Die Spur des Vaters

Er war unberechenbar. Sagt die Älteste. Er war perfekt. Sagt die Mittlere. Er war liebevoll. Sagt die Jüngste. Hier erzählen drei Schwestern, welche Spuren ihr Vater bei ihnen hinterlassen hat. Protokolle einer ganz normalen Familie.

  •  
  •  
In diesem Artikel:

Karin Kopetzky, 37, Ägyptologin

Mein Vater war nie die absolute Kuschel- und Herzpartie, aber ich weiß bis heute, dass ich jederzeit zu ihm kommen kann, wenn es ein Problem gibt. Dennoch war und ist für mich mehr meine Mutter die Ansprechpartnerin. Bei ihr wusste ich immer mehr, woran ich bin, mein Vater ist unberechenbarer. Er ist gutmütig und tolerant, aber wenn die Grenze überschritten ist, gibt es kein Wenn und Aber. Ich habe mich irgendwann in der Pubertät ziemlich ausgeklinkt aus dem ganzen Familienkram. Und auch jetzt bin ich beruflich viel unterwegs und führe mein eigenes Leben.

Meine Eltern versuchen schon, mir da reinzureden. Weil ich allein bin, fühlen sie sich verantwortlicher, aber eigentlich geht das beide nichts an. Ich hatte bis jetzt noch keinen Freund, den ich meinen Eltern vorgestellt hätte. Das müsste schon 100-prozentig passen. Ich suche jemand, der verlässlich ist und zu mir hält - wenn er dann noch den Humor meines Vaters hätte, wäre es perfekt. Aber meine Eltern haben eine sehr harmonische Beziehung, da liegt die Latte hoch.

Ich denke, ich hätte bestimmt ein engeres Verhältnis zu meinem Vater, wenn ich mehr von ihm wüsste, z.B. was seine Kindheit und Jugend angeht. Ich habe mal versucht, mit ihm drüber zu reden, aber da kommt nicht viel.

Nikola Stiglitz, 35, Lehrerin

Mein Vater ist ein offener Mensch, der keine Vorurteile hat. Das mag ich an ihm und habe es auch übernommen. In meinen Augen ist er der perfekte Vater, und ich habe einen Partner gesucht, der so ist wie er. Als ich meinen Mann Werner kennen lernte, wusste ich: Der ist es. Er hat sehr viel von meinem Vater, ist ruhig, ausgeglichen, geduldig, verlässlich und gibt mir Sicherheit. Früher war ich sehr schüchtern, aber mein Vater hat mir immer wieder vermittelt: "Du kannst das!", auch wenn ich zweifelte. Dafür bin ich ihm dankbar. Er hat uns gedrängt, ins Ausland zu gehen oder bei Ausstellungen Führungen zu leiten. Ich habe dadurch sehr an Selbstsicherheit gewonnen, auch wenn ich den Eindruck habe, dass ich immer noch die Unsicherste von uns bin.

Etwas schwierig wurde unser Verhältnis im Studium, weil er immer alles ganz genau wissen wollte. Das hat manchmal genervt. Er hat uns sehr behütet, das würde ich vielleicht bei meinen Kindern anders machen. Und die Beziehung meiner Eltern war für uns auch immer ein Tabuthema - da sind wir heute offener.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  • Protokolle: Nikola Haaks

BRIGITTE im ABO

Brigitte-Netzwerk
BRIGITTE-woman.de
Bfriends.de
Bym.de