Clara Rojas: "Mein Sohn half mir, nicht aufzugeben"

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BRIGITTE.de: Ihre Situation nahm eine dramatische Wendung, als Sie schwanger wurden. Wie reagierten die Guerilleros auf diese Nachricht?

Clara Rojas: Überraschend positiv. Für die Guerilleros ist eine Geburt im Urwald nichts Besonderes, es gehört zu ihrem Leben dazu. Sie verweigerten mir keine Hilfe, und versuchten mich mit ihren beschränkten Möglichkeiten so weit wie möglich zu unterstützen und zu versorgen. Ich nahm diese Hilfe gerne an, denn es war meine einzige Chance zu überleben.

BRIGITTE.de: Die Schwangerschaft gab einigen Anlass zur Spekulation. Angeblich soll ein FARC-Rebell der Vater sein, sogar eine "Liebestragödie" wurde vermutet. Sie selbst haben aber bis heute nicht darüber gesprochen. Was hält Sie davon ab?

Clara Rojas: Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, auf Gerüchte zu reagieren. Diese Geschichte geht nur mich und meinen Sohn etwas an. Und wenn er mich danach fragt, werde ich ihm erzählen, was damals vorgefallen ist.

BRIGITTE.de: Schweigen Sie auch, um den Vater zu schützen? Auf Sex mit Geiseln steht bei Guerilleros angeblich die Todesstrafe.

Clara Rojas: Für mich zählt nur, dass es mir und meinem Sohn gut geht. Andere Gefühle habe ich in dieser Hinsicht nicht.

BRIGITTE.de: Sie und ihr Kind haben nur knapp die Kaiserschnittgeburt überlebt. Wie veränderte das Baby das Leben im Geisellager?

Clara Rojas: Das Baby hat in der Tat einiges verändert. Wir führten alle ein Leben am Rande des Todes, und in dieser Situation galt es, ein Neugeborenes großzuziehen. Das war nicht leicht, aber es hat auch eine unheimliche Lebensdynamik bei uns allen erzeugt. So begannen etwa die entführten Soldaten, die in unserem Lager waren, Sachen für das Baby zu nähen. Viele von ihnen hatten selbst schon Kinder, die sie wegen der Entführung aber kaum kannten. Es hat uns emotional sehr berührt und uns neue Energie gegeben.

BRIGITTE.de: Umso schlimmer muss es für Sie gewesen sein, als man Sie von Ihrem Kind trennte, weil es krank wurde. Wie haben Sie diese drei Jahre durchgestanden?

Clara Rojas: Die Trennung hat eine enorme Leere in mir hinterlassen. Ich hatte keine Ahnung, wie es ihm ging, und er wusste nicht, was aus seiner Mutter geworden war. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich seinetwegen leben muss. Der Gedanke an meinen Sohn half mir, mich nicht aufzugeben und weiter zu machen. Dass wir dann auch tatsächlich unversehrt befreit wurden - das ein Geschenk Gottes, für das ich unendlich dankbar bin.

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  • Interview: Michèle Rothenberg
    Foto: Associated Press
Letzte Kommentare
  • BRIGITTE.de-Team
    am 04.05.09 um 17:32
    Liebe VW68,
    Sie haben natürlich Recht - Ingrid Betancourt wurde nicht freigelassen, sondern befreit.
    Wir haben die Stelle im Interview entsprechend geändert.

    Herzliche Grüße
    Ihr BRIGITTE.de-Team

  • VW68
    am 03.05.09 um 11:14
    Ingrid Betancourt wurde nicht "freigelassen". Sie wurde in einer spektakulären Geheimaktion des columbianischen Militärs befreit.
    Das ist ein wichtiger Unterschied.
 
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