Gerhard Amendt: "Schafft die Frauenhäuser ab"

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BRIGITTE.de: Sie behaupten, die Sozialpädagoginnen, die meist in den Frauenhäuser angestellt sind, verbreiten eine "unheilvolle Ideologie". Warum sollten sie?

Gerhard Amendt: Das gibt ihnen ein Gefühl moralischer Überlegenheit, narzisstische Hochgefühle.

BRIGITTE.de: Das hieße ja, die Frauen benutzen ihre Arbeit für eine Art Selbstbefriedigung?

Gerhard Amendt: Genau das ist das Problem. Es ist typisch für das Helfersyndrom, dass Menschen Hilfe, die sie selbst in Anspruch nehmen müssten, anderen ziemlich ungefragt überstülpen. Hier zu den Bedingungen, dass der Feind von Frauen der Mann sei. Dabei kümmert es sie herzlich wenig, ob die anderen Frauen das ebenso sehen, geschweige denn, ob das ihnen hilft.

BRIGITTE.de: Die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser wollen also gar nicht wirklich helfen?

Gerhard Amendt: Doch, aber sie haben ein Bild von den Opfern, das sie selbst nicht aufgeben wollen - eine hartnäckige politisierte Variante des Helfersyndroms. Nehmen Sie doch nur die große Zahl der Frauen, die immer wieder zurück ins Frauenhaus kommen. Dass heißt doch, das etwas ganz Entscheidendes nicht stattgefunden hat. Deshalb fordere ich Familienzentren mit kompetenten Mitarbeitern. Dort sollen Männer, Frauen und Kinder, die vor familiärer Gewalt fliehen, sofort die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Es gibt ja schon sehr gute kommunale Beratungsstellen. Aber haben Sie mal versucht, dort einen Termin zu bekommen? Diesen Mangel muss man politisch bekämpfen. Das andere ist, welche Konzeption Familien mit Gewaltkonflikten am besten hilft. Familienberatungsstellen sind mit kompetenten Mitarbeitern besetzt, die Zusatzausbildungen haben. Das ist notwendig, aber die Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern, sind überwiegend nicht dazu qualifiziert. Gerade in den autonomen Frauenhäusern qualifiziert ein politisches Feindbild über Männer mehr als eine gute Ausbildung. So etwas steht guter Arbeit im Wege. Man kann doch nicht einfach nur so daher reden mit Menschen, die mitten in einem großen Konflikt stecken. Deshalb sollten Familienberatungsstellen diese Aufgabe Schritt für Schritt übernehmen.

BRIGITTE.de: Und was machen Sie mit denen, die nicht zu Gesprächen bereit sind? Man kann ja niemanden zwingen, an solchen Treffen teilzunehmen.

Gerhard Amendt: So ist es. Über Beschämendes zu reden fällt Frauen wie Männern und Kindern schwer. Aber die Kunst professioneller Organisationen besteht ja gerade darin, Klienten zum gemeinsamen Gespräch darüber zu befähigen. Denn Schuldgefühle haben alle Schlagenden und dafür suchen sie Entlastung. Das ist bekannt! Und wer sich dem entzieht, der wird vom Gesetz zur Rechenschaft gezogen. Aber man muss allen Familienmitgliedern mit Gewaltproblemen einen ganzheitlichen Weg anbieten. In der schweren Krise muss ihnen ein erfolgsversprechendes Angebote gemacht werden. Denn wer immer schlägt: Frau oder Mann, Mutter oder Vater, es macht alle unglücklich.

BRIGITTE.de: Die Frauenhaus-Koordinierungsstelle hat Ihnen ja nun ein Gespräch mit erfahrenen Mitarbeiterinnen angeboten. Nehmen Sie das an?

Gerhard Amendt: Sicher! Ich bin bereit mit jedem zu reden, der seine Arbeit auf Familienhäuser umstellen möchte. Ich sehe das als große Zukunftsaufgabe für Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Caritas und Kommunen. Solche Gespräche habe ich bereits in den 80er Jahren geführt, als es darum ging, das Konzept des ambulanten Schwangerschaftsabbruchs der Pro Familie Bremen, deren Leiter ich damals war, zu verallgemeinern. Es geht um erfolgreiche Hilfen für Familien mit Gewaltproblemen. Und nur um das!

BRIGITTE.de: Ich denke, Sie sollten das Gespräch auf jeden Fall führen. Aber ich bin nicht sicher, ob das Angebot weiter gilt, wenn Sie sagen, Sie reden mit jedem, der seine Arbeit auf Familienhäuser umstellen will. Gerade das wollen die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser mit Sicherheit nicht. Aus gutem Grund.

Lesen Sie dazu auch:
Die Reaktion der Frauenhäuser auf das Interview:
Katja Geiger vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe kritisiert: "Amendt rechtfertigt Gewalt."

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  • Artikel vom 20.08.2009
  • Interview: Silke Baumgarten
Letzte Kommentare
  • Peter
    am 14.11.11 um 22:09
    Ich stimme Herrn Amendt nicht zu, dass Gewaltsituationen immer in einer Familientherapie zu lösen sind. Manchmal ist es einfach notwendig, jemanden aus einer Bedrohung herauszuholen, um (weiteren) körperlichen Schaden abzuwenden. Womit er allerdings recht hat: das Bild vom Mann als Täter und der Frau als Opfer ist politisch motiviert und falsch. Ich war selbst Opfer von Gewalt einer Partnerin, und natürlich habe ich nicht zurückgeschlagen, sonst wäre ich als Mann ja mit einem Bein im Gefängnis gestanden. Und natürlich habe ich auch nicht Anzeige erstattet und mich von den Beamten auslachen lassen. Keinem Menschen konnte ich mich anvertrauen, weder im privaten, noch im beruflichen Umfeld. Für so ein Weichei hat die Gesellschaft kein Verständnis. Beweis: Sie als Leser, der Sie gerade lachen. Ja, Herr Amendt, das ist die Ideologie des Männerhasses. Ich will keinen einzigen Fall von Gewalt gegen Frauen verharmlosen, aber wir Männer brauchen auch Gerechtigkeit und Hilfe.
  • grandseigneur
    am 30.10.11 um 01:41
    Zum Thema "Mann als Opfer häuslicher Gewalt" (durch Frauen) hatte die Tagesschau vor einigen Wochen einen informativen Beitrag:
    http://www.tagesschau.de/inland/gewalt104.html

    Daß die Statistik scheinbar beweist, es gäbe keine männlichen Opfer von Gewalt, liegt vor allem daran, daß Strafanzeigen von Männern gegen ihre Angreiferinnen gar nicht erst angenommen werden. Frauen sind in unserem Rechtssystem nicht als Täter denkbar (übrigens auch bei Kindesmißhandlungen), sie leben praktisch in einem rechtsfreien Raum.

  • Siv
    am 21.09.11 um 16:12
    Es ist doch schon erstaunlich was alles unter dem Deckmäntelchen der "Wissenschaft" läuft. Es ist doch wohl ein Unterschied ob eine Frau einen Mann "bis aufs Blut"reizt oder ob der Mann die Ehefrau ins Leichenschauhaus prügelt"! Hinter den grotesken Vorschlägen von "Familienhäusern" (soll da der Pädagoge neben dem Ehebett stehen und aufpassen, dass es nicht wieder passiert?) stecken doch ganz andere Interessen, die so ekelhaft wie strafbar sind.
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