Vor ihm hatten alle Angst, selbst die Streber. Unser Englischlehrer in der achten Klasse war ein Zyniker und Choleriker. Stellte er eine Frage, schauten alle nach unten. Bloß nicht auffallen, bloß nicht drankommen! Wer aufgerufen wurde, musste mit allem rechnen: mit Wutausbrüchen und Beleidigungen. An schlechten Tagen schmiss er mit seinem Schlüssel. Hätte er bloß einen anderen Beruf gewählt, habe ich mir oft gewünscht - ihm und uns wäre einiges erspart geblieben.
Manche Lehrer taugen einfach nicht für den Schulalltag. Das zeigt sich schon in der Ausbildung. Über die Hälfte der Lehramtsstudenten bringt nur geringe Motivation für Studium und Beruf mit, hat eine Studie der Universität Potsdam ergeben. Sie entscheiden sich für ein Fach wie Mathematik oder Geschichte und weniger für den pädagogischen Beruf. Einem Drittel der Studenten, so die Studie, fehlen außerdem wichtige Voraussetzungen für den Job: Selbstvertrauen, Stressresistenz, Überzeugungskraft. Später, vor der Klasse, sind sie meist aufgeschmissen. Sie überfordern sich und frustrieren ihre Schüler. Die Schule wird zur Qual - für alle Beteiligten.
Immerhin gibt es erste Ansätze, im Vorfeld etwas dagegen zu tun. So startet zum Wintersemester an der Hamburger Universität ein Modellprojekt: Schon Studienanfänger sollen prüfen, ob sie wirklich Lehrer werden können und wollen. Der Test "Fit für den Lehrerberuf?!" ist freiwillig. Anhand von 21 Fragen sollen die Studenten sich selbst einschätzen - und zusätzlich von einer Freundin oder einem Freund beurteilen lassen. Aussagen wie "Jüngere nerven mich schnell" oder "Bei großem Druck gerate ich leicht in Panik" sind zwar durchschaubar, regen aber zum Nachdenken an. Und genau das ist das Ziel des Tests. Wer sich unsicher fühlt oder schlecht abgeschnitten hat, kann in einer zweiten Runde den Praxistest machen. In einem Assessment- Center stehen die Studienanfänger vor Situationen, die sie in der Schule jeden Tag meistern müssten: mit aufsässigen Schülern reden, der Klasse eine Aufgabe erklären, erboste Eltern beschwichtigen. Danach bekommen sie den Rat: aufhören oder weitermachen.













