Serie Bundestagswahl 2009

Franz Müntefering: "Wir sind das Original"

Seit 43 Jahren arbeitet er für seine Partei. Und in diesen Wochen schlägt er seine wichtigste Schlacht: Franz Müntefering will die SPD retten und zum Sieger bei der Bundestagswahl machen.

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BRIGITTE: Herr Müntefering, die EUWahlen waren für die SPD ein Desaster, auch neuere Umfragen sind niederschmetternd - mit welchem Ergebnis rechnen Sie im September?

Franz Müntefering: Frank-Walter Steinmeier wird Kanzler.

BRIGITTE: Sie sind sich ganz schön sicher.

Franz Müntefering: So ist es. Schwarz-Gelb wird nicht kommen, weil es gute Argumente dagegen gibt. Die wollen den Mindestlohn verhindern, den Kündigungsschutz schleifen. Die wollen Studiengebühren einführen, die Atomkraftwerke länger laufen lassen und bei den Reichen die Steuern senken. Aber 60 bis 70 Prozent der Menschen wollen das nicht. Also wird Schwarz-Gelb nicht gewinnen. Und dann ist das Tor zum Kanzleramt für Frank-Walter Steinmeier offen.

BRIGITTE: Steinmeier wird Kanzler, und Sie werden Familienministerin?

Franz Müntefering: Ich bin Parteivorsitzender und möchte das gern bleiben. Im November auf unserem Parteitag stelle ich mich wieder zur Wahl.

BRIGITTE: Es war zu lesen, dass Sie der Gegen- spieler zu Frau von der Leyen seien, weil die SPD keine Frau aufzuweisen habe, die es mit ihr aufnehmen könne.

Franz Müntefering: Blühender Unsinn. Wir hatten eine Diskussionsreihe "Das neue Jahrzehnt", und ich habe über die soziale Gesellschaft gesprochen, das heißt über die Erziehung, über Familie, die Alten und die älter werdende Gesellschaft. Interessante Themen. Und daraus haben dann einige Zeitungen ihre Überschriften gemacht. Die halten das wohl für witzig.

BRIGITTE: Steinbrück hat über die Wirtschaft gesprochen, Steinmeier über das Ganze - wieso haben Sie sich die Themen Erziehung und Familie ausgesucht?

Franz Müntefering: Es geht um das Thema soziale Gesellschaft. Das interessiert mich.

BRIGITTE: Nicht vielleicht doch, weil es in der SPD keine Frau gibt, die es mit Ursula von der Leyen aufnehmen kann?

Franz Müntefering: Falsch. Die SPD hat Frauen, die in dieser Thematik erstklassig und aktiv sind. In Rheinland-Pfalz Doris Ahnen und Malu Dreyer; Elke Ferner kümmert sich in der Fraktion um die Gleichstellung; ja, und für die ganze Partei ist es Andrea Nahles, die in Sachen Arbeit und Soziales Profil zeigt. Wir müssen uns nicht verstecken.

BRIGITTE: Für viele ist von der Leyen die beste Familienministerin, die wir je hatten.

Franz Müntefering: Na ja. Weil sie sozialdemokratische Politik gemacht hat? Sie ist, was ihre Politik angeht, anders, als man sich die CDU vorstellt. Daher ja auch die Probleme, die sie mit den Männern in ihrer Partei hat. Sie dürfen nicht vergessen: Das Elterngeld ist eine Idee von Renate Schmidt. Und die SPD hat dafür gesorgt, dass es im Koalitionsvertrag steht. Wir sind das Original.

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  • Interview: Nataly Bleuel/Nicol Ljubic
    Fotos: Jens Passoth, Cinetext
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 17/09
Letzte Kommentare
  • zwicker
    am 13.09.09 um 20:40
    wir sind das original.
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    die spd lässt sich inhaltlich seit der ära schröder in nichts mehr von der union unterscheiden. das bekommt die spd jetzt auch durch einen massiven einbruch an wählerstimmen zu spüren.
    es ist in etwa so, wie als würde münte in eine flasche "coco cola" gefärbtes wasser füllen und dann behaupten, wir sind das original.
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