Nahost: Frauen bloggen aus dem Kriegsgebiet

Es ist Fortsetzung einer unendlichen Tragödie: Seit einer Woche tobt wieder der Krieg im Nahen Osten. Vor allem im Gaza-Streifen wird die Situation für die Zivilbevölkerung immer unerträglicher. Wie erleben Frauen in Gaza und Israel den erneuten Gewaltausbruch? BRIGITTE.de stellt vier Bloggerinnen vor, die ihrer Angst und Wut im Internet Luft machen.

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GAZA: Laila El-Haddad fürchtet um das Leben ihrer Familie

In ihrem Weblog A mother from Gaza schreibt die palästinensische Journalistin Laila El-Haddad über den Palästina-Konflikt, aber auch über die Kultur und die Gesellschaft im Gaza-Streifen. Sie hat zwei Kinder, ihr Mann, ein Arzt mit Flüchtlingsstatus, lebt in den USA.

Eintrag vom 31. Dezember

"Mein Vater hat gerade angerufen. Ich habe inzwischen gelernt, dass der 21-Uhr-Anruf selten heiter ist: In der Regel dient er dazu, mich über furchtbare Dinge aufzuklären, die um ihn herum passieren. Er will, dass die Welt von diesen Dingen erfährt, wie und über wen auch immer. Die Vermittlerin bin in diesem Fall ich.

Ich sehe die Nummer auf dem Display; mein Herz beginnt zu rasen. Ich nehme das Handy ab.

'Wir ... sind unter ... heftigem Beschuss. Heftiger Beschuss', sagt mein Vater in panischen, knappen Worten. 'Sie bombardieren das Rechtsgebäude neben unserem Haus. Die Bomben schlagen direkt unten in unserer Straße ein.'

'Papa... bist du in Sicherheit, seid ihr beide in Sicherheit?' frage ich, etwas anderes fällt mir nicht ein.

'Ich muss jetzt gehen. Ich muss gehen... Ich wollte dir das nur kurz sagen... aber ich muss gehen', stammelt er. Dann ist die Leitung tot.

Wir haben uns ein System ausgedacht. Sobald in Gaza der Strom wieder läuft - was in den letzten zwei Tagen für gerade mal eine Stunde der Fall war - loggen sich meine Eltern sofort bei Skype ein. Wenn ich nicht online bin, rufen sie mich kurz an, um mir Bescheid zu sagen, dass sie wieder am Netz sind. Durch ihren Notstromgenerator haben sie dann für zwei bis drei Stunden Strom. Sie haben dafür extra in den letzten Wochen ihren Benzinvorrat aufgestockt. Danach ist es wieder dunkel.

Als die Bomben um sie herum fielen, haben meine Eltern mir noch eine kurze Nachricht geschickt, um mich zu informieren, ehe sie sich in Sicherheit brachten. Ich weiß immer noch nicht, wo diese 'Sicherheit' ist, und ich glaube, sie wissen es selbst nicht genau. Es ist vermutlich eher ein mentaler Zustand als ein realer Ort. Normalerweise fliehen Menschen in solchen Situationen irgendwohin, wo sie sich sicherer fühlen. In Gaza gibt es kein 'sicher'. Und es gibt keinen Ort, an den man fliehen kann. Die Grenzen sind geschlossen, der Himmel und das Meer werden belagert."

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  • Übersetzung: Michèle Rothenberg
    Foto: Getty Images
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