Er kann den Blick nicht von mir wenden. Ab und zu fällt ihm das selbst auf, dann schämt er sich ein wenig und schaut hastig weg. Aber nie lange. Er kehrt immer wieder zu mir zurück. Vorbei an der Schulter meiner Begleiterin glotzt er, was das Zeug hält. Freilich, er ist nicht mein Typ. Aber andererseits, wenn einer so offenkundig fasziniert von mir ist, dann spricht das ja irgendwie für ihn. "Ich muss langsam los", sagt die Frau mir gegenüber und greift nach ihrer Tasche. Er guckt erschrocken, als er unseren bevorstehenden Aufbruch bemerkt, und schreibt etwas auf einen Zettel. Meine Güte, ist das lange her, dass mir jemand seine Telefonnummer zugesteckt hat. Wie gesagt, er ist nicht mein Typ, aber was sagt das schon? Aussehen ist ja schließlich nicht alles.
„Das hast du davon, wenn du mit einem Supermodel auf 'nen Drink gehst.“
An der Tür hat mein Bewunderer uns eingeholt. "Kennen wir uns nicht irgendwoher?" - "Ich glaube nicht", höre ich meine Begleiterin sagen, milde, dennoch bestimmt. Sie dreht sich um. Er schaut wie ein gescholtener Cockerspaniel auf ihren Hinterkopf. Dahin, wo er schon den ganzen Abend geschaut hat. Ich hatte nur aus Versehen in der Schusslinie der begehrlichen Blicke gesessen. Er bleibt zurück. Und sie schiebt ab, diese Göttin mit ihren 86 Zentimetern Brustumfang. Ihrer verdammten 60-Zentimeter-Taille. Größe: 1,75. Augen: grün. Tagessatz: nicht unter 10.000 Euro. Ich hinterher. Taille? Ich hatte auch mal 'ne Taille, jetzt hab ich ein Kind.
Das hast du davon, wenn du mit einem Supermodel auf 'nen Drink gehst. Die sieht sogar von hinten noch besser aus als du von vorn. Sie heißt Hartje Andresen, ist 23 und irre schön und ständig auf irgendwelchen schicken Magazinen vorn drauf. Sie hat eine Wohnung in New York und in ihrem Leben nur wenige Cocktails selbst bezahlen müssen. Die Türen, die sie sich selbst aufgemacht hat, kann man an einer Hand abzählen.













