Clara Rojas: "Mein Sohn half mir, nicht aufzugeben"
„Ich bin offen für eine Versöhnung mit Ingrid Betancourt.“
BRIGITTE.de: Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hatte die Freilassung durchgesetzt und inszenierte sie als großes Spektakel, ließ sogar Hollywoodregisseur Oliver Stone anreisen. Fühlten Sie sich nicht benutzt?
Clara Rojas: Nein, das sehe ich nicht so. Der Mann ist Politiker und die Inszenierung gehört zu seinem Job. Ich versuche, nur das Positive zu sehen: dass ich befreit wurde und am Leben bin.
BRIGITTE.de: Ingrid Betancourt wurde kurz nach Ihnen befreit. Wie ist Ihre Beziehung heute, haben Sie sie überhaupt noch mal gesehen?
Clara Rojas: Wir haben uns ein paar Mal gesehen, aber ansonsten habe ich keinen Kontakt zu ihr.
BRIGITTE.de: Haben Sie denn kein Interesse, den Kontakt aufleben zu lassen und sich mit ihr zu versöhnen?
Clara Rojas: Doch, ich für meinen Teil bin offen dafür. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sich zu treffen und mal gemeinsam einen Kaffee zu trinken, dann mache ich das sehr gerne. Ich bin immer dafür, Dinge hinter sich zu lassen und nach vorn zu schauen.
BRIGITTE.de: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Wollen Sie wieder politisch aktiv werden?
Clara Rojas: Meine Pläne für dieses Jahr sind, mich um mein Kind zu kümmern und meine Verpflichtungen beim Verlag zu erfüllen. Außerdem engagiere ich mich im humanitären Bereich, ich möchte etwas für die Menschen tun, die noch in Geiselhaft sind. Weiter plane ich derzeit nicht.
BRIGITTE.de: Sie schreiben, dass Sie sich nicht verändert hätten, "bis auf eine Narbe am Bauch und eine Wunde in der Seele". Sind Sie tatsächlich noch dieselbe Clara wie vor der Entführung?
Clara Rojas: Ich denke schon, dass ich dieselbe bin. Natürlich macht der Schmerz etwas mit einem, ich bin zum Beispiel sensibler geworden. Aber ich versuche zurzeit alles, was mit der Entführung zu tun hat, hinter mir zu lassen. Ich beschäftige mich sehr mit dem Thema Vergebung. Das hilft mir, die Last des Schmerzes abzulegen.
BRIGITTE.de: Sind Sie denn wirklich schon so weit, Ihren Entführern zu vergeben?
Clara Rojas: Ja, ich fühle, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Haltung, die ich eingenommen habe, hilft mir, Ruhe zu finden. Und sie hilft mir dabei, mich für andere Entführungsopfer einzusetzen und so zur Versöhnung meines Landes beizutragen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Gewalt eines Tages ein Ende hat.













Sie haben natürlich Recht - Ingrid Betancourt wurde nicht freigelassen, sondern befreit.
Wir haben die Stelle im Interview entsprechend geändert.
Herzliche Grüße
Ihr BRIGITTE.de-Team
Das ist ein wichtiger Unterschied.