Allein ins Restaurant? - Nein danke!
Schwieriger scheint es dagegen, überhaupt eine Verabredung zu treffen, wie das Gespräch mit Brigitta (45), zeigt. Die Münchnerin arbeitete bei einer Unternehmensberatung, musste zum Teil mehrmals pro Woche zu Besprechungen nach Frankfurt, Köln, Wien oder Zürich reisen. Als sie vom GDN hörte, meldete sie sich sofort an. Sie war begeistert von der Idee. Doch in der Praxis hat es sich für sie nicht bewährt. Der Grund: "Ich habe meist erst ein paar Tage vorher von meinen Einsätzen erfahren. So kurzfristig war eine Verabredung nicht möglich".
Manchmal sind es auch einfach dumme Zufälle, die ein Treffen kurzfristig platzen lassen. Wie bei Sandra (31), einer Marketingmanagerin aus Hamburg. Eine Frau aus Bielefeld meldete sich bei ihr, die wegen einer Schiffsmaschinenbaumesse ein paar Tage in Hamburg war. Es gab ein paar nette E-Mails und Telefonate zwischen den beiden, der Tisch für das gemeinsame Essen war bereits reserviert, da wurde Sandra krank und musste kurzfristig absagen.
Wenn man über das GDN Kontakte finden will, muss man hartnäckig sein - und selbst aktiv werden. Ich habe in den bisherigen drei Monaten Mitgliedschaft keine Anfrage bekommen, vielen Mitgliedern ging es ähnlich. Noch ist das Netzwerk eben sehr klein.
Das hat aber auch Vorteile: Schreibt man selbst die Mitglieder an, kommt meist eine positive Resonanz, da niemand von Anfragen überhäuft wird. Wie bei Paula (33, Name geändert), die bei Lufthansa-Technik in Hamburg arbeitet und einem Treffen sofort zustimmte. Als ihr Foto in meinem Postfach landet, werde ich skeptisch. Sie wirkt zickig auf dem Bild, oder bilde ich mir das nur ein? Ob das wirklich so eine gute Idee war mit der Verabredung? An besagtem Abend gehe ich missmutig aus dem Büro. Ich habe keine Lust, wegzugehen. Es ist kurz vor 20 Uhr. Ich suche mir einen Platz in dem verabredeten Lokal und bin überzeugt, dass Paula mich entweder versetzen wird oder dass wir sofort anfangen werden zu streiten. Komisch, dabei hatte ich mich eigentlich auf spannende Gespräche mit fremden Menschen gefreut.
GDN-Gründerin Tanja Lindermeier (38).
Für abendliche Treffen dürfte GDN-Gründerin Tanja Lindermeier in der Anfangszeit des Netzwerks nicht viel Zeit gehabt haben. Sie hat neben ihrem Job als Entwicklerin für kosmetische Produkte einen Großteil ihrer Freizeit in das Portal gesteckt. Mittlerweile bekommt sie tatkräftige Unterstützung, unter anderem von einer Webdesignerin und einer Marketing-Expertin. Ihr Team arbeitet größtenteils ohne Bezahlung. Tanja Lindermeier hofft, dass sich das Portal irgendwann selbst finanziert. Die Mitgliedschaft im GDN ist kostenlos, nur Nutzer des Business-Networks, die auch Fotos hochladen und berufliche Infos geben können, zahlen eine monatliche Gebühr von fünf Euro.
Mir gefällt am Global-Dinner-Network die Idee dahinter. Sie hilft, ein konkretes Alltagsproblem zu lösen, nämlich in einer fremden Stadt abends alleine zu sein. Wenn sich dabei berufliche Kontakte oder Freundschaften ergeben, umso besser. Wenn nicht, bleibt ein interessanter, geselliger Abend.
Übrigens auch bei meinen Treffen mit Sabine und Paula. Als ich endlich das Restaurant gefunden habe, in dem ich mit Sabine verabredet war, war ich tropfnass vom Regen - und heilfroh, dass ich in diesem Zustand kein Date mit einem Mann hatte. Mit Sabine konnte ich darüber lachen. Und Paula? Sie hat mich nicht versetzt, war alles andere als zickig und wir haben uns bestens unterhalten.













