Man trägt deutsch

Die Kölner Mode-Designerin Eva Gronbach, 32, entwirft Kleidung mit nationalen Symbolen wie dem Bundesadler und der Deutschland-Flagge. Kann man so für ein neues, positives Deutschland werben?

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Eva Gronbach

Eva Gronbach

Brigitte: Frau Gronbach, in den letzten Monaten hat es ein riesiges Medienecho auf Ihre Entwürfe gegeben. Sind Sie überrascht?

Eva Gronbach: Das lag natürlich in erster Linie an der Patriotismus-Debatte. Man sucht einen neuen Umgang mit dem Thema in Deutschland. Plötzlich wurde ich zusammen mit Leuten wie dem Historiker Arnulf Baring in Talkshows eingeladen. Anscheinend gibt es noch nicht so viele Leute, die so eine klare Aussage haben wie ich.

Brigitte: Das stimmt. Ihre erste Kollektion aus dem Jahr 2000 hieß "Déclaration d'amour à l'Allemagne", also Liebeserklärung an Deutschland, deutlicher geht es nicht. Woher kommt diese starke Vaterlandsliebe?

Eva Gronbach: Das ist mein ganz persönliches Bedürfnis. Ich habe lange im Ausland gearbeitet, unter anderem für Yohij Yamamoto in Paris und für John Galliano in London, die immer wieder auf ihre Kulturen zurückgreifen. Irgendwann wollte ich auch für mich die Frage beantworten, woher ich komme, konnte mich aber nicht etwa auf Geishas berufen oder auf den Union Jack. Ich habe überlegt, was ich mit meiner Heimat verbinde, und kam so auf Dinge wie das Rheinland, Joseph Beuys, der Mauerfall, Bölls "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und natürlich die Fahne in Schwarz-Rot-Gold.

Brigitte: Farben, die die meisten Leute in Deutschland hässlich finden.

Eva Gronbach: Das ist ja das Interessante. Ich habe das auch so empfunden, bei der Deutschland-Flagge denkt man an Fußballstadien, Schrebergärten, Kleinbürgerlichkeit. Heute finde ich die Farben klar und schön. Ich wünsche mir, dass sich der Umgang mit ihnen ändert, so dass man zum Beispiel in einen Club geht und ganz selbstverständlich ein T-Shirt in den Deutschlandfarben trägt.

Brigitte: Sozusagen ein politisches Statement auf der Tanzfläche?

Eva Gronbach: Das vielleicht noch nicht einmal. Ich denke, die Leute haben einfach Lust darauf. Unter meinen ersten Kunden waren viele Ausländer, die gehen mit der deutschen Flagge genauso ungefangen um wie mit der eigenen Fahne. Das hat also nicht unbedingt etwas mit Nationalstolz zu tun. Ich bin von hier weggegangen, weil ich Deutschland langweilig und zu langsam fand. Mittlerweile gibt es meiner Meinung nach aber tatsächlich eine deutsche Avantgarde, es ist nicht ungewöhnlich, dass ein DJ in Paris elektronische Musik aus Köln auflegt. Was ich damit sagen will: Der Jugend geht es gar nicht um Patriotismus, sondern eben einfach nur um Coolness. Das unterscheidet die jetzige Generation von den Älteren. Wir sind viel entspannter.

Brigitte: Ganz so harmlos scheint es aber nicht zu sein. Sie benutzen für Ihre Kleidungsstücke immerhin genau die gleichen Symbole wie zum Beispiel Skinheads.

Eva Gronbach: Damit hat meine Mode nichts zu tun, im Gegenteil: Das Problem ist doch gerade, dass wir diese Symbole Randgruppierungen überlassen. Ich besetze vorhandene Zeichen und gebe ihnen neue Bedeutungen, das ist eine Art moderner Punk. So bekommt das ganze nationale Thema eine Leichtigkeit. Und die Mode ist der ideale Ort dafür, weil sie oberflächlich genug ist und nicht diese Tiefe und den Ernst hat, mit denen wir Deutschen uns sonst das Leben schwer machen. Mode ist eben vergänglich.

Deutschlandfarben

Deutschlandfarben

& Bundesadler

& Bundesadler

Bezugsquelle: z. B. neocita in Köln. Nähere Infos unter www.evagronbach.com

  • Interview: Anne Petersen
BRIGITTE im ABO