Debatte

Frauenquote: Drei Ministerinnen, drei Meinungen

Am 17. Oktober haben die DAX-Unternehmen in Berlin ihr Konzept zum Thema Frauenquote vorgelegt. Für die Regierung bleibt die Quote ein Streitthema. Drei Ministerinnen, drei Meinungen. Plus Abstimmung: Für welches Modell sind Sie?

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Eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote lehnen die großen Konzerne ab, lieber wollen sie mithilfe freiwilliger Selbstverpflichtungen mehr Frauen in ihre Chefetagen bringen. Bis spätestens 2020 soll der Frauenanteil in Führungspositionen insgesamt auf bis zu 35 Prozent wachsen, ließen die Personalvorstände der DAX-Unternehmen auf dem Treffen mit der Bundesregierung am 17. Oktober verlauten.

Dabei hat jedes Unternehmen allerdings seine eigenen Ziele. Einige Konzerne verkündeten feste Quoten zwischen 12 und 35 Prozent in Führungsebenen in unterschiedlichen Zeiträumen, andere sprachen von Zuwachsraten, ein Unternehmen lehnte feste Quotenvorgaben ab. Angaben über Top-Posten in Vorständen und Aufsichtsräten enthält der Katalog der Konzerne nicht.

Die Unternehmen wollen sich jedes Jahr daran messen lassen, was sie tatsächlich erreicht haben. In den kommenden fünf Jahren soll jährlich der Status quo und die Zielsetzung der Konzerne vorgestellt werden.

Kristina Schröder (CDU)

Die Flexi-Quote: Familienministerin Schröder ist gegen eine vorgeschriebene Anzahl von Frauen in Führungspositionen. Sie will eine flexible Quote und arbeitet derzeit an einem Gesetz, das am 1. Juli 2012 in Kraft treten soll. Kernpunkt des Entwurfes: Alle börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen müssen jährlich die Anzahl von Frauen und Männern in Vorstand und Aufsichtsrat veröffentlichen und außerdem erklären, welchen Geschlechteranteil sie bei der nächsten Bestellung der Gremien anstreben. Entspricht die Zusammensetzung eines Vorstands nicht der Selbstverpflichtung, wird seine Bestellung unwirksam. Entspricht das Männer-Frauen-Verhältnis des Aufsichtsrats nicht den Ankündigungen, kann seine Wahl angefochten werden.

Ihren Forderungen will Kristina Schröder mit Geldstrafen Nachdruck verleihen: Für den Fall, dass die Selbstverpflichtung nicht oder falsch abgegeben wird, soll den Unternehmen ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro drohen.

"Die Flexi-Quote, wie ich sie mir für Vorstände und Aufsichtsräte vorstelle, lässt Unternehmen den vollen Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum bei größtmöglicher rechtlicher Verbindlichkeit", sagte Schröder der "Wirtschaftswoche". Die Ministerin erwartet, dass auf der Liste der Selbstverpflichtungen, die ihr die Unternehmen präsentieren, keine einstellige Zahl stehen wird.

Diese Erwartung sieht Kristina Schröder nach dem Treffen am 17. Oktober erfüllt. Sie sprach vom "besten Beweis, dass meine Idee funktioniert". Die Politik müsse dafür sorgen, dass sich die "Unternehmenskultur" ändert, dies könne man aber "nicht von außen vorschreiben". Es habe sich aber bereits viel getan, was an ihrer Initiative liege.

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  • Fotos: Cinetext
Letzte Kommentare
  • Franzi
    am 18.10.11 um 18:28
    Ich fordere die Quote allumfassender:

    Auch bei der Bundeswehr,
    auch beim Afghahistaneinsatz,
    auch bei den liegend Zurückkehrenden!

    Tote in Afghanistan:
    Männer 53
    Frauen 0.

  • Tanies
    am 17.10.11 um 15:38
    Leider wird das Thema der Attribution von Verhalten und der u.a. damit einhergehende Diskriminierung in Gehaltsfragestellungen und der ungleichen Unterstützung von Karriere-Entwicklung erst dann nivelliert, wenn eine genderspezifisch ausgeglichene Führungsebene agiert. Wielange wollen wir noch warten und lächelnd zusehen, wie talentierte Frauen an der gläsernen Decke verhungern? Die Position einer Frau Schröder lässt mich schaudern, wenn ich den Umstand betrachte, dass sich hier ein junge, vermeintlich sehr gut ausgebildete und aufgeklärte Persönlichkeit positioniert. Entschuldigend mag man ihr hier die gänzlich fehlende Erfahrung in der Wirtschaft und Praxis zu Gute halten.
  • Bettina
    am 17.10.11 um 14:28
    Ich habe ein konkretes internationales Beispiel, weswegen wir eine Frauenquote brauchen. Ich arbeite bei einer internationalen Arbeitsgruppe als Ingenieurin, bei der alle leitenden Positionen durch Männer besetzt waren. Die Frauen der Gruppe haben ein gut funktionierendes Netzwerk und auch gute Kontakte zu einigen der Männer der Führungsriege. Nichts desto trotz wurden alle neuen Führungspositionen durch Männer besetzt, weil die Führung darüber entschied. Als die erste Frau in die Führungsetage kam, versuchte sie weitere Frauen zu promoten, scheiterte aber an der Männerüberzahl. Erst als ein Gesetz der Rahmenorganisation vorschrieb, dass die Führungspositionen paritätisch m/w besetzt werden sollten (wenn möglich), hatten auch andere Frauen die Chance gesetzt zu werden. Das Verhältnis m/w innerhalb der Gruppe is zwar leider immer noch nur ca. 9/1, aber es wird besser.
    Das Beispiel zeigt deutlich: Ohne Quote geht es nicht, trotz gutem Frauen-Netzwerk.
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