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Clara Rojas: "Mein Sohn half mir, nicht aufzugeben"
BRIGITTE.de: Dennoch waren Sie anfangs noch hoffnungsvoll. Sie und Ingrid Betancourt versuchten sogar zwei Mal zu fliehen. Danach verschlechterten sich Ihre Verfassung und Ihre Beziehung zunehmend. Lag das am Scheitern der Flucht?
„Nach dem Fluchtversuch fielen wir in ein Schweigen. “
Clara Rojas: Die Situation danach war tatsächlich unerträglich. Zum einen war da die Gewissheit, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen konnten zu fliehen. Zum anderen hatte man uns zur Strafe Ketten angelegt. Das war ein großer Existenzkonflikt für mich. Ich war nicht nur in Gefangenschaft, ich konnte mich auch nicht mehr frei bewegen. Es ging uns beiden sehr schlecht damit, wir waren vollkommen entmutigt. Wir fielen daraufhin in ein Schweigen, uns fehlte einfach die Kraft, miteinander zu sprechen. Und so entfernten wir uns immer mehr voneinander.
BRIGITTE.de: Spielte unbewusst auch die Tatsache eine Rolle, dass Sie Ingrid zuliebe diese fatale Reise unternommen hatten?
Clara Rojas: Nein, es war nicht so, dass wir uns gegenseitig Vorwürfe machten. Ich denke, es war die aussichtslose Lage, die zu dieser Entfremdung führte.
BRIGITTE.de: Auch zu den anderen Geiseln hatten sie wenig Kontakt, fühlten sich oft ausgegrenzt. Woher kam all diese Feindseligkeit?
Clara Rojas: Ich denke, hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen sicher die Haltung von Ingrid Betancourt, deren Feindseligkeit sich auch auf einige Mitgefangenen übertrug. Vor allem aber die ständige Angst. Nicht nur vor den Guerilleros, wir fürchteten uns auch vor einem Befreiungsversuch des Militärs, da solche Einsätze in der Vergangenheit oft tödlich für die Geiseln endeten. Dadurch herrschte eine enorme Anspannung im Lager, es gab viele Streitereien. Meine Schwangerschaft später verstärkte das noch, einige Geiseln warfen mir vor, von den Entführern bevorzugt zu werden. Das alles führte dazu, dass ich mich immer mehr zurückzog und oft einsam war.
BRIGITTE.de: Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie viel Wert darauf legten, Ihren Körper fit zu halten und zu pflegen. Sie lackierten sich sogar die Fingernägel. Half Ihnen das, in Ihrem Gefängnis nicht verrückt zu werden?
Clara Rojas: Ja, so ist es. Um nicht noch mehr in Lethargie und Trauer zu verfallen, habe ich mir eine tägliche Routine angewöhnt. Ich bin immer sehr früh aufgestanden, habe mich gewaschen und mich ein bisschen bewegt. Dann habe ich versucht, meinen Geist agil zu halten. Ich habe viel gemalt, Schach gespielt oder gelesen, wenn das möglich war. Wenn nicht, habe ich mich mit Kopfrechnen beschäftigt. Und ja, auch wenn es unglaublich klingt, in den letzten beiden Jahren bekamen wir Frauen sogar Nagellack und Lidschatten. Das bisschen Kosmetik und die Körperpflege waren mir sehr wichtig, weil es mir dabei half, mein Selbstwertgefühl zu bewahren.
- BRIGITTE.de-Team
- 04.05.09
- 17:32
Liebe VW68,
Sie haben natürlich Recht - Ingrid Betancourt wurde nicht freigelassen, sondern befreit.
Wir haben die Stelle im Interview entsprechend geändert.
Herzliche Grüße
Ihr BRIGITTE.de-Team
- VW68
- 03.05.09
- 11:14
Ingrid Betancourt wurde nicht "freigelassen". Sie wurde in einer spektakulären Geheimaktion des columbianischen Militärs befreit.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
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