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Als wir die 3500 Quadratmeter große Halle betreten, bin ich überwältigt: So müssen Kinderträume aussehen. Vor uns erstreckt sich ein riesiges Kletterlabyrinth, links gibt es einen künstlichen Teich mit kleinen Tretbooten, rechts schlängelt sich eine meterlange Rutschbahn aus der zweiten Etage herunter, und dazwischen sind zahllose Spielsachen, Roller, Stelzen, Dreiräder und Riesenlegosteine auf dem Boden verstreut. Und überall wuseln Kinder. Lachende, quiekende, schreiende Kinder.
Die Zwillinge im Lego-Rausch
Meine Neffen stürzen sich sofort in das Gewühl. Als ich sie in den Wirren der Kletterburg verschwinden sehe, bin ich heilfroh, dass die Eltern auch dabei sind und so drei Augenpaare auf die drei Rabauken aufpassen können. Doch selbst das scheint kaum genug: Nur mit einen Hechtsprung kann ich verhindern, dass ein etwa Neunjähriger meinem Neffen David, 4, in den Rücken springt. Zum Glück hat David im nächsten Moment die Hüpfburg entdeckt, und wir überlassen das Klettergerüst lieber den Rowdies. Die Zwillinge Vincent und Luis, 2, wackeln derweil zielstrebig auf die Rutschbahn zu. "Nochmal!" krähen sie begeistert, nachdem sie nacheinander bei Mama auf dem Schoß die Bahn heruntergesaust sind. "Nochmal!" - dieses Wort werden wir heute noch oft zu hören bekommen. Auch mein Bruder, 37, hat seinen Spaß: Hochkonzentriert versucht er, auf zwei mit Rollen versehenen Trittbrettern vorwärts zu kommen. Und da sage noch mal einer, Spielplätze seien nur was für Kinder.
Als die Zwillinge nach 30 Minuten schon bedrohlich hektische Flecken im Gesicht haben, legen wir eine Pause im Spielplatz-Café ein. Doch leider ist dieses in keiner Weise vom restlichen Geschehen abgetrennt, so dass sich die Jungs weder von den akustischen noch von den visuellen Reizen erholen können. Unruhig rutschen sie auf ihren Stühlen herum und springen schon nach einer halben Brezel wieder auf. Seufzend eilen wir hinterher. Nun ist die zweite Etage dran.
Was auf den ersten Blick langweilig aussieht, ist für Vincent und Luis der Himmel. In dem großen so genannten Softspielbereich für kleinere Kinder finden sie endlich das, wonach sie offenbar die ganze Zeit gesucht haben: Bälle. Selig versunken sitzen sie in der Ecke und spielen mit zwei bunten Kugeln. Das Leben kann so einfach sein.
David im Tretbootteich
Doch eine Stunde später helfen auch keine Bälle mehr. Die Nerven liegen blank. Vincent rennt wirren Blickes durch die Gegend, David legt sich im Tretbootteich mit älteren Kindern an, und Luis rollt sich wild heulend auf dem Boden, weil Mama mal für zwei Minuten auf die Toilette verschwunden ist. Mir schmerzt ebenfalls vom hohen Lärmpegel der Schädel, und so bin ich froh, als wir den Hallenspielplatz schleunigst verlassen. Während meinen Neffen im Auto erschöpft die Augen zufallen, beschließen wir Erwachsenen, die Zwillinge beim nächsten Mal gleich in die Kleinkinder-Ecke zu lotsen und den Besuch zeitlich zu begrenzen. Auch das Paradies will eben in Maßen genossen werden.
Michèle Rothenberg
Fotos: Rabatzz!/Rothenberg












