Muslim-Refusnik

Nehmt den Koran nicht wörtlich. Wehrt euch gegen das Kopftuch. Lernt zu zweifeln. Die kanadische Muslimin Irshad Manji hat ein mutiges Reformprogramm für den Islam entworfen.

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Irshad Manji, geboren 1969 in Uganda, war vier Jahre alt, als ihre Familie vor dem Diktator Idi Amin nach Kanada floh. Dort lernte die junge Muslimin pakistanischer Abstammung, die heute in Toronto eine wöchentliche Diskussionsrunde im Fernsehen moderiert, eine völlig neue Welt kennen: offen, tolerant, diskussionsfreudig. Statt sich aber vom Islam abzuwenden, begab sich Manji auf eine intensive Forschungsreise durch ihre Religion. Das Ergebnis ist ein leidenschaftlicher Aufruf an die Muslime weltweit, sich endlich zu befreien von Selbstmitleid, Denkverbot und Vorurteilen, aber auch ein Appell an den Westen, den dunklen Seiten des Islam mutig Einhalt zu gebieten. Ihr Buch erscheint jetzt zeitgleich in Kanada, in den USA und Deutschland.

Brigitte: Der Islam ist für Sie zum Lebensthema geworden, für den Streit um Reform riskieren Sie sogar, persönlich zum Ziel von Hassattacken zu werden. Warum?

Irshad Manji: Das hängt eng mit meiner Lebensgeschichte zusammen. Nach unserer Flucht aus Uganda nahm Kanada meine Familie auf, und ich bin damals in Vancouver in zwei Schulen gegangen: in die weltliche öffentliche Schule und, jeden Samstag, in die islamische Religionsschule, die Madrassa. Das war für mich mein ganz persönlicher Kulturschock. Ich konnte diese zwei Welten einfach nicht miteinander versöhnen, die offene Atmosphäre der öffentlichen Schule und die denkverbotgesättigte Welt der Madrassa.

Brigitte: Daraus hätten Sie auch den Schluss ziehen können, ich lebe im freien Westen, der Islam ist nichts für mich.

Manji: Klar. Aber zum einen ist für mich als Tochter muslimischer Eltern der Islam Teil meiner Identität. Und außerdem hatte ich jede Menge Fragen. Mein Madrassa-Lehrer antwortete aber immer nur: "Lies den Koran." Mit 14 flog ich schließlich raus, weil ich wissen wollte: "Welche Beweise gibt es für die angebliche jüdische Verschwörung gegen den Islam, von der Sie uns so gern erzählen?" Zu dem Zeitpunkt wäre es kein großer Sprung gewesen, mich als weltliche Kanadierin zu definieren. Aber ich wollte dem Islam eine zweite Chance geben. Was, wenn mein Madrassa-Lehrer einfach nur ein schlechter Lehrer war?

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  • Interview: Susanne Fischer; Foto: Mark Bartkim; das ungekürzte Interview lesen Sie in BRIGITTE Heft 20.
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