehrtägigen Eignungstest vergewaltigt haben.

Im Ausland

In fast allen NATO-Staaten stehen Frauen die Streitkräfte offen. Als einer der letzten Staaten zog auch Italien im vergangenen Jahr nach. In den USA ist der Frauenanteil mit 15 Prozent am größten, am wenigsten sind es in Polen und Österreich (weniger als ein Prozent). In den meisten Staaten gibt es aber Einschränkungen, der Zugang zu den Kampftruppen ist Frauen vielerorts verwehrt. Zu den Ländern, die keinerlei Verwendungseinschränkungen für Frauen haben, zählen Norwegen, Spanien, Ungarn und Frankreich. Norwegen brachte die erste U-Boot-Kommandantin hervor. Nur in Israel besteht für Frauen Wehrpflicht, die Soldatinnen sind dort in einem eigenen Frauenkorps zusammengefasst. Übrigens: In der ehemaligen DDR konnten Frauen in der Nationalen Volksarmee (NVA) auf freiwilliger Basis Dienst an der Waffe leisten. Nicht viele machten von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Weiterführende Links

Die Website der Deutschen Friedensgesellschaft wertet die Tagespresse zum Thema aus.

Mehr Infos unter www.bundeswehr.de und bei der Marine.

  • Susanne Arndt
BRIGITTE im ABO