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Clara Rojas, geboren 1964 in Bogotá, Kolumbien, gründete gemeinsam mit Ingrid Betancourt die ökologische Partei Oxígeno Verde. Als Ingrid Betancourt 2002 für das Präsidentenamt in Kolumbien kandidierte, übernahm Rojas die Leitung des Wahlkampfes. Im Februar 2002 reisten die beiden Frauen zu einer Wahlkampfveranstaltung in einem Gebiet, das von der Rebellenorganisation FARC kontrolliert wurde. Sie wurden überfallen und in den Dschungel verschleppt. Während der Gefangenschaft entfremdeten sich die ehemaligen Freundinnen, die letzten Jahre der Gefangeschaft verbrachten sie in getrennten Lagern. Im April 2004 brachte Clara Rojas im Urwald per Kaiserschnitt ihren Sohn Emmanuel zur Welt. Sein Vater ist ein Guerillero. Als Emmanuel 2005 schwer erkrankt, wurde er von seiner Mutter getrennt. Erst nach ihrer Freilassung im Januar 2008 sind die beiden wieder vereint. Über ihre Erfahrungen im Dschungel hat Clara Rojas nun ein Buch geschrieben.
BRIGITTE.de: Clara Rojas, Sie sind seit einem Jahr und drei Monaten wieder in der Freiheit. Wie geht es Ihnen und Ihrem Sohn heute?
Clara Rojas: Es geht mir sehr gut, und ich bin glücklich. Die Rückkehr in die Normalität fiel uns erstaunlich leicht. Wir haben mehrere Etappen durchlebt, die ich mir schon während der Gefangenschaft vorgenommen hatte. Dazu gehörte die Physiotherapie für meinen Sohn, dessen Arm bei der Geburt gebrochen war und falsch wieder zusammengewachsen ist. Das ist gut verlaufen und wir sind jetzt dabei, das Kapitel der Entführung zu schließen und ein neues Leben zu beginnen.
BRIGITTE.de: Sie haben sechs Jahre Ihres Lebens verloren, weil Sie am 22. Februar 2002 entschieden, ihre Freundin Ingrid Betancourt auf eine gefährliche Wahlkampftour zu begleiten. Warum haben Sie sich trotz aller Warnungen für diese Reise entschieden?
Clara Rojas: Wir steckten damals mitten in einer intensiven Wahlkampfphase. Da stand langes Nachdenken gar nicht zur Debatte. Ich habe im Dschungel natürlich immer wieder über diesen Tag nachgedacht, aber es führte zu nichts. Manchmal fällt man Entscheidungen leichtfertig. Wir haben in Kolumbien ein Sprichwort: "Es macht keinen Sinn, über verschüttete Milch zu weinen." Ich bin heute einfach froh, am Leben und frei zu sein.
BRIGITTE.de: Die Rebellen schleppten Sie tief in den Dschungel in ein notdürftiges Lager. Wie erlebten Sie als "Stadtmensch", wie Sie sich selbst bezeichnen, diese Umgebung?
Clara Rojas: Es war sehr schwierig für mich. Ich war geschockt darüber, wie lebensfeindlich meine Umwelt war. Ich liebe die Natur und war als Kind bei den Pfadfindern, was mir ein bisschen half, mich zurechtzufinden. Aber es ist eine Sache, die Natur zu lieben, und eine ganz andere, ihr hilflos ausgesetzt zu sein. Zu der Wildnis mit all ihren Insekten, Schlangen, Spinnen, der Schwüle, der ständigen Dunkelheit im Regenwald, kam dann noch die dauerhafte Angst vor den bewaffneten Guerilleros. Das war sehr zermürbend.
- BRIGITTE.de-Team
- 04.05.09
- 17:32
Liebe VW68,
Sie haben natürlich Recht - Ingrid Betancourt wurde nicht freigelassen, sondern befreit.
Wir haben die Stelle im Interview entsprechend geändert.
Herzliche Grüße
Ihr BRIGITTE.de-Team
- VW68
- 03.05.09
- 11:14
Ingrid Betancourt wurde nicht "freigelassen". Sie wurde in einer spektakulären Geheimaktion des columbianischen Militärs befreit.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
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Clara Rojas, "Ich überlebte für meinen Sohn", Blanvalet, 16,95 Euro

